Also doch: An diesem Freitag werden die CDU-Bundestagsabgeordnete Katherina Reiche, 30, und der brandenburgische CDU-Landesvize Sven Petke, 35, heiraten - kirchlich sogar, in Kloster Zinna im schönen Fläming. Das ist prinzipiell eine gute Nachricht. Glückwunsch, möchten wir sagen. Doch damit scheint der Beweis erbracht: Wer in der C-Partei wirklich Karriere machen will, der sollte langfristig besser einen Trauschein haben. Vor einem Jahr sah das noch ganz anders aus. Bundesweit bekannt geworden ist das Politikerpaar, gerade weil es nicht verheiratet war. Nicht zuletzt deshalb hatte Kanzlerkandidat Edmund Stoiber (CSU) die Wissenschaftspolitikerin Reiche als angebliche Familienexpertin in sein Kompetenzteam für die Bundestagswahl geholt. In diversen Talkshows erzählte sie dann, bereits mit dem zweiten Kind hoch schwanger, von ihrem Lebenspartner und von ihrer heute vierjährigen Tochter. Das schien am traditionellen Familienbild zu rütteln und sollte im Osten junge Wähler ansprechen. Gut katholische Christdemokratinnen zeigten sich schockiert über diese junge Frau, die da in wilder Ehe lebte und uneheliche Kinder zur Welt brachte. Der Kölner Kardinal Meißner forderte die CDU sogar auf, das C aus ihrem Namen zu streichen. Zuvor gab es nur "junge Wilde", die eher zahm waren, jetzt hatte es die Christenunion auch noch mit der "wilden Ehe" zu tun. Doch der gemeine Politiker gebärdet sich ja nur so lange unkonventionell und ungestüm, bis die wirkliche Macht zum Greifen nah ist. Katherina Reiche, derzeit vor allem zum Thema Generationengerechtigkeit zu hören, und Sven Petke, ein durchaus ehrgeiziger ehemaliger Verfassungsschützer, wollen jetzt offensichtlich keine Jungpolitiker mehr sein. Sie wollen an die Macht.Dabei zeigt sich, wie schwer die CDU rheinischer Prägung und jüngere Ostdeutsche zueinander finden. Denn Petke, in Guben aufgewachsen, ist bisher konfessionslos. Das hat er gemeinsam mit einem großen Teil seiner ostelbischen Parteifreunde. Aber kirchlich gebundene Parteifreunde haben häufiger gestichelt, was denn so einer in der CDU mache. Nun wird sich Petke vor der kirchlichen Trauung im Kloster noch feierlich taufen lassen. Ein Geistlicher hat ihm in den vergangenen Monaten das Christentum näher gebracht.