Der Venusmörder, 20.15 Uhr, RTL Seit Jahrhunderten taucht sie immer wieder in Büchern, Gemälden und Filmen auf: die schöne, nackte Frauenleiche. Selbst in Zeiten der politischen Korrektheit hat ihre Beliebtheit offensichtlich nicht nachgelassen. Auch der Regisseur Dominique Othenin-Girad verliert sich in seinem Film "Der Venusmörder" gelegentlich im Bilderrausch der fahlen Haut. Die Kamera fährt wollüstig daran entlang. Hat man schon einmal einen gerade aus dem See gezogenen Männer-Körper gesehen, der auf diese Weise abgetastet wurde?Aber diese RTL-Eigenproduktion ist kein altmodisches Wiegenlied für eine Frauenleiche, sondern ein Thriller auf der Höhe der Zeit. Katja Flint spielt die Hauptkommissarin Laura Grimm. Ganz realistisch werden ihre Schwierigkeiten gezeigt, sich bei der Polizei unter lauter Männern durchzusetzen. Vor allem ihr brutaler Kollege Strack (Ralph Herforth) macht ihr mit seinen Bad-Cop-Methoden das Leben schwer. Gerade schon wurde sie für ihre Karriere mit einer Scheidung bestraft - ihr Mann hätte sie lieber als Hausmütterchen gesehen. Nun soll diese Frau einem Serienmörder auf die Spur kommen, der besagte Frauenleichen in der freien Natur ablegt. Sie stößt auf einen Schönheitschirurgen, bei dem alle bisherigen Opfer sich operieren ließen. Der Mann, gespielt von Hannes Jaennicke, ist verdächtig. Und er ist charmant. Die Polizistin verliebt sich in ihn. Und wird damit zur potentiellen Leiche. Aus Lauras innerem Konflikt bezieht der Film seine Spannung. Laura Grimm kämpft an allen Fronten - und ist irgendwann so tief verstrickt, daß sie an mindestens einer Front verlieren muß.Der Krimi handelt davon, wie eine Frau von ihrer Umgebung langsam in die Knie gezwungen wird. Katja Flint spielt sie mit atemberaubender Intensität. Sie besteht sogar gegen Jodie Foster. Jodie Foster? Nun ja, der Film ist, um es vorsichtig auszudrücken, nicht ganz unbeeinflußt von Jonathan Demmes "Das Schweigen der Lämmer". Nicht nur die Geschichte ist an den Schock-Klassiker der 90er Jahre angelehnt, auch die Bilder zitieren ihn immer wieder. Wenn Laura Grimm atemlos gehetzt durch den Wald rennt, denkt man an Jodie Fosters Lauf im "Lämmer"-Vorspann. Und wenn sie gleich zu Beginn in die bizarr eingerichtete Wohnung eines Verdächtigen einbricht, ist das eine leicht parodistische Anspielung auf Demmes Showdown.Aber zum Glück wurde der "Venusmörder" kein billiger Abklatsch, sondern ein zeitgemäßer Film über die Probleme starker Frauen - und über das Schweigen der Männer. +++