OTTAWA, im Juni. Es könnte die teuerste Vereinbarung des kanadischen Staates mit einem Indianervolk werden: Die Bundesregierung in Ottawa hat jetzt Verhandlungen über die Entschädigung der Mississauga-Indianer zugestimmt. Sie hatten vor 200 Jahren der britischen Krone ein Gebiet von 1 000 Quadratkilometern am Nordufer des Ontariosees übergeben - einschließlich des Gebiets der heutigen Millionenstadt Toronto. Und es geht um Millionen-Beträge.Die Bewohner Torontos müssen keine Enteignung befürchten. "Das jetzige Eigentum an dem Land steht nicht infrage und ist nicht Gegenstand dieses Anspruchs", stellt das Indianerministerium fest. Ziel sei die faire Entschädigung der Indianer für den Verlust des Landes wegen des so genannten "Toronto Purchase"-Vertrages von 1805. "Die Regierung Kanadas hat den ersten Schritt unternommen, einen Fehler der Vergangenheit zu korrigieren. Wir erwarten eine Vereinbarung, die zur wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung nicht nur unserer Gemeinde, sondern auch der Nachbargemeinden beitragen wird", sagt Häuptling Bryan LaForme von den Mississaugas der "New Credit First Nation". Die Mississaugas gehören zu den Ojibwa und damit zur Algonquin-Sprachgruppe. Ihr Name leitet sich vermutlich von dem Wort "Missisakis" ab, was "die Mündungen vieler Flüsse" bedeutet, weil zahlreiche Flüsse und Bäche durch ihr Siedlungsgebiet fließen. Der Name ihrer Nation ("New Credit") wird darauf zurückgeführt, dass sie am Credit River mit Gütern handelten.1787 hatten die Briten mit den Mississaugas über den Verkauf von Land am Ontariosee verhandelt. Ein Vertrag wurde ausgearbeitet. Ob er damals oder erst mit einer Neuformulierung 1805 in Kraft trat, ist umstritten. Jedenfalls hatten Weiße und Indianer verschiedene Vorstellungen von dem, was sie damals unterzeichneten. Für die rund 1 000 Quadratkilometer erhielten die Mississaugas zehn Schillinge oder 120 Pennies - weniger als ein britisches Pfund. "Wir haben das Land übergeben, wurden aber nicht angemessen entschädigt", sagt Margret Sault, Mitglied der Verhandlungsdelegation. Heute leben die Mississaugas in einer 24 Quadratkilometer großen Reservation westlich von Toronto.Wie lange die Verhandlungen gehen und wie hoch die Entschädigung sein wird, lässt sich nicht abschätzen. Zuerst müssten die historischen Fakten erforscht werden, danach werde versucht, den damaligen Wert des Landes zu ermitteln, sagt David Walker, Unterhändler der Regierung. Vor sechs Jahren erhielten die Indianer für 200 Hektar Land in der Stadt Mississauga bei Toronto, das sie beansprucht hatten, zwölf Millionen Dollar. Unbebautes Land im Raum Toronto kann Hektarpreise von weit über einer Million Dollar erreichen.