Die Demonstration hat ihr wieder etwas Mut gemacht. "Die große Solidarität, die ganze Stimmung und auch die Resonanz der Politiker" - der Protestmarsch der rund 7 000 Arcandor-Mitarbeiter am Mittwoch sei gut gewesen, sagt Antje Leinemann, Geschäftsführerin von Karstadt am Kurfürstendamm. Aber der Kampf für die Jobs beim angeschlagenen Arcandor-Konzern, zu dem Karstadt gehört, geht weiter: Für heute ist ein bundesweiter Aktionstag angesetzt, den Betriebsräte und Geschäftsführung gemeinsam organisieren. Auch in den zehn Karstadt-Warenhäusern in Berlin soll es Info-Stände geben, Politiker haben ihr Kommen zugesagt und es werden weiter Unterschriften gesammelt.Insgesamt 3 800 Mitarbeiter hat der Karstadt-Konzern in Berlin. Sie alle machen sich Sorgen um ihre Jobs - egal ob sie im KaDeWe arbeiten, dem Flaggschiff des Konzerns, oder in einem der anderen Häuser. "Die Unsicherheit ist groß", sagt Erika Ritter, Fachbereichsleiterin Handel von Verdi Berlin-Brandenburg. "Niemand weiß, was kommt." Die große Frage sei: "Überlebt der Konzern?" Erst dann könne man absehen, was aus den Berliner Warenhäusern werde.Auch die Konzernleitung in Essen äußert sich nicht zu einzelnen Standorten, ehe nicht die Zukunft des Gesamtkonzerns geklärt ist. Arcandor hat Staatsbürgschaften in Höhe von 650 Millionen Euro beantragt, sowie einen 200-Millionen-Euro-Kredit bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Wenn der Staat bis zum 12. Juni keine Hilfe zusagt, droht die Insolvenz.Von der Bundespolitik kamen bisher unterschiedliche Signale. Für Berlin hat Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos) erklärt, dass die Hauptstadt kein Geld für Bürgschaften habe. Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) schloss gestern Hilfen für Karstadt nicht aus. Doch zunächst seien Gesellschafter, Banken und Vermieter gefordert.Dass die Zeiten hart sind, wissen die Beschäftigten in Berlin schon länger. Manuela Virgils, Betriebsratsvorsitzende von Karstadt in der Schlossstraße, sagt, die Mitarbeiter hätten schon auf Weihnachts- und Urlaubsgeld verzichtet, Prämien wurden gestrichen. "Wir haben alles gegeben, und dann sitzen wir womöglich auf der Straße." Jetzt müsse der Staat helfen.Auch Pläne, das KaDeWe zu verkaufen, sind schon länger bekannt. Bei einer Betriebsversammlung kündigte die Geschäftsleitung nun an, dass Personal abgebaut werden soll. Zahlen wurden nicht genannt. Beobachter gehen davon aus, dass 100 bis 150 Stellen gestrichen werden sollen."Um das KaDeWe mache ich mir keine Sorgen", sagt Nils Busch-Petersen, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Berlin-Brandenburg. Das Haus sei ein Berliner Wahrzeichen und bleibe sicher erhalten. Er widerspricht auch allen, die angesichts von Hertie, Woolworth und Karstadt sagen, Warenhäuser seien einfach überholt. "Das Prinzip Warenhaus ist nicht tot", so Busch-Petersen. In Berlin erzielten Warenhäuser gute Umsätze. Müsste Karstadt schließen, wäre dies ein schwerer Schlag für den gesamten Einzelhandel, sagt Busch-Petersen. Denn die Warenhäuser ziehen viele Kunden an, davon profitierten auch die umliegenden Geschäfte.Denkbar ist, dass nur kleine, weniger profitable Karstadt-Häuser geschlossen werden. Doch darüber will derzeit niemand reden. Betriebsrätin Virgils sagt: "Wir lassen uns nicht gegeneinander ausspielen." Der ganze Konzern solle überleben. "Wir wollen nicht zerstückelt werden."Kommt es wie derzeit diskutiert zur Fusion von Karstadt und Kaufhof, steht Berlin besser da als andere Städte. Karstadt und Kaufhof machen sich hier kaum direkt Konkurrenz. Die Karstadt-Häuser liegen vor allem im Westteil der Stadt, die Kaufhof-Häuser im Osten.------------------------------Konzern in der KriseÜberlebenskampf: Der Arcandor-Konzern, zu dem bundesweit 120 Karstadt-Häuser gehören, hat Staatshilfe beantragt. Es geht um eine Staatsbürgschaft über 650 Millionen Euro sowie um einen Kredit über 200 Millionen Euro bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau.Standorte: In Berlin gibt es 10 Karstadt-Warenhäuser. Darunter ist auch das KaDeWe mit 2 000 Mitarbeitern an der Tauentzienstraße (Schöneberg). Weitere Karstadt-Warenhäuser befinden sich in Charlottenburg (Wilmersdorfer Straße und Kurfürstendamm), Kreuzberg (Hermannplatz), in Wedding (Müllerstraße), in Steglitz (Schlossstraße), Spandau (Carl-Schurz-Straße) und Tempelhof (Tempelhofer Damm). Außerdem gibt es zwei Karstadt-Sport-Häuser (Neues Kranzlereck und Schlossstraße).Zeitdruck: Gestern begründete die Konzernleitung ihren Antrag auf Staatshilfe im Bürgschaftsausschuss der Bundesregierung. Weitere Beratungen folgen. Laut Konzern-Chef Karl-Gerhard Eick muss Arcandor bis zum 12. Juni Bankkredite verlängern. Ohne Staatshilfe müsse der Konzern Insolvenz anmelden.Fusion: Gespräche über einen Zusammenschluss der Warenhausketten Karstadt und Kaufhof (Metro Konzern) wurden von Eick verschoben. Erst müsste die Frage der Staatshilfen geklärt sein.------------------------------Foto: Wie krisensicher ist das KaDeWe? Auch das Berliner Nobelkaufhaus gehört zum angeschlagenen Karstadt-Konzern.