THOMAS ROGALLA entdeckt die Autolobby an unerwarteter Stelle.Matthias Wissmann, Chef des Verbandes der Automobilindustrie (VdA), hat für seine Lobby eine tatkräftige Unterstützerin, wo man sie nicht vermutet, in der Berliner Umweltverwaltung. Eine Linke zudem: Katrin Lompscher, Umweltsenatorin. Sie hält sich zugute, dass durch die Einführung der umstrittenen Umweltzone die Fahrzeugflotte der Stadt durch Neuzulassungen stärker modernisiert worden sei als anderswo. Zu Deutsch: Lompscher hat den Autoverkauf angekurbelt durch die Zwangsaussperrung älterer Fahrzeuge. Die Flottenmodernisierung muss als stärkstes Argument für einen angeblichen Erfolg der Umweltzone herhalten, weil die Hauptbegründung nicht vorliegt. Die Verbesserung der Luftqualität kann frühestens im März einigermaßen beurteilt werden, was Lompscher nicht abhält, jetzt schon die verschärfte zweite Stufe auszurufen. Zwar sind an einigen Straßen in der Zone weniger Überschreitungen registriert worden. Aber auch an Luftgüte-Messstellen außerhalb des S-Bahn-Rings sind Feinstaubwerte an großen Straßen gesunken - ohne Fahrverbote.Das Verwaltungsgericht Hannover hat anlässlich einer Klage gegen die dortige Umweltzone festgestellt, dass die Fahrverbote gegen die Feinstaubbelastung nach jetzigem Kenntnisstand wirkungslos seien. Ein Urteil erfolgt im März. In Stuttgart wurden trotz Fahrverboten an einer großen Straße sogar erhöhte Werte gemessen. Da aber die Verkaufsförderung für Autos in der Wirtschaftskrise per se eine gute Tat ist, vergessen wir die Sache mit der Luftqualität und bekennen: Ja, die Umweltzone ist ein Erfolg!Seite 24