Frankfurt a.M. - Auf dem kleinen, begrünten Westendplatz zwischen Frankfurter Hauptbahnhof und Messe sitzen am Freitagvormittag sechs Blockupy-Demonstranten in der Sonne auf den Bänken. Derzeit protestieren die Hamburger nicht gegen Banken und europäische Sparpolitik. Am Kiosk haben sie Süßes besorgt. Wer irgendwo sitzt, ist am Freitag in Gefahr, sofort von der Polizei aufgemischt zu werden, denn die Beamten gehen energisch gegen alle Sitzblockaden in der Innenstadt vor. Wasserwerfer stehen bereit.

Polizeiangaben zufolge wurden bereits 400 Menschen in Gewahrsam genommen und in Sammelstellen in ganz Hessen gebracht. Am Westendplatz ist das Geschehen bisher vorbeigegangen. Die Hamburger trinken erst mal einen Kaffee. Nicht weit weg, in der Beethovenstraße und am Messeturm, hat die Polizei gerade zwei Blockaden aufgelöst. Gleiches geschieht vor dem nach allen Seiten weiträumig abgesperrten Sitz der Europäischen Zentralbank (EZB) am vorläufig geräumten Occupy-Camp.

Polizei erwartet gewaltbereite Demonstranten

Anders als am Donnerstag, als Polizisten und Demonstranten bei einer ungenehmigten Kundgebung vor der Paulskirche weitestgehend und sieben Stunden lang friedliche Koexistenz praktizierten, dulden die Einsatzkräfte am Freitag keine der verbotenen Protestaktionen. Ausschreitungen bleiben aus. Die von der Polizei zu den Blockupy-Tagen erwarteten anreisenden Gewalttätergruppen sind in Kontrollen auf Autobahnen und in Zügen hängen geblieben, haben sich nicht auf den Weg gemacht oder kommen erst zur Großdemonstration am Samstag, der einzig genehmigten Aktion.

Mit 2000 Gewalttätern sei bis Samstag in der Stadt zu rechnen, hatte Frankfurts Polizeivizepräsident Gerhard Bereswill mitgeteilt. "Das sind Gewaltsuchende, die nichts anderes im Sinn haben, als die Gesundheit anderer zu gefährden", sagte Berenswill. Der 27-jährige Gerhard aus Hamburg findet diese Einschätzung fast amüsant. "Dann bin ich Gewalttäter Nummer 1517", sagt der Student während seiner Protestpause.

Sprechchöre gegen Kapitalismus

Bis zum Mittag ist es im Westend allerdings drastischer zugegangen: In der Beethovenstraße sind etwa 50 Demonstranten seit neun Uhr von Polizisten eingekesselt. Mannschaftswagen haben den ganzen Block abgesperrt. Dichte Reihen von Polizisten versperren den Blick auf die festgesetzte Menge, die in Gewahrsam genommen werden soll. Aus ihrer Menge schallen immer wieder Sprechchöre wie "Anticapitalista" und "Revolucion", ein Demonstrant filmt die Polizisten um sich herum.

Einige protestieren außerhalb des Kessels. Ein Mann hält ein Schild hoch, auf dem "Demokratie wird in Bankfurt eingekesselt" steht. Deniz K. sagt, er unterstütze die Demonstranten von außen. "Wir sind das Volk, und wir haben ein Recht, auf die Straße zu gehen", betont er. Ein Lastwagen bringt indes Toilettenkabinen für die Demonstranten, Polizeiwagen bringen Wasser und Snacks für die Polizisten.

Einige Anwohner betrachten das Geschehen von außen: Rainer Haberkorn stören die Proteste nicht. "Die Demonstration ist angebracht, solange die Menschen friedlich bleiben", sagt er. Anwohnerin Ricarda B. hingegen hält nichts Blockupy. "Ich höre nur Schlagworte. Ich glaube nicht, dass die Leute wissen, was sie wollen", sagt sie.

Die Stimmung scheint dennoch entspannt. Jemand in der Menge spielt die antiautoritäre Hymne "Killing In The Name", zwei Polizisten nicken mit. Doch um Punkt 12.00 Uhr kommt Bewegung in den Kessel. Polizisten beginnen, die Demonstranten zu einer Kreuzung zu bringen und ihre Personalien aufzunehmen. Einige lassen sich tragen, wenige wehren sich. Eine Stunde später ist die Aktion zu Ende - und die Situation die gleiche, nur 50 Meter weiter. Die Demonstranten sitzen wieder auf der Straße. (dapd)