Als Karl Schirdewan vor zwei Wochen im Alter von 91 Jahren starb, wurde er in Nachrufen als "Altkommunist" beschrieben. Ein Begriff, der eher Kontinuität als Brüche in einem Leben andeutet. Doch Schirdewan, der früh zu den Kommunisten fand, Konzentrationslager der Nationalsozialisten überlebte und in der DDR zunächst treuer Parteigänger Walter Ulbrichts war, hat einen Bruch in seiner Biographie erlebt. Nach der Abrechnung Chruschtschows mit dem Stalinismus 1956 kritisierte er die starre Haltung Ulbrichts. Er wurde aus dem ZK und dem Politbüro der SED entfernt. In seiner Autobiographie, an der er bis kurz vor seinem Tod gearbeitet hat, erinnert sich Karl Schirdewan an diese "Zäsur".Als ich vom XX. Parteitag der KPdSU aus Moskau zurückkehrte, erwartete mich meine Frau auf dem Flughafen Schönefeld. Gisela kannte mich lange genug, um augenblicklich meine tiefe innere Anspannung wahrzunehmen. Sie stellte zunächst keine Fragen. Erst als wir im Auto saßen, sah sie mich erwartungsvoll an. Ich sagte nur einen Satz: "Stalin ist für die Geschichte gestorben." Fassungslos, geradezu entsetzt schaute mich Gisela an. Mehr wollte ich ihr jedoch während der Fahrt nicht erzählen.Was war geschehen? Gemeinsam mit Walter Ulbricht, Otto Grotewohl und Alfred Neumann war ich Zeuge eines der einschneidenden politischen Ereignisse dieses Jahrhunderts geworden. Wir vier bildeten die SED-Delegation, die an dem am 14. Februar 1956 im großen Kremlpalast eröffneten Parteitag der sowjetischen Kommunisten teilnahm. Wir glaubten, das Wesentliche schon gehört zu haben, als man uns plötzlich in der Nacht vom 25. zum 26. Februar 1956 mit der ganzen Größe der vor uns stehenden Aufgaben konfrontierte. Man trug uns Chruschtschows befreiende Rede vor, die jener in einer Nachtsitzung vor ausschließlich sowjetischen Parteitagsdelegierten gehalten hatte. Mir kam die Aufgabe zu, die in deutscher Übersetzung vorgetragene Fassung zu notieren. Für mich lagen als Schlußfolgerungen von Anfang an auf der Hand: Die Rede gründlich auswerten die Folgen des Stalinismus bei uns herausarbeiten und im sachlichen Dialog mit dem gesamten Volk einen besseren Weg suchen. Die Mehrheit in der SED-Führung sah das leider anders. In der Auseinandersetzung um diese Frage erschloß sich mir das Ausmaß der tiefen Krise, in der wir uns sowohl gesellschaftsstrategisch als auch personalpolitisch befanden, erst richtig.Die Enthüllungen über die Verbrechen in der Stalinschen Ära nicht er allein hatte Verbrechen begangen waren für mich persönlich zutiefst bestürzend. Im Gegensatz zu den Moskau-Kadern wie Ulbricht und Neumann hatte ich derartige Entartungen nicht einmal im Ansatz für möglich gehalten. Um so mehr war ich auf Ulbrichts Reaktion gespannt. Im Prinzip reagierte er vorerst gar nicht. An diesem Punkt hatten sich schon in Moskau die Geister geschieden. Es bei der provokatorischen Erklärung zu belassen, Stalin sei nun nicht mehr zu den Klassikern der kommunistischen Weltanschauung zu zählen, mußte die Parteiführung bei den Mitgliedern der SED und im ganzen Volk bloßstellen. Schließlich zählte gerade Ulbricht, der Urheber dieser Floskel, zu den größten Verherrlichern Stalins auf deutschem Boden. Es war unübersehbar, daß er einer kritischen und selbstkritischen Auseinandersetzung darüber aus dem Wege gehen wollte.Gerade in diesem Punkt lag der große Unterschied zwischen ihm und Chruschtschow, der gewiß auch seine