Fast zerbrechlich wirkt Katja Havernann, die Witwe des DDR-Regimekritikers Robert Havemann. Doch der Wille der 45jährigen ist stark. "Ich werde nun überlegen, was zu machen ist, um das Anliegen auf anderen Wegen durchzusetzen. Dabei hat Katja Havemann am Freitag zum zweiten Mal eineii Prozeß gegen die Berliner Humboldt-tjniversität verloren.Noch immer lebt die Witwe in Grünheide bei Berlin. In dem Haus, das ihr Mann ihr vermacht hat. Wie so viele hat auch die gelernte Erzieherin nach der Wende eine ABMStelle erhalten. Sie betreut behinderte Kinder.Leicht ist es ihr nicht gefallen, vor Gericht zu ziehen aus finanziellen Gründen. Die Kosten für das am Freitag verlorene Verfahren werden auf 16 000 bis 26 000 Mark geschätzt. Ein Betrag, den Katja Havemann nicht aus eigener Tasche bezahlen kann. Nur durch die Unterstützung von Freunden aus der Bürgerrechtsbewegung "Neues Forum", die eine Ausfallbürgschaft übernommen hatten, konnte Katja Havemann sich diesen Rechtsstreit erlauben. Noch im Gerichtssaal nennt sie die Entscheidung der Richter "enttäuschend und unbefriedigend".1990 hatte sich die Humboldt-Universität für die Entlassung des imbequemen Wissenschaftlers entschuldigt "Eine Entschuldigung. Das kann doch nicht alles sein", davon ist Katja Havemann überzeugt.Sie denkt nicht daran aufzugeben. Immer wieder macht sie deutlich, daß es ihr nicht allein um das Unrecht geht, das ihrem Mann zugefügt worden ist. Sie streitet auch für die Menschen, die sich. in der DDR der offiziellen Linie widersetzten und dies mit einem sozialen Abstieg bezahlen mußten. Ihnen will sie Mut machen, ihre berechtigten Ansprüche geltend zu machen. Ihr Mann sei da lediglich ein Präzedenzfall.Politisch will sich Katja Havemann deshalb dafür einsetzen, daß Opfer von DDR-Unrecht in der Bundesrepublik ihr Recht erhalten. Gemeinsam mit dem Neuen Forum will sie sich in Bonn engagieren, damit das geplante Rehabilitierungs-Gesetz in die Tat umgesetzt wird.Und sollte sie einmal die ihrem Mann vorenthaltenen Lohnzahlungen in Höhe von 315 000 Mark erhalten, dann will die Erzieherin erneut ein Zeichen setzen. Mit dem Geld sollen Ökologie-Initiativen oder Projekte aus der Bürgerrechtsbewegung, die sich mit der Aufarbeitung der DDR-Geschichte befassen, unterstützt werden.Sigrid AvereschKatja Havemann