Mit Trenchcoats, Schlapphüten und Teleobjektiven wollen sich Mitglieder linker Gruppen heute Vormittag vor dem Landeskriminalamt (LKA) postieren. Am Platz der Luftbrücke in Tempelhof wollen sie LKA-Beamte fotografieren, um Lichtbildkarteien "potentieller Straftäter bei der Polizei" anzulegen. Diese als Happening angemeldete Veranstaltung steht im Zusammenhang mit den erwarteten Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei am 1. Mai. Die Antifaschistische Aktion Berlin (AAB) erklärte gestern: "Die Kartei soll Straftäter in der Berliner Polizei bei möglichen Übergriffen für die Opfer leichter identifizierbar machen. " Nach der "Revolutionären 1. Mai-Demonstration" war es in den Vorjahren immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizei gekommen. Dabei hat die AAB nach eigener Aussage in den vergangenen zwei Jahren mindestens 200 zum Teil schwer verletzte Demonstranten registriert.Am Platz der Luftbrücke, Ecke Columbiadamm will die AAB ein Fotostudio aufbauen. "Wer nichts zu verbergen hat, kann sich auch ablichten lassen", sagte der Sprecher. Der Rest der vorüberkommenden Polizisten müsse damit rechnen, ohne Einverständnis geknipst zu werden. Die Bilder sollen Menschenrechtsorganisationen zur Verfügung gestellt werden.Offiziell will sich die Polizei zu dem Vorhaben nicht äußern. Einige Beamte haben gedroht, Strafanzeige wegen Verletzung des Rechts am eigenen Bild zu stellen. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) erklärte gestern, sie werde ihren Mitgliedern Rechtsschutz gewähren. Die Strafanzeigen ließen sich gut begründen, erklärte der Berliner GdP-Vorsitzende Eberhard Schönberg, da Teile der Polizei von der AAB als organisierte Schlägerbanden bezeichnet würden. Schönberg weiter: "Sollte es diese Strafanzeigen geben, muss die Justiz den Verantwortlichen in den autonomen Gruppen konsequent die Grenzen des Rechtsstaates aufzeigen. Letztlich mit Gefängnisstrafe. "