BERLIN, 30. Dezember. Unmittelbar vor der Einführung des Euro-Bargeldes haben führende Politiker ihre Überzeugung geäußert, dass die europäische Währung ein Erfolg wird. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) sagte in seiner am Sonntag in Berlin veröffentlichten Neujahrsansprache, mit dem Euro-Bargeld beginne eine Zeit, von der Menschen in Europa "jahrhundertelang geträumt haben: grenzenlose Reisefreiheit und Bezahlen in einer gemeinsamen Währung - in Euro und Cent". Luxemburgs Ministerpräsident Jean-Claude Juncker betonte in einem Gespräch mit der "Berliner Zeitung", der Euro werde "die europäische Einigung unumkehrbar machen".Auch der frühere Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) verhieß dem Euro eine "große Zukunft". Nach dem Dollar werde er "die zweite wichtige Währung der Welt sein". Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Wim Duisenberg, sprach ebenfalls von einem historischen Moment. Der Euro gilt vom 1. Januar an in elf Ländern der Europäischen Union als offizielles Zahlungsmittel.Mehr Gewicht in der WeltKanzler Schröder äußerte Verständnis für jene Menschen, die angesichts der Euro-Einführung "ein wenig wehmütig" geworden seien. Mit der Mark sei die Erinnerung an gute Zeiten der Bundesrepublik verbunden. "Aber Sie können sicher sein: noch bessere stehen bevor", prophezeite Schröder. Der Euro sei ein Garant für dauerhaften Frieden in Europa. Auseinandersetzungen fänden höchstens noch zwischen Bürokratien statt, aber nicht mehr zwischen EU-Bürgern. Dieser Traum sei mit der gemeinsamen Währung "gleichsam anfassbar geworden".Die Europäische Union könne Modell für andere Regionen in der Welt sein, fuhr Schröder fort. "Nach blutigen Kriegen haben uns unsere Nachbarn die Hände zur Versöhnung gereicht, ein Miteinander zugelassen, aus dem Freundschaft erwuchs." Die Dankbarkeit dafür sei ein Grund mitzuhelfen, Frieden auch in anderen Regionen zu ermöglichen. Die Weltgemeinschaft erwarte von Deutschland "mehr als bisher". Die Bundesrepublik müsse ihr Gewicht bei der Lösung von Konflikten jenseits der eigenen Grenzen einsetzen, sagte der Kanzler. Es sei "uns nicht mehr gestattet, abseits zu stehen" - auch dann nicht, wenn militärische Mittel eingesetzt werden müssten, "um Unterdrückung zu beenden und Frieden wiederherzustellen".In einem Gastbeitrag für "Bild am Sonntag" hatte der Kanzler zuvor betont, die Möglichkeit des Preisvergleichs in mehreren europäischen Ländern werde "für mehr Wettbewerb und auf Dauer für sinkende Preise" sorgen. Auch vor versteckten Preiserhöhungen sollte sich niemand fürchten. Die Bundesregierung zum Beispiel habe bei der Euro-Umstellung "so abgerundet, dass die Bürger insgesamt 400 Millionen Mark an Steuern und Gebühren sparen".Nach Angaben des Chefvolkswirts der Deutschen Bank, Norbert Walter, ist es in Deutschland vor der Euro-Bargeldeinführung zu einer kurzfristigen künstlichen konjunkturellen Erholung gekommen. Grund sei der erhebliche Zufluss von Schwarzgeld in den Handel gewesen, sagte er. Dies könne aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Konjunkturaussichten für 2002 weiter düster seien.