Die polnische Gazeta Wyborcza will es genau wissen: „Im September kommt Julia Timoschenko frei“, titelte die Zeitung am Sonntagabend in ihrer Online-Ausgabe und nannte das Datum 15. September. Die inhaftierte ukrainische Oppositionsführerin werde bis dahin nach Deutschland ausreisen dürfen, um sich in der Berliner Charité wegen ihres Rückenleidens behandeln zu lassen. Damit sei der Weg frei für ein Abkommen zwischen der Ukraine und der EU über eine enge politische und wirtschaftliche Anbindung, das im Herbst unterzeichnet werden soll.

Erst kürzlich hatte die Chefanklägerin im Fall Timoschenko, Lilia Frolowa, im Gespräch mit dieser Zeitung auf die Möglichkeit eines Hausarrestes hingewiesen. Die Gazeta Wyborcza beruft sich auf Kiewer Quellen sowie auf eine Aussage des polnischen Ex-Präsidenten Alexander Kwasniewski. Der 58-Jährige ist Ukraine-Emissär des EU-Parlaments. In einem Interview mit Polskie Radio sagte er nun: „Es besteht eine Chance, dass Timoschenko vor Ende September zur medizinischen Behandlung ins Ausland ausreisen darf.“

Die Leitung der Charité wollte sich auf Anfrage zunächst nicht zu den Spekulationen äußern. Charité-Chef Karl Max Einhäupl sagte allerdings am Montag nach einem Besuch bei Timoschenko in Charkiw, der Gesundheitszustand der Patientin sei unverändert schlecht.

Glaubt man Berichten aus Kiew, haben die Botschafter der USA und der EU in Kiew, John Tefft und Jan Tombinski, einen politischen „Deal“ mit der Regierung des autoritären Staatschefs Viktor Janukowitsch ausgehandelt. Die Freilassung Timoschenkos werde demnach als humanitärer Akt vollzogen, nicht als Amnestie. Die Oppositionsführerin ihrerseits werde sich verpflichten, bis zur ukrainischen Präsidentenwahl 2015 auf jede politische Tätigkeit in ihrer Heimat zu verzichten.