Grenzen hatte, aber die Verantwortung für den Sozialismus letztlich doch über das reine Machtkalkül und vor allem seine persönlichen Ambitionen stellte. Man mag Chruschtschow wie auch immer analysieren, sein großes Verdienst vor der Geschichte bleibt: Er war derjenige, der, ein zweifellos hohes persönliches Risiko in Kauf nehmend, das Tor aufgestoßen hat, um die unglaublichen Verbrechen des Stalinismus ans Licht zu bringen. Auch von ihm selbst war die Rede, von jenem Parteiführer der Ukraine wurde gesprochen, der in die Massenverfolgungen verstrickt war, von jenem ZK-Sekretär, der Stalins Vorgaben widerspruchslos umzusetzen bemüht war.Chruschtschow ging wichtige Schritte hin zur Wiederherstellung einer halbwegs rechtsstaatlichen Ordnung, entlarvte den Personenkult als ideologische Basis des Machtmißbrauchs immer in dem Maße, das für ihn durchsetzbar schien. Jedenfalls gehörte Mut zu all dem, und er mußte immer wieder erfahren, wie dünn der seidene Faden war, an dem sein politisches Schicksal hing. Und nicht nur sein politisches Schicksal. Chruschtschows Weg seit 1956 zeigt viel von den engen, keineswegs einseitigen Verflechtungen sowjetischer und ostdeutscher Nachkriegspolitik. Als bald nach dem XX. Parteitag in einer Reihe verbündeter Staaten eine instabile Situation entstand, zögerten die unbelehrbaren Stalinisten um Molotow und Kaganowitsch, Woroschilow und Malenkow keinen Augenblick, dies Chruschtschow anzulasten. Obwohl zunächst Reformen auch in der DDR zugeneigt, wollte Chruschtschow offensichtlich keine weiteren Wagnisse eingehen, und er ließ Ulbricht weiter gewähren. So konnten auch ich und andere später kaltgestellt werden. Noch 1957, als Chruschtschow zu einem Besuch in Berlin weilte, schien die Sache der Reformen nicht schlecht zu stehen, obwohl die Auseinandersetzungen zwischen mir und Ulbricht schon einen ersten Höhepunkt erreicht hatten.In einem Gespräch fragte mich Chruschtschow nach meiner Meinung über die Sozialdemokratie. Ich spürte, wie stark ihn diese Frage beschäftigte. So berichtete ich Chruschtschow aus meiner politischen Praxis in Breslau, einer Hochburg des linken Flügels der SPD, vor allem von meinen Erfahrungen aus der Zusammenarbeit mit der Sozialistischen Arbeiterjugend. Ich sagte ihm, daß ich der Meinung sei, es gäbe in der Führung der Sozialdemokratie auch jetzt, 1957, starke linke Kräfte, die bereit wären, loyale Beziehungen zu knüpfen. Chruschtschow schien an dieser Frage sehr interessiert. Er schlug mir vor, ihn in seinem Urlaubsort Sotschi zu besuchen, damit wir dort weiter sprechen könnten. Ich verwies ihn an Walter Ulbricht, der mir in diesem Jahr sicher keinen zweiten Urlaub genehmigen würde. "Ach", sagte er nur. Und so kam es dann auch. Aus dem Umfeld Ulbrichts wiederum gingen nicht zu unterschätzende Aktivitäten zur Unterstützung stalinistischer Kräfte in der KPdSU aus. Man darf sich das komplizierte Beziehungsgeflecht zwischen den kommunistischen Funktionären nicht gar zu einseitig vorstellen. Und als schließlich die Tauwetterperiode in der Sowjetunion Mitte der sechziger Jahre beendet wurde, beschloß man nicht nur, den allzu selbständig gewordenen Ulbricht schrittweise durch den damals noch willfährigen Honecker zu ersetzen, sondern zugleich auch die Kaltstellung aller DDR-Reformer einschließlich meiner Person.Es ist auch ein Verdienst Chruschtschows, daß man die potentiellen Reformer zumindest in