Kampf bis zum bitteren Ende: VAGANTEN BÜHNE Szenen einer Ehe, Kampf der Geschlechter: "Die Zimmerschlacht" von Martin Walser

Der Mann ist lyrisch, die Frau episch und die Ehe dramatisch - das konstatierte bereits Novalis zum Thema Ehe. Wie dramatisch, das wusste Martin Walser und schrieb 1962/63 ein Stück über das Eheleben und seine möglichen Folgen. Eigentlich als Fernsehspiel gedacht, bewegte Fritz Kortner, nachdem er Walsers Text gelesen hatte, den Schriftsteller dazu, ein abendfüllendes Theaterstück daraus zu machen. So brachten die Münchner Kammerspiele "Die Zimmerschlacht" 1967 als Uraufführung heraus. Das Stück ist heute Martin Walsers bekanntestes und erfolgreichstes Bühnenwerk des als Romanautor bekannteren Schriftstellers.Bei den Vaganten hält sich Regisseur Rainer Behrend an die prägnante Urfassung des Stückes. In eineinhalb hasserfüllten, aber auch liebessehnsüchtigen Stunden werden die Leiden der Eheleute Fürst zerredet, zermalmt und zerlegt. Alles, was sie in ihren annähernd zwanzig Ehejahren an Problemen, Verletzungen und Qualen des Alltags aufgestaut haben, drängt nun aus trügerisch seelenruhiger Tiefe an die Oberfläche. Es beginnt eine Schlacht, eine Zimmerschlacht, die, so Walser, ein "fester Bestandteil einer jeden seriösen Ehe ist".Für die Protagonisten des Stückes, Felix und Tina Fürst (er ist Studienrat für Erdkunde, sie Hausfrau, beide sind sie Mitte vierzig) beginnt die Auseinandersetzung mit einer Einladung zur Party eines Freundes. Felix will dieser Einladung nicht folgen, da der Gastgeber nichts anderes im Sinn hat, als mit seiner jugendlichen Geliebten anzugeben. Felix fürchtet, dem persönlichen Ansturm aus Frust, Komplexen und Neid angesichts der jungen Frau nicht gewachsen zu sein. Denn das junge Liebesglück der anderen macht seine eigene hoffnungslos gescheiterte Ehe noch unerträglicher.Tina durchschaut, weshalb ihr Gatte die Einladung ausschlägt und stattdessen einen Abend in trauter Zweisamkeit vorschlägt. Für beide ist dies eine völlig ungewohnte Situation, die sie lange zu vermeiden wussten. Nach anfänglichem Small-Talk beginnt das Ehepaar Fürst sich nach und nach in Kränkungen und Demütigungen hineinzusteigern, bis die Situation eskaliert. Sie teilen aus, was das Zeug hält und sezieren hasserfüllt ihr ganzes Eheleben bis zum großen, ernüchternden Showdown.Ines Bartholomäus und Rainer Reiners verkörpern bei den Vaganten eindrucksvoll Tina und Felix Fürst. Die Presse schrieb nach der Premiere über Ines Bartholomäus, dass sie "die in der Resignation dahinlebenden Frau gerade in Sequenzen stummer Beobachtung mit kräftigem Hohn und auch ernsteren Farben" gibt, während Rainer Reiners "im Unterhemd und mit kritischer Selbstbetrachtung der eigenen aus dem Leim gehenden Körperlichkeit, den desillusionierten Erdkundelehrer und Pantoffelmacho" lebensnah darstellt. Ganz nach dem Motto: Pack schlägt sich, Pack verträgt sich - oder auch nicht.------------------------------Die Zimmerschlacht von Martin Walser.Regie: Rainer Behrend. 19. bis 21. April, 20 Uhr.Die lustigen Weiber von Windsor von William Shakespeare. Fassung: bremer shakespeare company. Regie: Rainer Behrend, 3. bis 5., 7. & 10. April, 20 Uhr.Shakespeares sämtliche Werke (in 90 Minuten) von Adam Long u. a. Regie: Andreas Schmidt.11. bis 14. & 24. bis 28. April, 20 Uhr.Woyzeck von Georg Büchner. Regie: Daniel Krauss. 16. bis 18. April, jeweils 20 Uhr.Klassen Feind 2.0 von Folke Braband. Regie: Folke Braband. 30. April, 20 Uhr.Vaganten Bühne, Kantstraße 12a, 10623 Berlin.Kartentelefon: (030) 312 45 29www.Vaganten.de------------------------------Foto: Mitte vierzig und Hausfrau: Ines Bartholomäus in "Zimmerschlacht".