Ich habe das einfach unterschätzt", sagt Wladimir Kaminer. Nur viereinhalb Monate nach der Eröffnung will er seinen Club Rodina (Heimat) an der Jannowitzbrücke, den er mit zwei Kompagnons betreibt, schon wieder schließen. "So ein großer Club erfordert mehr Zeit und Kraft als wir hatten." Berlins berühmtester Russe, Bestsellerautor und DJ, hatte Ende 2006 versucht, das Erfolgskonzept seiner Russendisko, die seit acht Jahren im Kaffee Burger in der Torstraße läuft, in einem eigenen Club weiterzuführen und zu erweitern. Er fand die frühere Sportsbar des Ex-Herthaners Axel Kruse in den S-Bahn-Bögen unter der Jannowitzbrücke - viel größer und moderner als der Wohnzimmer-Plüsch in der Torstraße."Das Konzept ist sehr wohl aufgegangen", sagt Kaminer selbst heute noch. Im Rodina gab es Tangoabende und Technopartys, Salsa und Punk - die wilde Mischung war die Idee. Nur habe er gedacht, dass sie sich zu einem Selbstläufer entwickeln würde. "Ich dachte, dass mehr Künstler das Projekt unterstützen würden." So war es nicht. Und sich ständig um neue Veranstaltungen und Partys zu kümmern, sei ein Ganztagsaufgabe. "Wir drei wollten aber nicht nur Clubbetreiber sein, sondern uns weiter um unsere eigenen Projekte kümmern", erzählt er. Deswegen geben sie ihren Club jetzt wieder her, "bevor wir in Bedrängnis geraten". Das klingt nach Notbremsung.Ein neuer Betreiber ist noch nicht gefunden. Deswegen ist noch offen, wann das Rodina schließt. Kaminers Bilanz: "Es war sehr abenteuerlich und interessant, aber ich bin einfach kein Geschäftsführer."------------------------------Foto: Wladimir Kaminer