ihrer Mehrheit nicht mehr im Gulag zugrunde gehen ließ. Und auch die unbelehrbarsten Stalinisten kamen glimpflich davon. Meist wurden sie erst nach gescheiterten Putschversuchen ihrer Funktionen enthoben. Als Kaganowitsch ein Mann, der die Erbauer der Moskauer Metro mit der Peitsche bis zum Zusammenbrechen angetrieben hatte um sein Leben flehte, beruhigte ihn Chruschtschow: "Wir leben nicht mehr unter Stalin." Ulbricht wiederum beunruhigte schon die Möglichkeit einer Amtsenthebung. Als die Malenkowgruppe entmachtet wurde, rief Ulbricht auf einer Beratung der SED-Führung wutschnaubend aus: "Wenn es wieder eine Ausnutzung dieser Ereignisse durch bestimmte Leute (er meinte reformorientierte Funktionäre) gibt, lasse ich sie ins Gefängnis sperren!" Um einen solchen Satz überhaupt formulieren zu können, stützte er sich allerdings genau auf die Inkonsequenz Chruschtschows der ja angesichts der Eskalation der Ereignisse in Ungarn geäußert hatte, man hätte einige Leute doch lieber rechtzeitig einsperren sollen.Wenige Wochen nachdem die KPdSU die Veröffentlichung der Enthüllungen über die Verbrechen Stalins und seiner Gefolgsleute beschlossen hatte, ging der SED-Führung ein internes Dokument der KPdSU zu. Es enthielt zum einen eine Anleitung zur Auswertung der Chruschtschow-Rede in der sowjetischen Gesellschaft. Zum anderen wurde darin die Lage in der Sowjetunion nach dem Parteitag eingeschätzt. Diese Analyse lenkte die Aufmerksamkeit auf die Herausbildung sowohl von Gruppierungen, die die Kritik an Stalin und dem Personenkult nicht akzeptierten, als auch auf Strömungen, die die Zeit für nationalistische Entwicklungen für gekommen hielten. Beiden Richtungen sagte die Mehrheit des Zentralkomitees der KPdSU den Kampf an. Indem dieses Dokument allen kommunistischen Parteien in den sozialistischen Staaten übergeben wurde, erging an sie eine zwar indirekte, jedoch unmißverständliche Aufforderung, die jeweils landesspezifischen politischen Fehler im Zusammenhang mit dem Personenkult unverzüglich zu korrigieren und die sozialistische Gesetzlichkeit wiederherzustellen. Chruschtschow, mit dem ich am Rande der Beisetzung des polnischen KP-Führers Boleslaw Bierut zusammentraf, äußerte sich mir gegenüber zornig über das politische Versagen Ulbrichts bei der Auswertung seiner Geheimrede in der DDR. Derart unter Druck geraten, beschloß unser Politbüro kurz darauf, im "Neuen Deutschland" eine Stellungnahme zum XX. Parteitag der KPdSU zu publizieren. Kurzfristig beauftragte man mich mit der Erarbeitung eines entsprechenden Entwurfes. Ich hatte ihn Ulbricht noch am Nachmittag desselben Tages vorzulegen. Sofort begann er eine erbitterte Auseinandersetzung mit mir. In meinem Text gab es eine Passage, derzufolge auch bei uns sowohl Funktionäre der Partei als auch unbescholtene Bürger verhaftet worden und Tote zu beklagen gewesen waren. Als Ulbricht das las, schäumte er vor Wut und fing an zu schreien: "Bei uns hat es keine Toten gegeben!" Es kostete mich beträchtliche Mühe, in Ruhe zu erwidern: "Du kannst das nicht kleinreden! Laß untersuchen, daß genau das der Fall war." Ulbricht geriet so in Rage daß er das Papier beinahe zerrissen hatte. Er besann sich dann aber und nahm den Entwurf zusammen mit der Durchschrift an sich. "Denk darüber nach", riet ich Ulbricht, "es gibt eine Reihe offener Fragen Willy Kreikemeyer, Lex Ende, Fritz Sperling und so mancher anderer, der gebrochen