Immerhin, ein Vorbild ist sie, Angela Merkel. Das findet zumindest ein Drittel der Frauen in Deutschland, eine Kanzlerin, das ist die beruhigende Nachricht, und nicht etwa Heidi Klum, die nur acht Prozent vorbildlich finden. Besser als Merkel schnitten nur Mutter Theresa, Lady Diana oder Steffi Graf ab.

Die wenig überraschende Nachricht lautet: Wenn es um den Haushalt geht, dann finden nur 29 Prozent der Frauen, aber 35 Prozent der Männer, dass die Aufgaben gleich verteilt sind. Überraschend wird es, fragt man die Deutschen, wie es um die Gleichberechtigung insgesamt bestellt ist: 54 Prozent sagen, dass noch einiges passieren muss. 2011 waren es 50 Prozent.

All das hat das Institut für Demoskopie Allensbach herausgefunden. Renate Köcher, seit 1988 Chefin des Instituts, stellte die Umfrage am Dienstag in Berlin vor, gemeinsam mit Emma-Chefredakteurin Alice Schwarzer, die die Studie in Auftrag gegeben hatte.

Zu wenig für die Gleichberechtigung

Einen Anstieg der Unzufriedenheit mit dem Stand der Gleichberechtigung hat Köcher in den vergangenen zwanzig Jahren öfter beobachtet, zuletzt 2008, da wurde um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie fehlende Kitaplätze gestritten. Das bescherte der Gleichberechtigung Aufmerksamkeit. Jetzt war es wohl die jüngste Diskussion um die Quote.

Nanu? Sind das nicht alles Themen, die auf der Zu-erledigen-Liste der jetzigen Bundesregierung standen? Genau wie die fehlende Gleichberechtigung bei den Einkommen, den Karriereaussichten, in der Kirche, und, ach ja, im Haushalt? All das sahen die Befragten kritisch, und vielleicht lässt sich so erklären, warum ein Drittel der Deutschen sagt: Merkel tut zu wenig für die Gleichberechtigung.

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„Ich erwarte ja nicht, dass die Kanzlerin mit dem feministischen Flammenschwert loszieht“, sagte Alice Schwarzer dazu, aber der dringendsten Themen solle sie sich doch endlich annehmen. Vielleicht gebe es da aber ein psychologisches Problem. Merkel habe es schließlich selbst nicht leicht gehabt als Frau, da wolle sie wohl nicht durch eine engagierte Frauenpolitik auch noch betonen, dass sie nun mal eine Frau ist.

Hin und wieder macht Merkel das aber doch, spricht dann aber übers Streuselkuchenbacken und über Männeraugen, nicht ganz die Botschaften, die sich Schwarzer so wünscht. Merkels Konkurrent Peer Steinbrück unterstellte der Kanzlerin gar, von einem Frauenbonus zu profitieren. Kein Wunder also, dass eine andere Umfrage kürzlich ergab: Nur 24 Prozent der Frauen würden derzeit für Steinbrück stimmen und 65 Prozent für Merkel, und das trotz ihres fehlenden Einsatzes für die Emanzipation.