Julian Lennon meldet sich zurück. In den Neunzigerjahren war er nach Italien gegangen, hatte keine Platten mehr aufgenommen und zum 25. Todestag seines Vaters im Dezember 2005 alle Interviews verweigert. Als Produzent des Films "Whale Dreamers", einer Dokumentation über Australiens Ureinwohner und die Spiritualität von Walen, bricht er nun sein Schweigen.Mr. Lennon, woher rührt Ihr großer Einsatz für den Film "Whale Dreamers" ?Er hängt mit meiner Freundschaft zu Kim Kindersley zusammen, der in einer sehr dunklen Phase seines Lebens durch die Begegnung mit einem Delfin einen neuen Zugang zum Leben fand. Er wollte die Menschen über das Schicksal der Meeressäuger aufklären, begann Reportagen fürs Fernsehen zu drehen. Bald führte eins zum anderen.Im Film geht es jedoch nicht nur um die Wale, sondern auch um Menschen.Wenn man von Walen erzählt, kommt man früher oder später auch in Kontakt mit den Aborigines in Australien. Dort erlebte Kim das so genannte Gathering, einen Erfahrungsaustausch von Führern indigener Stämme aus der ganzen Welt. Das war ein toller Ausgangspunkt für den Film. Zu diesem Zeitpunkt stieg ich als Produzent mit in das Projekt ein. Seitdem haben wir gemeinsam dafür gekämpft, den Film auf die Leinwand zu bringen.Wie haben Sie sich überhaupt kennen gelernt?Das war Anfang der Achtzigerjahre in London, über gemeinsame Freunde. Kim kam damals gerade zurück von einer spirituellen Reise nach Indien und war ziemlich krank. Ich war ebenfalls an einem Tiefpunkt, denn Dad war gerade gestorben. Irgendwie haben wir uns sofort gut verstanden. Zu der Zeit war ich umringt von Leuten, die mir ihre Freundschaft anboten. Aber bei kaum einem fühlte sich das so ehrlich an wie bei Kim.Hatten Sie nie Bedenken, Ihr Geld in das Projekt zu stecken?Nein, ich bin von dem Thema überzeugt. Und ich wusste, dass mein Name helfen könnte, andere Finanziers mit ins Boot zu holen und überhaupt auf das Projekt aufmerksam zu machen. Der Name Lennon und das Vermächtnis meines Vaters lassen immer noch aufhorchen. Damit muss man natürlich sorgfältig umgehen. In diesem Fall war ich mir sicher, dass es richtig ist.Das Timing für Ihren Film scheint ideal. Umweltthemen sind gerade sehr angesagt.Wir wurden auch schon darauf angesprochen, dass wir damit auf einen Zug aufspringen würden. Doch davon kann wirklich keine Rede sein, schließlich sind wir seit vielen Jahren mit dem Film beschäftigt. Beschweren wollen wir uns trotzdem nicht, denn jede Art von Aufmerksamkeit für diese Themen ist wichtig. Ökologie und Naturschutz galten so lange als Sache der alternativen Linken, obwohl sie doch jeden etwas angehen. Es ist nur gut, wenn das Ganze im Mainstream ankommt.Japan hat vor kurzem wieder Walfänger losgeschickt. Wie denken Sie darüber?Es macht mich ausgesprochen traurig. Dazu besteht einfach keinerlei Notwendigkeit, anders als damals im Zweiten Weltkrieg, als das japanische Volk damit sein Überleben sicherte. Heute scheint es bloß eine Sache des Stolzes zu sein, weil man sich nichts verbieten lassen möchte - auch wenn 70 Prozent aller Japaner eigentlich gegen den Walfang sind. Aber nicht zuletzt deswegen hoffen wir, mit dem Film für zusätzliches Bewusstsein zu sorgen.Haben Sie "Whale Dreamers" auch mit Ihrer Musik unterstützt?Ich habe meinen Hit "Saltwater" neu eingespielt, habe Gesängen der Aborigines und auch Wale mit eingearbeitet. Durch den Film wurde Greenpeace auf den Song aufmerksam, für die ich mich schon längerem engagiere. Sie haben ihn mittlerweile zu ihrer Hymne gemacht.Können Sie sich vorstellen, weiter in der Filmbranche tätig zu sein?Auf jeden Fall. In Cannes habe ich unter anderem Julia Butterfly Hill kennen gelernt, die junge Amerikanerin, die zwei Jahre lang auf einem Baum lebte, um ihn vor der Abholzung zu bewahren. Wenn über sie ein Film gedreht wird, möchte ich gern Musik beisteuern. Auch mit Michael Moore habe ich über eine mögliche Zusammenarbeit gesprochen.Bleibt da noch Zeit für ein neues Album? Ihr letztes liegt bald zehn Jahre zurück...Das stimmt, aber ich habe gerade ein Jahr lang Songs geschrieben. Das neue Album ist fast fertig und könnte noch im Frühjahr herauskommen. Mehrere Stücke handeln von den Sorgen der Menschheit, nicht zuletzt von ökologischen Themen. Das ist jetzt meine spirituelle Mission.Haben Sie diesen Aktivismus von Ihrem Vater geerbt?Dad stand für viele gute Sachen ein, aber es war eher meine Mutter, die mir zu meinem Bewusstsein verholfen hat. Sie hat mir die Werte beigebracht, denen ich im Leben gefolgt bin. Es ist mein Respekt für sie, der mich ein guter Mensch sein lässt.Stimmt es, dass Sie sich inzwischen mit Ihrem Halbbruder Sean ausgesöhnt haben?Ja. Ich hatte mitbekommen, dass er Anfang 2007 auf Tour in Europa war und da habe ich ihn eines Tages einfach in Prag überrascht, als er von der Bühne kam. Wir hatten seit mindestens sieben Jahren keinen Kontakt mehr wegen einiger Dinge, die ich über seine Mutter Yoko Ono gesagt hatte. Aber ich habe nie aufgehört, ihn zu lieben. Deshalb wollte ich diese Funkstille beenden.Und wie hat er reagiert?Er fragte mich, wie lange ich denn bleiben würde, und meine Antwort war: "Ich begleite dich." Also habe ich mir das letzte zugige Plätzchen auf dem Boden seines Tourbusses gesichert und bin mit durch Osteuropa gereist. Er ist nun einmal mein kleiner Bruder. Von ihm getrennt zu sein, war ausgesprochen schmerzhaft.Interview: Patrick Heidmann------------------------------Der SohnJulian Lennon, geboren im April 1963 in Liverpool, ist der Sohn des Beatles-Musikers John Lennon und dessen erster Frau Cynthia Powell. Sein erstes eigenes Album als Musiker veröffentlichte Julian 1984, vier Jahre nach der Ermordung seines Vaters.Der Film "Whale Dreamers" kommt nach zahlreichen Festival-Aufführungen 2008 in England und den USA ins Kino. Ob und wann er in Deutschland zu sehen sein wird, steht allerdings noch nicht fest.Ein Vorgeschmack im Internet: www.whaledreamers.com------------------------------Foto: Beschwörung der Macht der Natur - eine Szene aus "Whale Dreamers".