wurde." Er ging gar nicht darauf ein, strich alles weg, was ihm nicht paßte. Im "Neuen Deutschland" stand dann ein völlig veränderter Text. Während zahlreiche aufrechte Parteifunktionäre vor allem aus den Bereichen Wissenschaft und Kunst, aber auch unmittelbar an der Basis gemeinsam mit mir eine breite Aussprache über die aus den stalinistischen Deformierungen herrührenden Probleme forderten, lehnte der um Ulbricht gescharte Teil der Parteiführung eine ehrliche Auseinandersetzung mit den eigenen Fehlleistungen ab. Man verwies immer wieder darauf, daß eine "Fehlerdiskussion" den Ereignissen des 17. Juni 1953 angeblich Vorschub geleistet hätte.Diejenigen, die sich nicht vom Stalinismus lösen konnten oder wollten, versuchten mit großem Aufwand darzustellen, daß jeder Versuch eines gesellschaftlichen Neubeginns zwangsläufig in eine politische Katastrophe münden müsse. Vertuscht werden sollte dabei, daß nicht irgendeine "Fehlerdiskussion", sondern die real begangenen schweren Fehler und deren zumeist halbherzige, viel zu spät und viel zu zaghaft erfolgte Aufarbeitung die Stimmung im Volke gegen die jeweils regierende kommunistische Partei kippen ließ. Halbherzigkeit, ja geradezu eine abwehrende Haltung, zeigten die Ulbrichtschen Gefolgsleute ganz besonders in einer zentralen Frage der Überwindung des Stalinismus bei der Rehabilitierung zu Unrecht verfolgter Parteimitglieder und Bürger.Als Mitglied einer im April 1956 beim ZK der SED gebildeten Sonderkommission zur Rehabilitierung von Parteimitgliedern, die sowohl von sowjetischer als auch von SED-Seite verfolgt worden waren, wurde ich mit Tatsachen konfrontiert, die ich in dieser Form nicht für möglich gehalten hatte. Zugleich stieß ich bei meinen Bemühungen um eine schnelle und lückenlose Aufklärung und Wiedergutmachung begangenen Unrechts auf den beharrlichen Widerstand in der Umgebung von Ulbricht und Mielke. Beide spielten sie, unterstützt von Hermann Matern, nachdrückliche Bremserrollen. Mielke behinderte die Arbeit der Kommission wirkungsvoll, obwohl er noch nicht einmal Kommissionsmitglied war und lediglich das Recht hatte, an Sitzungen teilzunehmen. Ulbricht und Matern nutzten ihre Mehrheit in der Kommission für die Verschleppung oder gar zur Verhinderung jeder wirklichen Aufarbeitung.Da von meiner Seite offenbar Schwierigkeiten erwartet wurden, hatte man mich von der Tätigkeit der Unterkommissionen ausgeschlossen. Gerade in diesen Gremien wurden aber die eigentlichen Entscheidungen der Gesamtkommission wirkungsvoll vorbereitet. Trotzdem gelang es mir, unterstützt von einzelnen Kommissionsmitgliedern wie zum Beispiel Ernst Wollweber, eine Reihe von Rehabilitierungsakten durchzusetzen. Ich erreichte immerhin, daß die Parteikontrollkommissionen aller Ebenen mit der unverzüglichen Klärung sämtlicher Rehabilitierungsanträge einschließlich der Wiedereinsetzung der zu Unrecht ausgeschlossenen Parteimitglieder in ihre früheren Rechte beauflagt wurden. Für die aus der UdSSR zurückkehrenden Stalinismusopfer setzte ich wirksame materielle Hilfen für deren Neubeginn durch. Schließlich wurde die Staatssicherheit gezwungen, unserer Kommission eine Liste aller Verhafteten bzw. bereits Verurteilten vorzulegen. Mit Nachdruck forderte ich die schnellstmögliche Rehabilitierung jener Genossen, für welche die Verfolgung besonders gravierend und in ihrer Unrechtmäßigkeit unzweifelhaft war. Das war zum Beispiel