Er ist einer der umstrittensten Politiker in Kanada: Seit Rob Ford vor gut drei Jahren zum Bürgermeister von Toronto gewählt wurde, sorgt er für einen Skandal nach dem anderen. Er polarisiert mit rechten Parolen, liefert sich Prügeleien mit Journalisten und pflegt dubiose Freunde im Drogenmilieu. Im Frühjahr war er in ein handfesten Skandal um ein Video verwickelt, das ihn angeblich beim Rauchen einer Crack-Pfeife zeigte.

Der schwergewichtige Bürgermeister aber trotzte allen Gegnern. Bis zuletzt regierte er die viertgrößte Stadt in Nordamerika mit harter Hand und schüttelte alle Vorwürfe ab. Auch weil außer zwei Journalisten lange niemand das angeblich kompromittierende Drogen-Video gesehen hatte. Selbst eine über Crowdfunding finanzierte Belohnung von 200.000 Dollar förderte die Aufnahmen nicht zu Tage. Viele Kanadier hatten den Skandal fast vergessen.

Am Donnerstag dann der Paukenschlag: Auf einer Pressekonferenz berichtete Torontos Polizeichef Bill Blair völlig überraschend vom Fund des Drogen-Videos. Seinen Beamten war es gelungen, die gelöschte Datei auf der Festplatte eines Dealers wiederzufinden. Der Inhalt des Films entspreche dem, was bereits berichtet worden sei, berichtete Blair und fügte hinzu: "Als Bürger bin ich enttäuscht. Dies ist eine traumatische Angelegenheit für den Ruf dieser Stadt."

Ford ist uneinsichtig

Damit wird es für Rob Ford eng. Zwar reichen die Aufnahmen nach Angaben der Polizei für eine Anklage wegen Drogenbesitz noch nicht aus. Doch politisch dürfte Ford jetzt endgültig diskreditiert sein. Im Frühjahr hatte noch versichert, es gebe ein solches Video nicht und er rauche kein Crack. Statt dessen hatte er versucht, den Medien die Schuld in die Schuhe zu schieben und von einer Verschwörung gesprochen.

Auch gestern zeigte sich Ford trotz der lange verschollen geglaubten Aufnahmen uneinsichtig. Er sehe keinen Grund für einen Rücktritt. "Ich führe jetzt ein paar Telefonate und tue das, für das ich von den Bürgern von Toronto gewählt worden bin", sagte er trotzig und verschwand in seinem Büro. Zuvor hatte er in der für ihn typischen hemdsärmeligen Art Reporter von seinem privaten Grundstück vertrieben, ohne genauer auf die Vorwürfe einzugehen.

Die Vorgänge um den Skandal-Bürgermeister sind in Kanada ohne Beispiel. Bei den Ermittlungen hatte sich die Polizei unter anderem durch Fords Abfall gewühlt. Versteckte Kameras hatten Ford auf Schritt und Tritt verfolgt. Jetzt veröffentlichte Gerichtsdokumente dokumentieren auf mehreren hundert Seiten den engen Kontakt Fords zu Drogendealern. Freunde von Ford hatten offenbar versucht, Dealern das Video abzukaufen - womöglich im Auftrag oder mit Billigung des Bürgermeisters.

Der Skandal könnte Toronto lahmlegen

Die neuen Enthüllungen erhärten auch Berichte der Tageszeitung "Globe and Mail" vom Frühjahr. Dem Blatt zufolge hat Fords Familie eine lange Geschichte im kanadischen Drogenmilieu. Demnach soll Fords älterer Bruder Doug, bis heute einer der engsten Vertrauten des Bürgermeisters im Gemeinderat von Toronto, in den 80er Jahren sogar selbst mit Drogen gehandelt haben, ebenso sein zweiter Bruder Randy. Seine Schwester Kathy soll in Schießereien im Drogen-Milieu verwickelt gewesen sein.

Mehrere mit Ford verbündete Stadträte forderten angesichts der neuen Enthüllungen jetzt erstmals den Rücktritt des Bürgermeisters. Sie legten ihm nahe, sich wegen seiner mutmaßlichen Drogensucht in ärztliche Behandlung zu begeben. Der Ruf der Stadt drohe ernsten Schaden zu nehmen, meinte Stadträtin Paula Fletcher. Alle vier in Toronto erscheinenden Tageszeitungen riefen Ford in ihren gestrigen Leitartikeln zum Rückzug auf.

Sollte sich Ford weiter uneinsichtig zeigen, könnte das die Millionenmetropole auf Monate lahm legen. Die kanadischen Kommunalgesetze kennen kein Amtsenthebungsverfahren. Die Regierung der Provinz Ontario könnte die Stadt in einer Art Notstandsmaßnahme unter ihre Verwaltung stellen, zögert aber mit einem solch weitreichenden Schritt. Damit müssen am Ende womöglich die Wähler entscheiden. Im nächsten Jahr stehen Neuwahlen an.