Das Kreuz, na klar, das muss vorkommen in einer Vampirgeschichte. Der Priester (Paul Bettany) spricht seinen Psalm, schon formen sich die Buchstaben aus der aufgeklappten Bibel zu messerscharfen Gotteszeichen und fahren dem heidnischen Gesindel ins Herz. Glaubensdinge spielen in "Priest" aber eher keine Rolle. Der Priester, der das Kreuz sogar auf die Stirn tätowiert hat, ist auch eigentlich kein Priester. Wie die japanischen Samurai ist er ein nach unsagbaren Heldentaten verstoßener Krieger. Der Lehnsherr, in seinem Fall die katholische Kirche, hat keine Verwendung mehr für ihn und seinesgleichen. In einer auseinanderbrechenden Welt folgt nur er noch dem alten Code, dem Bushi-do des Heiligen Geists, doch es könnte jeder andere sein. Der Priester kann auch Karate.Die Welt von "Priest" ist eine postapokalyptische Theokratie. Die Institution hat sich an die Stelle des Glaubens gesetzt, den Vorsitz hat der furchtbare Monsignore Orelas (Christopher Plummer). Vampire gibt es offiziell nicht mehr, weil es sie nicht geben darf, doch sie entführen des Priesters Nichte. Um sie aufzuspüren, bricht er sein Gelübde. Der Film verlässt die dunkle Metropolis ("Kathedralenstadt, Sektor 12") und begibt sich in die Wüste, durch öde Geisterstädte weht der Wind. Wie die "Graphic Novel"-Vorlage des Koreaners Min Woo Hyung verknüpft die Adaption maßvollen Manga-Vampirismus mit Western-Elementen, die klassische Erzählung von John Fords "Der schwarze Falke" wurde gleich ganz übernommen - Paul Bettany, vor allem bekannt als gruseliger Albino in "The Da Vinci Code - Sakrileg", ist in der neuerlichen Mönchsrolle ähnlich kalt und verbittert wie damals John Wayne. Die computeranimierten Vampire - keine stilvollen Verführer, sondern fledermausartige Biester - spielen die Indianer. Sollten sie das Kind "infiziert" haben, will der Priester es töten.Derart düster und humorlos inszeniert Regisseur Scott Stewart den ganzen Film, und weil er das als Effektspezialist gelernt hat, spricht man, völlig zu Recht, von solider Action. Sie ist aber charakterlich so substanzlos, dass doch eher die Suche nach filmischen Referenzen den Blick fesselt. Sie kommen zuhauf, reichen von "Mad Max" und "Blade Runner" bis zum deutschen Expressionismus. Nosferatus Schminke wird noch einmal ganz dick aufgetragen, doch der muntere Mash-Up von Genres und Stilen erschöpft sich in zeigefreudiger Symbolik. Diese Sache mit dem Kreuz passt da gut rein. Schade ist es ein wenig um Hauptdarsteller Bettany. Als britischer "Gangster No. 1" hatte er mal einen viel zu wenig beachteten Einstieg, in "Dogville" gab er gar Lars von Triers künstlerisches Alter Ego. Doch seit dem vermaledeiten "The Da Vinci Code" ist er Opfer des eigenen Stereotyps. Seine leichenfahle Noblesse dient nur noch dubiosen Zwecken und Filmen, als seelenlose Horrorchiffre. Es ist fast schon tragisch, wie gut er das macht."Priest" präsentiert einen Katholizismus zum Fürchten, ist aber mit seinem selbstverständlich keuschen Priesterbild auch geradezu unkatholisch freudlos. Das Projekt, mehrfach aufgeschoben, umbesetzt und in der Postproduktion noch auf 3D aufgeblasen, hat sichtlich nur einen Zweck, nämlich das Sequel, die Fortsetzung. Seiner Ankündigung wird nach durchaus kurzweiligen 88 Minuten sogar ein ordentliches Finale geopfert. Und es wird kommen, so sicher wie das Amen in der Kirche. Ob man dem grimmigen Kuttenmann dann noch einmal folgt, ist wohl tatsächlich eine Sache des Glaubens.-----------------------Priest USA 2010. Regie: Scott Stewart, Drehbuch: Cory Goodman, Kamera: Don Burgess, Darsteller: Paul Bettany, Cam Gigandet, Maggie Q, Karl Urban, Lily Collins, Stephen Moyer, Christopher Plummer u. a.; 88 Min., Farbe. FSK ab 16.------------------------------Foto: Nichts als eine seelenlose Horrorchiffre gibt Kuttenmann Paul Bettany in "Priest" ab - und allein daran gibt es nichts auszusetzen.