Fischer-Fastnacht in FrankreichViele tausend Maskierte stampfen jährlich zu immer gleichen Rhythmen kreuz und quer durch Dünkirchen, mit Lobliedern auf ihren größten Helden, den Seefahrer Jean Bart. Im 17. Jahrhundert, so heißt es, habe er eine britische Seeblo-ckade durchbrochen und seine Landsleute damit vor dem Hungertod bewahrt. Ein Tambourmajor in alter Grenadieruniform, der in Dünkirchen in etwa das gleiche Ansehen genießt wie das Dreigestirn in Köln, führt den närrischen Haufen seit mehr als 150 Jahren.Karneval in Dünkirchen ist verkehrte Welt: Männer zeigen sich als junge Frauen, Mädchen als tatterige Greise. Bei Potjefleesch und Zwiebelsuppe, Dünkirchens närrischer Marschverpflegung, fließt dann das Bier in Strömen.Markenzeichen des großen Umzugs am Fastnachtssonntag aber sind die bunten Schirme am überlangen Stiel. 1847, erzählt man sich in Dünkirchen, gab es an Fastnacht schlechtes Wetter, sodass man das Fest um eine Woche verschob. Als es auch dann wieder regnete, sei man eben mit den Schirmen aufgezogen. Richtig bunt wurden die Schirme aber erst nach dem Krieg, als die Gesellschaften begannen, sie mit Sprüchen und Zeichnungen zu schmü-cken. Inzwischen machen sie langsam langen Staubwedeln Platz. Die sind nämlich bei den Maskenbällen am Abend besser zu handhaben.www.ot-dunkerque.fr---Ritterspiele auf SardinienKarneval in Oristano, der kleinen Stadt an der Westküste Sardiniens, ist ein Fest mit jahrhundertealter Tradition. "Sartiglia" nennen die Einheimischen das bunte Spektakel -die Spiele der vielen hundert Ritter in ihren prunkvollen Kostümen, die Gesichter hinter weißen Masken versteckt.Mittags gilt es, im vollen Galopp mit einer Lanze einen Ring aufzuspießen. Er ist Oristanos wichtigstes Stimmungsbarometer, auf das sich zu Fastnacht alle Augen richten. Denn jeder Treffer gilt als gutes Omen.Nachmittags zeigen Sardiniens bes-te Reiter zirkusreife Kunststücke: Mit und ohne Sattel sausen die maskierten Helden durch die Straßen, bauen menschliche Pyramiden und Brücken, auf schmalen Pferderücken liegend oder stehend, wann immer möglich gleich zwei oder drei übereinander. Doch häufig enden die Darbietungen anders als erwartet -etwa auf der Liege der Rettungssanitäter. Der Beifall der Sarden aber ist den Pechvögeln genauso sicher wie den Helden.www.sartiglia.org---Mummenschanz im Baskenland"Miel Otxin" heißt der närrische Held in Lantz, einem winzigen Dörfchen vor den Toren Pamplonas -ein fast drei Meter hoher und 45 Kilo schwerer Popanz mit hölzernem Innenleben, eine närrische Schreckgestalt, die für den wohl berühmtesten Karneval im Baskenland steht: für einen Mummenschanz ohne Beispiel, der am Rosenmontag ausbricht und mit der Verbrennung des Miel Otxin am Tag danach endet.Wie immer endet der Zug der Narren auf dem Dorfplatz, wo die bunte Schar wie Indianer ihren Totempfahl den mächtigen Strohmann umkreist. Flöten und Trommeln treiben die Tänzer immer wieder an. Dientagabend schließlich geht es dem Bösewicht an den Kragen, macht Lantz Miel Otxin den Prozess. Für alle Sünden muss er büßen, für kleine und große Laster, denen auch die Basken an den Karnevalstagen gerne frönen. Zum Schluss stirbt er den Flammentod, nimmt das Dörfchen Abschied von den tollen Tagen.www.turismo.navarra.es---Auf Ritterart in MaltaMaltesische Geschichte lebt während der "Parata", einem historischen Schwerttanz, der an den Sieg über die Türken erinnern soll, die anno 1565 mit einem riesigen Heer die Insel belagert hatten. Seit jener Zeit schlagen bunt kostümierte Christen mit Holzschwertern jährlich zu Fastnacht die Türken symbolisch in die Flucht.Inzwischen aber ist die Parata nur noch schmückendes Beiwerk einer großen Schau. Im Mittelpunkt steht König Karneval, eine riesige Pappfigur, die Majoretten-Corps und Tanzgruppen beim großen Umzug durch die Inselhauptstadt begleiten. Der größte Umzug findet am Fastnachtssonntag statt, aber auch der am Vortag kann sich sehen lassen. Gefeiert wird übrigens nicht nur in der Hauptstadt La Valletta, sondern auch in mehr als einem Dutzend kleiner Gemeinden auf der Insel. Sie alle haben ihre eigenen Züge, ihr eigenes Fest. Selbst auf der Nachbarinsel Gozo hat der närrische Funke gezündet -auch wenn die Malteser den einen oder anderen Karnevalswagen zum Fest dorthin ausleihen müssen.www.visitmalta.com/events---Mai-Karneval in Dänemark Längst haben die Dänen dem winterlichen Treiben entsagt und das Feiern in den Frühling verlegt. So gleicht Dänemarks viertgrößte Stadt jährlich einem Tollhaus, toben bis zu 30 000 junge Leute kreuz und quer durch die Straßen von Aalborg. Es ist der ausgelassenste Mummenschanz Skandinaviens, der mit dem größten Zulauf auch. Karneval in Aalborg ist auch ein Stück närrische Globalisierung, ein Mix aus Kitsch und Kunst und eine Zeitreise durch die Welt der Symbole. So zeigen sich Weihnachtsmänner und Mickey Mäuse Hand in Hand, machen nordische Wikinger ägyptischen Pharaoninnen den Hof. Mönche jagen Gespenster, falsche Nonnen rücken halbnackten Stubenmädchen zu Leibe. Es paart sich Grusel mit Glamour, Seemanns-Idylle mit Oktoberfest-Romantik, Gottesdienst mit Geisterstunde, Ballermann mit Drosselgasse. Ein Festival der Banalitäten, so karnevalesk wie kreativ. Bischöfe tragen Fußball-Trikots, Matrosen schwenken Vodoo-Puppen.Gefeiert wird vom 17. bis 23. Mai 2009. Freitagabends gibt es die "Battle of Carnival Bands" im Kildeparken, samstags ist die große Parade, die um 10.30 Uhr startet und quer durch die Stadt zieht. Das Thema des diesjährigen Karnevals in Aalborg lautet: "La Dolce Vita".www.karnevaliaalborg.dkProtokolliert von Günter Schenk