Köln - Frau Bundeskanzlerin, Sie stellen sich heute in Köln zur Wiederwahl als CDU-Vorsitzende. 98 Prozent der Stimmen haben Sie 2012 bekommen. Da sollten diesmal nach der gewonnenen Bundestagswahl 2013 die 100 Prozent drin sein, oder?

Ich freue mich einfach, wenn ich wiedergewählt werde. Mit welchem Ergebnis, das entscheiden die Delegierten. Ich gebe da keine Prognosen ab.

Wie schätzen Sie denn die Zustimmung der Partei zu Ihrer Politik ein?

Der Wahlkampf hat sich gelohnt. Unsere Politik hilft, dass die Menschen in Deutschland eine gute Zukunft haben. In der Bundesregierung arbeiten wir mit der SPD gut zusammen. Jede Koalition bringt Kompromisse mit sich, wir haben aber Anliegen durchgesetzt, die mir persönlich sehr wichtig sind: keine Steuererhöhungen, den ausgeglichenen Haushalt, die Mütterrente, Investitionen in Forschung und Bildung, Infrastruktur und Digitalisierung. Dafür steht die CDU.

Der Antrag von CDU-Mittelstand und -Arbeitnehmerflügel zur Abschaffung der kalten Progression muss doch auf Sie wie ein Torpedo der eigenen Leute auf den ausgeglichenen Haushalt wirken.

CDU und CSU sagen schon lange, dass wir die kalte Progression abschaffen, sobald die finanziellen Spielräume da sind. Das gilt weiter, setzt aber auch eine Bereitschaft der Länder voraus. 2015 werden wir den ersten ausgeglichenen Haushalt seit 46 Jahren haben – ein wichtiges Signal der Generationengerechtigkeit an die Jungen. Das in den nächsten Jahren fortzusetzen, hat für uns Vorrang.

Und mit dem Finanzierungsvorbehalt, denken Sie, sind Sie fein heraus?

Wir werden uns weiter anstrengen, finanzielle Spielräume zu erarbeiten. Man muss immer auch an Unwägbarkeiten denken, wie die Entwicklung der Weltwirtschaft, geopolitische Krisen wie der Ukraine-Russland-Konflikt oder der IS-Terror, die alle nicht ohne Auswirkungen auf eine wirtschaftliche Entwicklung bleiben und bei der Erarbeitung von Finanzprognosen bedacht werden müssen.

Sowohl die Forschungsinstitute als auch der Bundesrechnungshof haben die teuren sozial-politischen Maßnahmen der Koalition kritisiert. Sind Sie nicht selbst schuld, wenn es – wie Sie sagen – keine Spielräume im Haushalt gibt?

Nein. Die Mütterrente ist bis 2018 aus Bundeszuschuss und Rücklage der Rentenversicherung finanziert. Danach sind ansteigend auf zwei Milliarden Euro pro Jahr zusätzlich in der Finanzplanung berücksichtigt. Dass wir die Rentenbeiträge zum Januar senken können, zeigt, dass die Finanzen der Rentenversicherung in gutem Zustand sind.

Wie wichtig sind den CDU-Mitgliedern Mindestlohn und Frauenquote?

Weite Teile der Union waren schon länger für einen branchenspezifischen Mindestlohn. Deshalb war der Weg zum Kompromiss mit der SPD nicht so lang, insbesondere weil wir im Gesetz jetzt auch branchenspezifische Übergangslösungen vorgesehen haben, etwa in der Landwirtschaft oder bei den Zeitungsausträgern.

Was etwa den Verlagen in schwerer Lage nicht wirklich hilft.

Ob alle vollauf zufrieden sind, steht auf einem anderen Blatt. Wir haben uns bemüht, auf unterschiedliche Bedürfnisse einzugehen. Das ist gelungen.

Im nächsten Abschnitt lesen Sie, was Angela Merkel über die Position der CDU zur Frauenquote denkt.