Was mehr als 40 Jahre getrennt war, ist seit Freitag abend wieder vereint: Die neue Berliner Gemäldegalerie wurde eröffnet. Stolz, mit ein wenig Pathos und vielen Superlativen feierten die Redner das Ereignis. Die Galerie sei eine "Schatztruhe", sagte Bundesinnenminister Manfred Kanther (CDU), Vorsitzender des Stiftungsrates der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Sie berge das "Kostbarste, was uns Preußen hinterlassen hat". Die Galerie unterstreiche die herausragende Bedeutung der Kulturstadt Berlin und sei zugleich "Verpflichtung für Bonn, Berlin weiter maßgeblich zu unterstützen". Der Bau der Gemäldegalerie war laut Kanther der "Schlußakkord auf dem Kulturforum". Jetzt müsse man sich der Museumsinsel und der Staatsbibliothek unter den Linden zuwenden. Rund 280 Millionen Mark hat der Neubau gekostet, Bund und Land zahlten je die Hälfte. Entstanden ist ein Haus, durch dessen riesige Glasdächer Sonnenlicht in die Räume fällt. "Das Haus ist ein Glücksfall nicht nur für Berlin", sagte der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU). Bald schon werde die Galerie gemeinsam mit dem Prado, dem Louvre oder den Uffizien genannt.Eine knappe Stunde mußten die rund 1 000 Gäste warten, bevor sich die Tore zu den Ausstellungsräumen öffneten. Knapp sechs Jahre Bauzeit hat es gedauert, "bis sich nun der Vorhang hebt", sagte Wolf-Dieter Dube, Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin. Und es hat sich gelohnt. Begeistert schlenderten die Besucher, begleitet von Musik aus dem 17. und 18. Jahrhundert, durch die 52 Säle mit Bildern von Meistern aus dem Mittelalter bis Ende des 18. Jahrhunderts. "Wir haben das beste Licht und den festlichsten Samt", hatte Dube gesagt. Und er wäre kein guter Museumschef, hätte er die Gäste nicht gemahnt, die Samttapete "bitte nicht zu berühren". Er lud die Zeugen des "größten künstlerischen Ereignisse nicht nur für Europa" ein, oft wiederzukommen. Kein Mensch könne die gezeigten 1 400 Gemälde auf einmal ansehen: "Die Galerie ist wie eine Bibliothek. Dort lesen Sie ja auch nicht alle Bücher auf einmal", so Dube. Für das Publikum öffnet die Gemäldegalerie erstmals am Sonntag um 11 Uhr. Die Tageskarte kostet acht, ermäßigt vier Mark. Mit dieser Eintrittskarte können am selben Tag auch alle anderen Häuser der Staatlichen Museen besucht werden. Die Öffnungszeiten: dienstags, mittwochs und freitags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags von 10 bis 20 Uhr. An den Wochenenden kann die Gemäldegalerie von 11 bis 18 Uhr besichtigt werden. Führungen werden donnerstags und sonntags, jeweils um 14.30 Uhr angeboten.