Bei einem 145 Millionen Mark teuren Bauvorhaben für die Technische Universität (TU) sind offenbar Unregelmäßigkeiten bei der Auftragsvergabe aufgetreten. Die Vergabekammer des Senats stoppte den Auftrag für den Neubau der TU-Bibliothek, den die Projektentwicklungsgesellschaft des Bauunternehmers Klaus Groth erhalten hatte.Bei der Ausschreibung soll es geheime Absprachen, geldwerte Vorteile und eine trügerische Vorlage für das Abgeordnetenhaus gegeben haben, berichtet das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Acht von zehn Bewerbern sollen durch diese Methoden von der Auftragsvergabe ausgeschlossen worden sein. Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (SPD) bestätigte, dass es Unstimmigkeiten bei der Auftragsvergabe gegeben haben könnte. "Ich habe einige Fragen zum Auswahlprozess an die zuständigen Sachbearbeiter", sagte Strieder am Sonntag. Ein Ingenieurbüro, das bei der Auftragsvergabe eingebunden war, sei nun von dem Verfahren ausgeschlossen worden. Die Überprüfung des Millionen-Auftrags war von der unterlegenen Firma Holzmann angeregt worden. "Bisher habe ich noch keinen Hinweis auf strafrechtlich relevantes Verhalten", sagte Strieder. Der Senator schaltete aber die Innenrevision ein, die die Auftragsvergabe noch einmal prüfen soll.Gerüchte in der BaubrancheFinanziert werden sollte das Bauvorhaben von der Berlin Hyp, der Immobilientochter der Bankgesellschaft Berlin. Der Berlin Hyp stand zum Zeitpunkt der Auftragsvergabe der CDU-Faktionsvorsitzende Klaus Landowsky vor. Der Bauunternehmer Klaus Groth wiederum hatte in den vergangenen Jahren wiederholt an die CDU gespendet. Nun einen Zusammenhang herzustellen zwischen dem Bauauftrag, dem Kredit und Parteispenden sei ein "weiterer Versuch, Landowsky zu diskreditieren", sagte ein Sprecher der Bank. Es habe sich bei dem Kredit um ein "normales Kommunaldarlehens-Angebot" gehandelt. Die Vorwürfe seien "in höchstem Maße ruf- und geschäftsschädigend", sagte der Sprecher.Dagegen bestätigte der Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbandes, Axel Wunschel, dass es schon seit vergangenem Herbst eine "Vielzahl von Hinweisen auf Ungereimtheiten" bei der Auftragsvergabe gegeben habe. Die Merkwürdigkeiten seien schon beeindruckend, sagte Wunschel der "Berliner Zeitung". "Die ganze Branche redet darüber", sagte er. (sco.)