BERLIN, 23. Januar. Die Möbelhandelskette Höffner (Waltersdorf bei Berlin) übernimmt den Konkurrenten Möbel Walther mit Sitz im hessischen Gründau-Lieblos. Durch den Zusammenschluss entsteht nach Ikea der zweitgrößte Möbelhändler in Deutschland mit einem Jahresumsatz von rund 1,4 Milliarden Euro. Wie ein Sprecher des Bundeskartellamts am Mittwoch bestätigte, bestehen seitens der Behörde keine Vorbehalte gegen das Geschäft.Höffner-Chef Kurt Krieger sagte am Mittwochabend der "Berliner Zeitung", durch den Kauf eines Aktienpakets von Rudolf Walther senior halte er bereits 55 Prozent der Stammaktien. Der Sprecher des hessischen Möbelhauses, Jörg Rohde, erklärte hingegen auf Anfrage, ihm sei bisher nur bekannt, dass Krieger über 31 Prozent der Anteile verfüge. Wie erst jetzt bekannt wurde, hatte Krieger den geplanten Kauf bereits am 7. September des vergangenen Jahres beim Bundeskartellamt angemeldet. Dessen zuständige Abteilung wiederum genehmigte das Vorhaben Anfang Dezember. Krieger sagte, für die Kunden und die Mitarbeiter beider Häuser werde sich trotz der Übernahme nichts ändern. "Beide Firmen werden eigenständig bleiben", so Krieger. An eine Zusammenlegung von Höff- ner- mit Walther-Filialen oder die Schließung von Standorten sei nicht gedacht.Auf dem deutschen Möbelmarkt ist Möbel Walther bisher die Nummer vier und Höffner die Nummer sieben. Walther ist hier zu Lande derzeit das einzige börsennotierte Unternehmen der Branche. Laut Kartellamt unterhält es elf Einrichtungsgroßmärkte, darunter einen in Vogelsdorf bei Berlin. Darüber hinaus ist die Firma im Geschäft mit Küchen und Bädern sowie Discount-Möbeln aktiv. Krieger ist Alleingesellschafter zahlreicher Möbelhandelsfirmen in Ost- und Westdeutschland, darunter den Höffner-Häusern in Berlin-Wedding, Berlin-Marzahn und Waltersdorf sowie der Firma Möbel Krieger in Berlin-Tiergarten. Sein Umsatz wird auf 600 Millionen Euro geschätzt. Nach eigenen Angaben Kriegers sind in der der Gruppe 3 000 Mitarbeiter beschäftigt.Zu viele Anbieter im MarktFür Branchenbeobachter kommt der geplante Zusammenschluss der Möbel-Riesen nicht überraschend. Mitte Dezember hatten beide Firmen eine Einkaufskooperation vereinbart und gleichzeitig ihren Ausstieg aus dem Großhandels-Einkaufsverbund Begros bekannt gegeben.Möbel Walther gilt überdies als angeschlagen. Nach Ende des dritten Quartals 2001 wies das Unternehmen einen Verlust nach Steuern von 4,14 Millionen Euro (8,1 Millionen Mark) aus. Der Umsatz war von 486 auf rund 479 Millionen Euro zurückgegangen. Als Konsequenz hatte das Unternehmen im November angekündigt, 700 von 5 000 Arbeitsplätzen zu streichen und Geschäfte zusammenzulegen. Dieser Sanierungskurs solle fortgesetzt werden, sagte Krieger.Insgesamt durchlebt die Möbelhandels-Branche in Deutschland derzeit eine ausgesprochen schwierige Phase. Angesichts der schwachen Konjunktur zögern viele Kunden bei Neuanschaffungen, zudem gilt der Markt als überversorgt. Nach Angaben des Bundesverbandes des Möbel-, Küchen- und Einrichtungsfachhandels entfielen 2001 allein auf die 30 größten Anbieter rund 1,4 Millionen Quadratmeter Verkaufsfläche, was gegenüber 1993 einer Zunahme um 50 Prozent entsprach. Insgesamt werden auf etwa 20 Millionen Quadratmeter Fläche Möbel verkauft. "Die Hälfte würde es mit Sicherheit auch tun", sagte Verbandsgeschäftsführer André Kunz.