Die Veranstaltungen im Kulturhaus zum Internationalen Frauentag am 8. März finden ohne Beteiligung der Spandauer Frauenbeauftragten Sonja Waszerka statt. Bürgermeister Sigurd Hauff (SPD) sieht aber "keine Veranlassung, Kritik an ihr zu üben".Sonja Waszerka will am Frauentag einen "politischen Schwerpunkt" setzen. "Ich denke nicht, daß sich die Frauenbeauftragte in allen Ecken und Gassen beteiligen muß", begründet sie, warum sie nicht im Kulturhaus aktiv wird. "Ich habe den Internationalen Frauentag nicht gepachtet." Sie veranstaltet mit dem Frauenbeirat eine Diskussion mit den Stadträten: der "Kummerkasten" beginnt um 14.30 Uhr im Rathaus.Ursprünglich sollte der Tag jedoch viel größer aufgezogen werden, so die Sprecherin des Beirats, Elisabeth Kranz. Beabsichtigt war, daß die Frauen mit einer Band durch die Altstadt ziehen, dann mit den Dezernenten diskutieren und die Veranstaltungen im Kulturhaus besuchen. Da die Bezirksverordnetenversammlung aber auf den 8. März verlegt wurde, fällt der Umzug durch die Fußgängerzone nun ins Wasser. Ein öffentlicher Protest gegen die BVV-Sitzung fand nicht statt: "Wir haben die Macht der Presse sehr niedrig eingeschätzt", so die Frauenbeauftragte.Derweil wird am 8. März im Kino "Filmriss" die Frauenfilmwoche mit den Streifen "Burning Life" und "Heavenly Creatures" laufen. Als Mitveranstalterin tritt die Ausländerbeauftragte Gertrud Renner auf. "Für mich gab es nie eine Passivität am 8. März", sagt sie. Deswegen fühle sie sich gefordert, die Filmreihe zu unterstützen. Der Koordinator des Kulturhauses, Uli Funk, hat drei Projekte vorgesehen: In der Galerie zeigen sechs Malerinnen aus Weimar und Erfurt ihre Bilder nackter Männer und Frauen unter dem Titel "Die Sündige - sinnliche Frauenbilder". Am Abend gibt es einen Tanzabend mit Serafina Magsamen und Gabriele Kostas sowie den Auftritt einer Frauenrockband. Uli Funk: "Ich habe der Frauenbeauftragten die Veranstaltungen angeboten, aber sie ist darauf nicht eingegangen."Bürgermeister Hauff nimmt die ihm direkt unterstellte Frauenbeauftragte in Schutz: "Ich bin überzeugt, daß Frau Waszerka bemüht ist, eine gute Arbeit zu leisten." Er lege den Aktivitäten der Frauenbeauftragten keine Fesseln an und fördere ihre Tätigkeit. "Ich halte es nicht für gut, ihr Vorschläge zu unterbreiten."Sonja Waszerka verweist auf ihre vielen Aktionen im vergangenen Jahr: die Aktionswoche Gewalt gegen Frauen, die Broschüre über Frauen in Spandau und Veranstaltungen für Mädchen. 1995 plant sie einen Wegweiser für Mädchen und Frauen, die Veranstaltung Gewalt gegen Mädchen sowie eine Initiative Frauen und die Verwaltungsreform. Zudem leiste sie in ihrer Sprechstunde und in der Kontaktpflege mit anderen Behörden viel Arbeit. Sonja Waszerka: "Ich ziehe mir den Schuh, zu passiv zu sein, nicht an." +++