WITTENAU. "Nach fünfeinhalb Jahren müssen wir leider hier ausziehen", hat die Blumenfrau auf einen Zettel geschrieben. Die Inhaberin der Textilreinigung bedankt sich bei ihren Kunden für die Treue. Am Dienstag haben sechs Händler und Gewerbetreibende im Einkaufszentrum an der Avenue Charles de Gaulle von ihrem Vermieter, dem SB-Markt Kaufland, die fristlose Kündigung ihrer Mietverträge erhalten. Heute können sie ein letztes Mal öffnen. Dann ist Schluss.Kaufland ist Hauptmieter und hat Flächen an Händler untervermietet. Auch seinen eigenen Mietvertrag hat Kaufland gekündigt, heute ist der Markt zum letzten Mal geöffnet. Gerade mal vier Tage hatten die Händler Zeit, die Schließung ihrer Läden vorzubereiten. "Das kam alles sehr überraschend. Doch wir können juristisch nichts gegen die Kündigung tun" sagt Hartmut Roloff vom Zeitungs- und Lottoladen. Er weiß noch nicht, was er mit dem Mobiliar machen soll. "Meine geschäftliche Existenz ist jetzt zerstört", sagt er. Der Friseurladen ist schon ausgeräumt, Bäcker und Asia-Imbiss schließen heute. Doch auch Kaufland macht heute dicht. Damit verschwindet ein beliebter Einkaufsort und Treffpunkt für die Bewohner der Franzosensiedlung Cité Foch. "Da geht jetzt ein ganzes Stück Lebensqualität verloren", sagt Frank Arendt, der in dem Viertel wohnt. Zum nächsten Bäcker muss er jetzt 15 Minuten länger laufen.Lange Risse an den WändenUnklar bleibt, warum den Händlern erst am Dienstag mitgeteilt wurde, dass sie am Freitag raus müssen. Auch über die Gründe der plötzlichen Schließung will Kaufland-Sprecherin Andrea Kübler nicht gern reden. "Es gab erhebliche bauliche und technische Mängel", sagt sie. Jahrelang habe die Geschäftsleitung den Eigentümer aufgefordert, die Mängel zu beseitigen. Es passierte nichts. Tatsächlich sieht man überall im Haus erhebliche Schäden. Decken, Wände und Boden haben große Risse. Regnet es, läuft Wasser ins Haus, erzählen Händler. Der Boden in der Tiefgarage hat große Löcher, die Wände sind beschmiert. Jahrelang ist an dem Gebäude nichts gemacht worden. Der Verfall ist nicht zu übersehen.Das Gebäude in der Franzosensiedlung Cité-Foch war in den 70er-Jahren gebaut worden und diente den französischen Alliierten als Kulturhaus mit Kino-Festsaal und Restaurants. Nach dem Abzug im Jahre 1994 übernahm der Bund das gesamte Gelände und verkaufte das frühere Kulturhaus 1996 an einen Geschäftsmann. Der gilt als "nicht ganz unproblematisch" und schulde dem Bund noch Geld, heißt es aus der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben.Im Juli 1998 wurde der Einkaufsmarkt von der Firma Famila eröffnet und im Juli 2001 von Kaufland übernommen. In den Mietverträgen mit den Händlern war auch ein außerordentliches Kündigungsrecht enthalten, sollte Kaufland schließen.Doch anscheinend gibt es nicht nur bauliche Gründe für den plötzlichen Rückzug. "Die baulichen Mängel am Haus sind nicht so groß, dass es eine sofortige Schließung zur Folge haben müsste", sagt Michael Wegner, der Baustadtrat von Reinickendorf. Offenbar waren die Umsätze in der Kaufland-Filiale nicht so hoch, wie man erwartet hatte. Es gibt noch einen Aldi-Markt im Haus, ein Lidl-Discounter hat kürzlich in der Nähe eröffnet. Konkurrenz also für das Kaufland.Anwohner und Geschäftsleute fürchten nun, dass das Einkaufszentrum verödet. Denn nach Kaufland und den kleinen Läden könnten weitere Geschäfte in dem Gebäudekomplex schließen: das Fitness-Studio, das italienische Restaurant, der Aldi-Markt.------------------------------"Da geht ein ganzes Stück Lebensqualität zu Grunde."Frank Arendt, Anwohner