Kein Hauch von Klassenkampf

SCHIMANSKI, ARD. Im Grunde hat sich Duisburg kaum verändert, seit Horst Schimanski (Götz George) hier vor 17 Jahren seine erste Tür eingetreten hat. Nur ein bißchen häßlicher ist es geworden. Die Lage in der Stadt ist chaotisch, die Luft schmeckt ungesund, was auch daran liegen kann, das jetzt an jeder Ecke Mülltonnen brennen. Gleich hinter den Mietskasernen fressen sich wie eh und je die Fördertürme in den Himmel. Doch nun stehen sie still. Autor Horst Vocks und Regisseur Hajo Gies, beide schon in den alten Zeiten mit der Figur des Hauptkommissars befaßt, haben für ihren aktuellen Stoff aus dem Revier den sozialen Faktor ihrer früheren Schimanski-Geschichten mit fünf multipliziert. Heraus kam dabei eine Duisburger Apokalypse. Es war eine gute Idee, dem zwischenzeitlich zum frei schwebenden Comic-Helden umgewidmeten Supermann endlich wieder ein Stück heimatlichen Boden unter die Füße zu geben. Es war eine nicht ganz so gute Idee, das "Rattennest" dermaßen mit naturalistischen Gruseleffekten auszustaffieren, daß die Reise durch Duisburg streckenweise wie eine sozialkritische Gespensterbahn anmutete.Die Konstruktion der jüngeren Schimanski-Episoden verlangt es, daß der Held jedes Mal von Neuem aus Holland herangeschafft werden muß. Das dauert seine Zeit und verlangt eine dramaturgische Krücke, die der Entwicklung der Haupthandlung meist im Wege steht. Regisseur Gies hat es diesmal durch seine Parallellmontage der Eingangs-Sequenz geschafft, sofort Spannung aufzubauen. Die Polizei findet am Tatort eines Doppelmordes in der Stricherszene Schimanskis frühere Dienstmarke, während der Kommissar im Exil rockermäßig seinen Geburtstag versäuft. Was sich dem von der Staatsanwaltschaft herbeigerufenen Pensionär in seiner alten Polizisten-Heimat bietet, hätte der sich in seinen schlimmsten Alpträumen nicht vorgestellt: Strichjungen, Kinderpornos, Heroin, Albaner, Ratten in seiner Badewanne und über allem nicht mal ein Hauch von Klassenkampf. Bis zum geschickt verzögerten Finale wurde viel gekloppt, geflucht und geschossen. Wie es Schimanski gefällt.