Das KaDeWe will sein Image aufpolieren. Künftig soll das Haus am Wittenbergplatz in einem Atemzug mit Harrods und Selfridges in London oder dem Pariser Lafayette genannt werden. Internationaler, jünger und luxuriöser heißt die Strategie des Karstadt-Konzerns für sein Flaggschiff. Bis zum hundertjährigen Bestehen im Jahr 2007 soll das KaDeWe deshalb aufwändig umgebaut werden. Etagenweise wird das Nobelkaufhaus in seinem Innern neu gestaltet, erste Baumaßnahmen im Erdgeschoss haben begonnen. 40 Millionen Euro sind insgesamt für die Umgestaltung eingeplant.Dem "Zeitgeist entsprechen" nennt Karstadt-Vorstand Thomas Freude das Projekt. Das größte Kaufhaus auf dem europäischen Festland will seine herausragende Stellung weiter ausbauen - für die Berliner, die deutschen und vor allem die internationalen Gäste. Von einer "Metamorphose" spricht Patrice Wagner, seit Jahresanfang KaDeWe-Chef. Denn man werde an Bewährtem festhalten, sichtbar aber Neues platzieren.Die Innenarchitektur soll übersichtlicher und moderner werden, das Angebot an führenden Modelabeln erweitert. So sollen bei den Accessoires im Erdgeschoss künftig Weltmarken wie Dior, Chanel oder Bulgari vertreten sein. In der Herrenkonfektion werden unter anderem mehr Kleidungsstücke von Paul Smith, Brioni oder Armani angeboten. Ausgebaut wird für Damen das Sortiment hochwertiger Jeans von Dolce & Gabbana, Gaultier oder Versace. Denn die Zielgruppe, die künftig angepeilt werden soll, ist jünger als bisher im Kaufhaus des Westens gewohnt - ab 25 Jahre aufwärts, definiert sie Wagner."Wir werden das Luxussegment ausbauen, ohne zu übertreiben", kündigt er an. Denn noch fehle für Designermode die internationale Kundschaft wie in London oder Paris. Nach einer Kundenbefragung im vergangenen Jahr kommen etwa 70 Prozent der Käufer aus Berlin und anderen deutschen Städten, nur 30 Prozent sind ausländische Touristen. Die neue Strategie setzt dennoch auf mehr Internationalität. Vorstand Thomas Freude sieht eine wachsende Bedeutung der deutschen Hauptstadt: "Berlin wird in den nächsten Jahren deutlich internationaler werden."Dafür möchte das beste Haus des Essener Konzerns gerüstet sein. Schon im vergangenen Jahr erfolgte deshalb ein Austausch der Führung. Verkaufsdirektor Volker Weihe (59) wurde in Pension geschickt, das Haus wird jetzt vom Karstadt-Konzern direkt geführt. Für das operative Geschäft in Berlin firmiert der 36-jährige Patrice Wagner, der 2002 von den Galeries Lafayette in der Friedrichstraße gekommen war, als 1. Geschäftsführer. Die neue Strategie wurde im vergangenen Jahr entwickelt.Denn auch das Traditionshaus blieb von der Krise des Einzelhandels nicht gänzlich verschont. Zwar verbuchte es im vergangenen Jahr rund 300 Millionen Euro Umsatz. Doch im Vergleich zu 2002 gab es dennoch einen Umsatzrückgang von rund zwei Prozent. Durchschnittlich beträgt dieser in der Branche allerdings acht Prozent. "Ab dem zweiten Halbjahr gingen die Geschäfte wieder besser, es wurde mehr gekauft", sagt Geschäftsführerin Bettina Ahranjani. Im Dezember 2003 seien dann wieder die Umsätze des Vorjahresmonats erreicht worden.1907 gegründet // Gründung: Das von Kommerzienrat Adolf Jandorf gegründete Kaufhaus des Westens (KaDeWe) wurde am 27. März 1907 eröffnet. Im Zweiten Weltkrieg wurde es 1943 bei Bombenangriffen zerstört. Die feierliche Wiederöffnung fand am 3. Juli 1950 statt. Das Haus gilt als Flaggschiff des Karstadt-Konzerns. Seit der Gründung ist sein Wahrzeichen eine Kogge - als Symbol für den Handel.Angebot: Auf rund 60 000 Quadratmeter Handelsfläche werden mehr als 380 000 Artikel der gehobenen und Luxusklasse angeboten. Das Luxussegment wird gestärkt. Ausgebaut wird auch das Beauty- und Wellnesssortiment. Das Damenwäscheangebot wird verdoppelt. Vom Pelzhandel hat sich das Haus verabschiedet, jetzt werden nur noch Restangebote verkauft. Umgezogen in den Anbau Passauer Straße ist vor zwei Wochen die Stoff- und die Teppichabteilung.Umbau: Von 1991 bis 1996 wurde das Haus grundlegend modernisiert, die Kosten betrugen damals etwa 220 Millionen Euro. Dabei wurde die Verkaufsfläche um ein Viertel erweitert. Ein Glaskuppelrestaurant entstand.Lebensmittel: Die Feinschmeckeretage soll weiter gestärkt werden. Ausgebaut wird dort das Veranstaltungsangebot nach Ladenschluss.Kunden: Zum Begriff wurden die gut betuchten "Wilmersdorfer Witwen" aus dem Musical "Linie 1", die zum Shoppen ins KaDeWe kommen. Diese können aber auch aus Zehlendorf, Steglitz oder Charlottenburg stammen.Mitarbeiter: Etwa 2 000 Beschäftigte aus 40 Nationalitäten arbeiten im Haus.BERLINER ZEITUNG/MAX LAUTENSCHLÄGER Bis 2007 wird das KaDeWe für 40 Millionen Euro umgebaut.ULLSTEIN Ein wenig Luxus muss sein: Kundenberatung im KaDeWe 1932.