bei Lex Ende, Willy Kreikemeyer, Paul Merker, Heinz Neumann, Kurt Müller und Fritz Sperling der Fall. Dabei stieß ich auf geradezu haarsträubende Vorgänge. Und ich fand die Bestätigung für noch eine andere Ungeheuerlichkeit. Die eigentlich dafür zuständigen Mitglieder der KPD-Parteikontrollkommission kannten die konkreten Vorwürfe zu Lasten der gemaßregelten KPD-Funktionäre überhaupt nicht. Ihre Verdikte gegenüber den wie sich nunmehr herausstellte völlig unbescholtenen Parteiaktivisten hatten sie nach den Vorgaben Ulbrichts und Mielkes gefällt. Jedes Quentchen Wiedergutmachung mußte der stalinistischen Mehrheit in der Kommission abgerungen werden. Ungerechtfertigte Parteistrafen wurden wegen geleisteter Arbeit gelöscht und nicht mit Verweis auf das begangene Unrecht. So erging es Anton Akkermann, Hans Jendretzky und Elli Schmidt. Ich ergriff die Initiative und setzte mich für die schnelle Klärung solch eindeutiger Fälle ein, wie die von Paul Merker, Willy Kreikemeyer und Lex Ende. Paul Merker war durch eine glückliche Fügung schon vor dem XX. Parteitag freigesprochen worden. Mit ihm war ursprünglich ein Musterschauprozeß ähnlich denen in Prag, Budapest oder Sofia vorgesehen gewesen. Ähnlich wie die dort erhobenen Vorwürfe waren auch die gegen Paul Merker gerichteten Anschuldigungen, die ihm vier Jahre Gefängnis und beinahe die Todesstrafe eingebracht hatten, völlig an den Haaren herbeigezogen. In einem Brief an die Kommission schilderte der selbst repressierte Genosse Erich Jungmann, mit welch üblen Methoden, insbesondere auch der Ausübung psychischen Drucks, die "Beweise" gegen Merker und andere zusammengelogen worden waren. Schon nach der ersten ernsthaften Prüfung stürzte das ganze Lügengebäude wie ein Kartenhaus zusammen.Tragisch war das Schicksal des Genossen Kreikemeyer. Als Reichsbahnchef verhaftet, ist er nach neuesten Erkenntnissen bereits in den ersten Haftmonaten umgekommen. Jahrelang wurde sein Tod insbesondere seiner Ehefrau gegenüber verschwiegen. Neben Mielke waren auch Ulbricht und Matern an der Kampagne eisigen Schweigens beteiligt. Wegen ihrer Beharrlichkeit ergingen an Frau Kreikemeyer deutliche Drohungen, die sie zur Ausreise in ihre französische Heimat veranlaßten. Geradezu infam war es, den Aufgabenbereich der Kommission auch auf die Freilassung gewöhnlicher Strafgefangener und von Kriegsverbrechern zu erstrekken. Letztere kamen teilweise zügiger frei als die zu Unrecht inhaftierten Genossen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit steckte auch in diesem Verwirrspiel System. Für die Öffentlichkeit sollte die große Zahl Repressierter in einem Meer von begnadigten Verbrechern weitgehend verborgen bleiben. Das politische Leben in der DDR erhielt damals eine Prägung, durch die die gesamtgesellschaftliche Krise vollständig vorgeprägt war. Einerseits gehörte es zu dieser Form vermeintlicher politischer Korrektheit, die Auseinandersetzung mit dem Stalinismus für notwendig, andernorts aber auch schon für erledigt zu erklären. Gleichzeitig pflegten die Scharfmacher von einst ihre alten stalinistischen Verhaltensmuster fleißig weiter und konnten jegliche Gegenwirkung immer erfolgreicher als Aktivität des "Klassenfeindes" denunzieren.Gekürzter Vorabdruck aus: Karl Schirdewan. Ein Jahrhundert Leben. Erinnerungen und Visionen. Autobiographie. Edition Ost, Berlin 1998. 350 Seiten, 39.80 Mark. Erscheint Mitte August.