BRÜSSEL/BERLIN, 21. November. Wegen illegaler Preisabsprachen bei Vitaminen hat die EU-Kommission gegen acht europäische Pharmakonzerne Rekordbußen von insgesamt 855 Millionen Euro (1,67 Milliarden Mark) verhängt. Die höchsten Strafen sprach Wettbewerbskommissar Mario Monti gegen den Schweizer Konzern Hoffmann La Roche (462 Millionen Euro) und die Ludwigshafener BASF (296 Millionen Euro) aus. Die beiden Unternehmen hätten bei praktisch allen Absprachen zu den insgesamt acht Vitaminkartellen eine "Schlüsselrolle" gespielt. Monti sprach von den "schlimmsten Kartellen, gegen die die Kommission jemals ermittelt hat".Lebenswichtige ProdukteDie Absprachen hätten ein breites Spektrum von Vitaminen umfasst, die in den verschiedensten Produkten verwendet wurden: von Keksen, Müslis und Getränken über Tierfutter bis hin zu Medikamenten und Kosmetika. Der Wettbewerbskommissar rügte, dass es sich dabei um zum Teil lebenswichtige Vitamine handelte. Durch die geheimen Absprachen hätten die Unternehmen zum Schaden der Verbraucher und zum eigenen Profit höhere Preise verlangen können.Die Pharmaunternehmen hatten sich in der Zeit zwischen September 1989 und Februar 1999 die Weltmärkte für einzelne Vitamine aufgeteilt, Preise festgesetzt und Quoten beschlossen. Als Anstifter machte Monti Hoffmann La Roche aus, den mit einem Marktanteil von mehr als 50 Prozent größten Vitaminhersteller der Welt. Da dort selbst Vertreter der obersten Führungsebene in die Absprachen eingeweiht waren, seien die Kartelle wohl "Teil eines an der Konzernspitze gefassten strategischen Plans" gewesen, sagte Monti. Auch der BASF-Konzern habe eine "herausragende Rolle" gespielt. Strafen verhängte die Kommission unter anderem auch gegen die deutsche Merck (9,24 Millionen Euro). Mit der deutsch-französischen Aventis erließ Monti erstmals einem Konzern die Geldbuße, weil er als erster den Ermittlern wertvolle Hinweise geliefert hatte. Dank der Kronzeugenregelung muss Aventis deshalb lediglich fünf Millionen Euro Strafe bezahlen. Auch die Bußgelder von BASF und Hoffmann La Roche wären doppelt so hoch ausgefallen, wenn die Unternehmen nicht bei den Ermittlungen geholfen hätten. Die EU-Kommission hatte Ermittlungen im Mai 1999 gegen 13 Unternehmen eingeleitet und dabei Kartelle für zwölf verschiedene Vitamine aufgedeckt. In einigen Fällen sind die Delikte allerdings verjährt.Die BASF hat das Bußgeld als "unangemessen hoch" kritisiert. "Wir haben es in dieser Höhe nicht erwartet", sagte Sprecher Christian Schubert der "Berliner Zeitung". Zwar habe das Unternehmen wegen der erwarteten Strafe "Rückstellungen gebildet, aber nicht in dieser Höhe". Wegen ihrer Beteiligung am Vitaminkartell mussten die BASF und zwölf weitere Unternehmen bereits in den USA und in Kanada Bußgelder und Schadensersatz in Höhe von insgesamt 1,5 Milliarden Dollar (3,3 Milliarden Mark) bezahlen. Allein auf die BASF entfielen davon mehr als 400 Millionen Euro. In Australien wurde gegen die Pfälzer aus dem gleichen Grunde eine Strafe von 4,6 Millionen Euro verhängt, in Neuseeland sei die BASF mit einer "Verwarnung" davongekommen. In Japan wurde ein Bußgeldverfahren wieder eingestellt.Weitere Klagen // Absprachen: Unter dem Namen "Vitamin Incorporation" haben weltweit führende Vitaminhersteller rund zehn Jahre lang die Preise für Vitaminprodukte künstlich hochgesetzt. Die Märkte wurden untereinander aufgeteilt.Anstifter: Zu den Anstiftern des Kartells gehörten die Schweizer Roche und BASF. Beide wurden bereits zu Millionen-Strafen in den USA, Kanada und Australien verdonnert. In den USA laufen noch Klagen von Betroffene.AP/FRANK RUMPENHORST Stammwerk des Chemieriesen BASF im rheinland-pfälzischen Ludwigshafen