Jurica Golemac soll eine lange klaffende Lücke in Albas Spiel schließen: 32, reisefreudig, spielwillig

BERLIN. Die ersten Laufwege bei Alba Berlin kennt Jurica Golemac schon nach ein paar Stunden. Den vom Parkplatz des Jahnsportparks in den Konferenzraum der Geschäftsstelle etwa. Golemac trägt zum Arbeitsantritt die neue Dienstkleidung, einen blauen Kapuzenpulli mit Albatros auf der Brust. Am Vortag erst hat der Power Forward in Athen die Koffer gepackt und sich vom griechischen Europaligisten Panathinaikos verabschiedet. Golemac schickte Frau und Kinder zurück nach Zagreb. Er selbst flog nach Berlin. Gestern hat er dort einen medizinischen Test absolviert, einen Pressetermin und eine erste Übungseinheit mit Trainer Luka Pavicevic. So schnell kann das gehen."Ich bin für drei Monate zu Panathinaikos Athen gekommen, weil einige Spieler verletzt waren", erzählt Golemac im Konferenzraum. "Dann kamen diese Spieler früher zurück als erwartet." Panathinaikos vertraute auf die bewährten Kräfte. Golemac schaltete seinen Agenten ein. "Ich bin 32 und will spielen." Drei Angebote legte der Agent vor: "Ein Europaligist, ein Eurocup-Team." Und Alba. Golemac entschied sich für die Aussicht auf Spielpraxis und finanzielle Sicherheit: für Berlin.Das Geschäft ist schnelllebiger geworden. "Wir nähern uns amerikanischen Verhältnissen an", sagt Albas Sportdirektor Henning Harnisch: "Es ist Normalität, dass Spieler während der Saison wechseln." Alba hat dies die Chance eröffnet, zwei personelle Fehlentscheidungen zu korrigieren. Nach dem missratenen Experiment mit Collegespieler Lee Cummard hat Derrick Byars inzwischen auf dem Flügel seinen Platz gefunden. Jetzt soll Golemac die Lücke schließen, die Vorgänger Kenan Bajramovic klaffen ließ. "Ich will es besser machen", so Golemac.Der slowenische Nationalspieler kroatischer Herkunft befand sich in einem Pool von rund 50 europäischen Profis, die Alba kontinuierlich beobachtete. Die Berliner entschieden sich am Saisonbeginn aber für Bajramovic; der Bosnier, sagt Harnisch, "kann einem Spiel seinen Stempel aufdrücken". Wenn er es will. Zudem war Golemac nicht frei. "Ich stand mit einigen Teams in Kontakt", berichtet er, "dann kam Panathinaikos." Der Gewinner der Europaliga. "Es war eine große Ehre, dass der Trainer mich für drei Monate verpflichten wollte. Ich habe dann für ein Jahr unterschrieben." Am Ende saß er auf der Bank.Mangelnde Identifikation mit Alba, hat einer der Vorwürfe an Bajramovic gelautet. Er selbst machte aus seinem Söldnertum keinen Hehl. Auch Golemac wechselte oft den Klub. Warum? Er sagt: "Das fragt mich meine Frau auch immer wieder." Am Anfang war es anders, in Ljubljana, die schönste Zeit war das, sagt Golemac. "Es ging ums Spiel, nicht ums Geld." So gut gefiel es ihm bei Olimpija, dass er zum Basketball-Slowenen wurde und dem Nationalteam des Landes beitrat.Dann begann die Rundreise: Efes Istanbul, Cibona Zagreb, Ural Great Perm. "Dort in Russland war ich zwei Jahre, danach wollte ich auch bei Hapoel Jerusalem länger bleiben, aber es gab finanzielle Probleme. Ich ging nach Paris." Drei Jahre sollten es diesmal werden. "Aber wir haben nur verloren." Nach drei Monaten ging Golemac zu Panellionios, hier hielt er es bis vorige Saison aus.An der Hand von Pavicevic"Ich habe nichts dagegen, sesshaft zu werden", sagt Golemac. Ob Berlin dafür der geeignete Ort ist, kann er nach ein paar Stunden natürlich nicht sagen. Aus dem aktuellen Kader kennt der 2,09 Meter große Power Forward niemanden. Auch Coach Pavicevic hat er gestern erstmals die Hand geschüttelt. Zusammen mit einigen Alba-Profis übten sie ein wenig: Schnupperkursus. "Zunächst muss ich mich mit den Systemen vertraut machen", sagt er. "Dann werde ich sehen, was das Team macht, und das Team sieht, was ich mache." Das Ziel: "Schnell die Chemie im Team aufnehmen."Nach dem ersten Eindruck könnte das bei Golemac schneller gehen als bei seinem Vorgänger. In zwei Wochen tritt Alba zum vorentscheidenden Eurocup-Duell in Teramo an. "Das ist ein realistischer Zeitpunkt dafür, dass uns Golemac schon helfen kann", sagt Harnisch.Die Stadt kennt Albas Neuer immerhin schon ein wenig. "Zur Fußball-WM 2006 war ich mit Freunden fünf Tage hier", erzählt Golemac. "Wir haben das Spiel Kroatien-Brasilien gesehen." Kroatien verlor 0:1.------------------------------"Ich bin der Soldat, er ist der General." Jurica Golemac über Luka PavicevicFoto: Der Mittler: Alba Berlin setzt auch auf die Kommunikationsfähigkeit von Neuzugang Jurica Golemac (M.).