Am Sonntagnachmittag spielten fünf sehr junge Musiker und die Berliner Symphoniker im Großen Saal der Philharmonie Musik des 18. und des 19. Jahrhunderts. Wir schreiben jetzt das 21., in dem diese jungen Menschen, wenn alles gut geht, noch viele Jahre weiter Musik machen werden, und so verwundert es zunächst, dass die Musik, die da gespielt wurde, so alt ist. Es verwunderte auch, dass etwa ein pianistisches Schwesternpaar oder eine in Wien studierende Geigerin in bodenlangen Kleidern aufs Podium rauschten, mit denen sie sich sonst wohl nirgends in der Welt blicken lassen. Der Eindruck des Anachronistischen ist deutlich, aber gerade das Schnippchen, das damit dem schnellen Formenverbrauch unserer Zeit geschlagen wird, kann einen dann auch wieder mit Vergnügen erfüllen. Vier der Teilnehmer waren Preisträger des Wettbewerbs "Jugend musiziert", dessen Finanzierung, vom Jugendsenat noch vor einem Monat in Frage gestellt, nun doch möglich sein soll. Das Konzert lieferte den Beweis dafür, wie viele Talente auch der Raum in und um Berlin bereithält. Johannes Przygodda (geboren 1993 in Berlin) spielte ein a-moll-Cellokonzert von Antonio Vivaldi, unverkennbar sehr aufgeregt zu Beginn, dann aber mit schönem Ton; freilich ist die scheinbare Simplizität Vivaldis besonders schwer zum Klingen zu bringen. Sophie (Jahrgang 1989) und Judith Rappich (1988), auch sie Berlinerinnen, wirkten im zweiten und dritten Satz des Konzerts für zwei Klaviere Es-Dur KV 385 zusammen, den Mozart für sich und seine Schwester Johanne geschrieben hat, und zwar so geläufig und aufeinander abgestimmt, dass man das elterliche Wohlbehagen geradezu mithörte.Die Musik unverrucht gelassenDie Geigerin Antonia-Alexa Georgiew (Jahrgang 85), eine gebürtige Hamburgerin, gab die "Havanaise" op. 83 von Camille Saint-Saëns mit nobilitierendem Ton, wodurch dem Stück seine Salon-Verruchtheit ganz abhanden kam. Die Pianistin Sophie Schöne schließlich, geboren 1991 und Preisträgerin des Steinway Klavierwettbewerbs, hat vielleicht am souveränsten gespielt. Die Pointen aus dem "Rondo all Ungarese" von Haydns Klavierkonzert Nr. 11 D-Dur setzte sie mit Leichthändigkeit und Nonchalance, das lässt viel für die Zukunft erwarten. Die Symphoniker haben unter Ferenc Gbor sauber und sorgfältig begleitet. Es ist also schön gespielt worden, die vorgeschriebenen Noten waren alle da, und bei Schöne oder Georgiew zeigten sich auch schon Ansätze zu der Frage, warum denn die Noten so vorgeschrieben sind und was das für das Musizieren bedeutet. Die musikalischen Leistungen waren umso bewundernswerter, als sie unter erhöhtem Stress geschahen: Denn die zahlreichen jungen und jüngsten Hörer im Saal lärmten durchwegs ausgelassen. Jugend kennt eben doch im Allgemeinen keine Tugend, wenn auch die jungen Musiker auf dem Podium die Ausnahmen zu dieser Regel bildeten: Artig verneigten sie sich, wenn nach der Darbietung der Applaus erscholl, wie es im 19. Jahrhundert üblich war. Dann gingen sie wieder heim - in welche Welt?