BERLIN, 14. März. Der von Union und FDP nominierte Präsidentschaftskandidat Horst Köhler hat am Wochenende mit seinem Plädoyer für einen Regierungswechsel und für eine Kanzlerkandidatur von CDU-Chefin Angela Merkel erheblichen Wirbel ausgelöst. Insbesondere die CSU zeigte sich verärgert. Der Chef der bayerischen Staatskanzlei Erwin Huber kritisierte, Köhler habe mit seinem überraschenden Bekenntnis zur Unzeit eine Debatte über die Frage ausgelöst, wer für die Union bei der nächsten Bundestagswahl als Kanzlerkandidat ins Rennen gehen soll. Auch CSU-Landesgruppenchef Michael Glos murrte: "Vielleicht hat der designierte Bundespräsident ja prophetische Gaben. " Köhler hatte am Wochenende vor Kreisvorsitzenden der CDU in Berlin gesagt, er hoffe, dass 2006 "jemand von der CDU - Frau Merkel - Bundeskanzlerin ist". Derartige Äußerungen eines Kandidaten für ein Bundespräsidentenamt sind ungewöhnlich, da der Präsident traditionell zu parteipolitischer Neutralität verpflichtet ist. Auch SPD-Generalsekretär Olaf Scholz zeigte sich am Sonntag "irritiert" über die Parteinahme Köhlers für Merkel. In der Union hieß es, der Kandidat habe möglicherweise die Tragweite seiner Äußerungen unterschätzt.Nach Darstellung von CSU-Generalsekretär Markus Söder hat Köhler mittlerweile mit Parteichef Edmund Stoiber telefoniert und erklärt, er habe mit seinen Äußerungen nicht in die Personalentscheidungen in der Union eingreifen wollen. Stoiber gilt neben Merkel als aussichtsreichster Anwärter für die Kanzlerkandidatur der Union 2006.PDS will Kandidaten einladen Auf der linken Seite des politischen Spektrums lehnte die PDS unterdessen eine vorschnelle Festlegung auf die rot-grüne Kandidatin Gesine Schwan ab. Der PDS-Vorsitzende Lothar Bisky sagte der Berliner Zeitung: "Wir wollen uns keinem Lager zuordnen lassen. Das sage ich vor allem an diejenigen, die meinen, sie könnten unsere Stimmen selbstverständlich verbuchen. " Die PDS stellt in der Bundesversammlung 31 Wahlmänner und -frauen. Schwan kann ihre Chance gewählt zu werden, nur wahren, wenn die PDS-Delegierten geschlossen für sie stimmen.Bisky kündigte an, seine Partei werde sowohl Köhler als auch Schwan zu einem Treffen mit den PDS-Wahlmännern einladen. "Wir möchten gerne beide Personen unter die Lupe nehmen", betonte Bisky. Die Einladungen an Köhler und Schwan sollen Bisky zufolge demnächst verschickt werden. Ziel des Treffens sei es, ein möglichst einheitliches Meinungsbild bei den PDS-Delegierten heraus zu arbeiten. Er persönlich könne sich vorstellen Schwan zu wählen, betonte Bisky. "Sie hat Charakter, hat Ecken und Kanten. Das finde ich bemerkenswert und ist mir viel lieber als diese glatten Leute. " Er werde aber keinem PDS-Delegierten eine Wahl vorschreiben.Kommentar Seite 4