Herr Meyer, ist die Limburger Affäre Thema in Ihrer Kirchengemeinde St. Laurentius in Berlin-Tiergarten?

Natürlich – die Gemeindemitglieder empfinden den Vorgang als empörend und bedrückend. Durch das Verhalten des Limburger Bischofs entsteht ein Bild von der katholischen Kirche, das mit der Realität nichts zu tun hat. Ich kenne aus meiner früheren Tätigkeit viele Bischöfe und Pfarrer, sie leben in einer angemessen bescheidenen Weise.

Limburg leistet sich einen sündhaft teuren Bau. Zugleich muss im Limburger – wie im Berliner – Bistum gespart werden, Gemeinden werden zusammengelegt, Pfarrerstellen eingespart. Ist die Affäre für die Gläubigen nicht auch deshalb bitter?

Das ist natürlich eine Kontrasterfahrung, die ärgerlich ist. Allerdings kommt das Geld für das Bauprojekt aus dem Vermögen des bischöflichen Stuhls. Das hat mit den Kirchensteuereinnahmen, aus denen die pastoralen Strukturen finanziert werden, nichts zu tun.

Noch verzeichnet das Berliner Erzbistum wegen der Affäre keine gehäufte Zahl an Kirchenaustritten. Kommt das noch?

Das ist möglich. Aber für Austritte mit einer solchen Begründung habe ich kein Verständnis.

Warum nicht?

Man ist in der Kirche, weil man sich zu einem bestimmten Glauben bekennt. Ich finde es oberflächlich, wegen des Fehlverhaltens Einzelner auszutreten.

Folglich werden Sie auch nicht verstehen, dass die Spenden für die Caritas wegen der Affäre zurückgehen?

Ja, die Caritas kann wie jede andere katholische Organisation nachweisen, dass das Geld so ausgegeben wurde, wie vom Spender gewünscht. Ich erkenne den Zusammenhang zu Limburg nicht.

Glauben Sie, dass der Limburger Bischof auch deshalb besonders negativ auffällt, weil der neue Papst eine neue Schlichtheit predigt?

Das ist mit Sicherheit ein besonderer Kontrast. Aber ich bin überzeugt, auch früher wäre das Fehlverhalten des Bischofs von Limburg kritisch gesehen worden. Auch ohne das Vorbild des Papstes wäre sein Verhalten nicht zu entschuldigen.

Limburgs Bischof sorgt nicht nur für Empörung, sondern auch für Hohn und Spott. Ist er noch zu halten?

Ich gehe davon aus, dass er – gemessen an den Maßstäben, die die katholische Kirche an einen Bischof anlegt – nicht zu halten ist. Aber: Ich habe in meinem Leben schon so viel Hohn und Spott über Christen erlebt – vor 1990, aber auch danach. Und das in Situationen, wo ich sage, dass das Verhalten richtig war. Hohn und Spott – das ist nicht der Maßstab.

Welche Lösung ist die beste?

Der Bischof muss von seinem Amt abgesetzt werden. Natürlich müssen aus dem Fall Konsequenzen gezogen werden.

Welche wären das?

Das Finanzgebaren eines Bischofs muss künftig stärker den Regeln unterliegen, die in einer modernen Gesellschaft üblich sind – also Transparenz, Mitbestimmung und Haushaltskontrolle. All diese Dinge sind unerlässlich.

Das Gespräch führte Susanne Rost.