Kay Wehner, Torwart des 1. FC Union, muss damit leben, dass die Fans seinem Vorgänger Oskar Kosche nachtrauern: Keine Liebe auf den ersten Blick

BERLIN, 17. September. Sechs Jahre lang gab es beim 1. FC Union Berlin nur eine Nummer eins: Oskar Kosche. Im Internet verehren die Fans des Regionalligisten den unfreiwillig zu Babelsberg 03 abgewanderten noch immer als "Fußball-Gott". Auch Unions Präsident Heiner Bertram räumt mittlerweile ein, Kosches Abschiebung durch den ehemaligen Trainer Fritz Fuchs "sei die einzige personelle Fehlentscheidung gewesen, die ich mitgetragen haben".Der Vorgänger im Glorienschein da hat man es schwer als Neuer. "Die Fans" sagt Kay Wehner, der jetzt das Tor der Eisernen hütet, "haben nach wie vor Oskar in den Köpfen. Sie werden ihn nie vergessen. Mich werden sie erst akzeptieren, wenn ich sie durch besonders gute Leistung überzeuge." Gelegenheit hierzu bietet sich am Sonnabend, 14 Uhr, im Stadion der Alten Försterei gegen Erzgebirge Aue.Kay Wehner selbst erregte vor zwei Jahren bundesweit Aufmerksamkeit im DFB-Pokal. Bis ins Finale gegen den VfB Stuttgart führte er sein damaliges Team, brillierte als Elfmetertöter gegen den MSV Duisburg (einen gehalten) und St. Pauli (zwei gehalten). "Die Höhepunkte meiner Karriere", sagt er und träumt von neuen Glanztaten. Der bodenständige Eisenhüttenstädter möchte schleunigst zurück in die zweite Liga mit Union. "Das Potenzial ist da", sagt er. Nur drei Gegentreffer in bisher sieben Saisonspielen, die beste Abwehrbilanz aller Teams das spricht auch für den bescheidenen Wehner ("Ich habe ja fast nichts aufs Tor bekommen") und weckt Hoffnungen bei Union: In den letzten drei Spielzeiten stiegen stets die Vereine mit der besten Defensivabteilung auf: Chemnitz (12 Gegentreffer),TeBe (7) und Cottbus (17). Damals übrigens mit Kay Wehner im Team.Alle 34 Zweitligaspiele absolvierte er in Cottbus erstem Zweitligajahr. Bis ihn im Sommer 1998 ein Kreuzbandriss bremste. Trainer Eduard Geyer holte den Kroaten Tomislav Piplica, der hielt, sehr gut sogar und Wehner fand sich auch nach seiner Genesung auf der Bank wieder. Dem war das zu wenig: "Ich kann das nicht, draußen hocken und darauf warten, dass sich der Konkurrent verletzt." Der Schlussmann äußerte seine Unzufriedenheit und verscherzte es sich mit dem knorrigen Trainer. Bereits im April sagte er Union zu.Es war keine Liebe auf den ersten Blick. "Zuerst war das Gehaltsangebot zu niedrig. Ich dachte, okay, das hat sich dann wohl erledigt", sagt Wehner. Doch drei weitere harte Verhandlungsrunden folgten. Es heißt, Wehner habe danach gut gepokert und sich sogar finanziell verbessert, obwohl er nun eine Klasse tiefer arbeitet. Er selbst bestreitet das: "Ich habe Abstriche in Kauf genommen, um wieder spielen zu können."Er sei ein Torwart aus Berufung, betont er: "Weil man da nicht so viel laufen muss", sagt er: "Ich habe mich schon als Kind gern hingeschmissen je dreckiger der Platz, desto schöner." 100 Spiele absolvierte er in der dritten Liga für den Eisenhüttenstädter FC Stahl, dann folgte der Sprung nach Cottbus, wo er Antonio Ananiev (heute Chemnitzer FC) verdrängte und half, den Aufstieg zu realisieren.Reaktionsschnell auf der Linie, kompromisslos beim Bällefangen ist Hüne Wehner (82 kg, 1,85 m). Und wie Kosche zählt auch er zu den ruhigen Zeitgenossen. Während andere Unioner die Nähe zum Anhang suchen, in der Fankneipe "Abseitsfalle", meidet Wehner solche Auftriebe: "Ich brauche kein Rampenlicht." Dennoch möchte er, auch ohne große Worte, beim 1. FC Union "irgendwann da hin, wo Oskar war". In die Herzen der Fans. Im Moment, sagt Wehner, "pfeifen die Zuschauer mich weder aus noch freuen sie sich über mein Spiel. Sie ignorieren mich einfach."