JOHANNESBURG. Er fordert die Verstaatlichung der Minenindustrie und die Enteignung von Ländereien. Er singt öffentlich Lieder, in denen zur Ermordung weißer "Buren" aufgerufen wird. Und er beschimpft die Chefin der führenden Oppositionspartei als "satanistisches Monster". Wann immer Julius Malema spricht, können sich Journalisten sicher sein, ein Zitat notieren zu dürfen, das Schlagzeilen machen wird.Malema, den man auch "Motor-Mund" nennt, ist Chef der Jugendliga des regierenden Afrikanischen Nationalkongresses (ANC). Und er ist der umstrittenste Politiker Südafrikas. Die einen halten ihn für einen gefährlichen Demagogen, die anderen für einen "Führer im Werden", der "einmal den ANC beerben wird". Diese Einschätzung stammt von Jacob Zuma, dem Präsidenten des Landes. Es ist günstig für Malema, dass er Zuma zu seinen Freunden zählen darf. Und umgekehrt.Julius Malema ist 29 Jahre alt. Er trägt Designer-Sakkos und italienisches Schuhwerk, liebt betagten Whisky und Limousinen mit Stern. Und er lebt von Kontroversen. Schon bei seiner Wahl zum Chef der einflussreichen Jugendorganisation des fast hundert Jahre alten ANC ging es hoch her; es kam zu Faustkämpfen und Sprechchor-Schlachten, die Abstimmung musste verschoben werden. Am Ende setzte sich "Comrade Julius" durch. Er ist das Kämpfen gewöhnt. Schon als Neunjähriger lernte er, der Sohn einer alleinerziehenden Haushaltshilfe aus der Provinz, wie man Molotowcocktails bastelt. Kaum im Amt stellte sich Malema hinter den ANC-Vizepräsidenten Jacob Zuma, der damals arg in der Bredouille war, und attackierte dessen Erzfeind, Präsident Thabo Mbeki. "Mbeki muss gehen. Er wird bei den kommenden Wahlen kein Kandidat des ANC mehr sein", befand Malema. Das war deutlich.Genauso unmissverständlich fiel seine Unterstützung für Zuma, den fast 40 Jahre älteren Freund, aus. "Wir sind bereit, zu den Waffen zu greifen und auch für Zuma zu töten", sagte Malema während einer Kundgebung, ohne von seinem Gönner, der ihm lauschte, in die Grenzen gewiesen zu werden. Nicht minder dreist ging Malema, der sich bei öffentlichen Auftritten in regelrechte Rauschzustände redet, mit der Frau ins Gericht, die Zuma wegen Vergewaltigung angezeigt hatte. Julius Malema sagte über sie, sie habe offenbar eine "nette Zeit" mit Zuma gehabt: "Denn wenn es einer Frau nicht gefallen hat, dann geht sie morgens früh. Dagegen bleiben diejenigen, die eine nette Zeit gehabt haben, bis die Sonne aufgegangen ist und verlangen noch ein Frühstück und Geld fürs Taxi."Malemas Lieblingsfeindin ist die deutschstämmige Oppositionschefin Hellen Zille, die er als "rassistisches kleines Mädchen" zu beschimpfen pflegt. Als die Ministerpräsidentin der Kap-Provinz ihr ausschließlich mit Männern besetztes Kabinett vorstellte, sagte Malema: "Sie hat alle ihre Liebhaber berufen, um weiter mit ihnen schlafen zu können." Das ging selbst ANC-Politikern zu weit. "Solche Kommentare bedeuten eine peinliche Abkehr von unserem politischen Stil", entschuldigte sich Gwede Mantashe, der Generalsekretär der Regierungspartei.Seitdem hasst Malema auch Mantashe. Bei jeder sich bietenden Gelegenheit verkündet der Jugendliga-Chef, dass der Generalsekretär die nächste Wahl nicht überstehen werde. Eine Anmaßung? Nicht unbedingt. Der Chef der Jugendliga verfügt tatsächlich über erheblichen Einfluss - wofür nicht zuletzt Freund Zuma verantwortlich ist.Malema hat sich mit seiner Radikalrhetorik allerdings auch tief in die Herzen vieler wütender Jugendlicher und enttäuschter Erwachsener geredet. Er spricht aus, was harmoniesüchtige Anhänger der Regenbogen-Vison leicht übersehen: dass es weißen Südafrikanern noch immer wesentlich besser geht als den "vernachlässigten schwarzen Massen". Zu den letzteren zählt sich Julius Malema, der sein Studium nicht beendet hat, selbst: "Ich kenne die Armut. Auch ich bin ein Produkt von ihr."So ist er zum Champion der Armen geworden. Und dieses Image hat er bislang aufrechterhalten können - trotz seiner Villa im besten Stadtteil von Johannesburg, trotz opulenter Geburtstagspartys. Jüngst allerdings fanden Journalisten heraus, dass Malema im Nebenberuf Direktor und Teilhaber eines von staatlichen Aufträgen lebenden Bauunternehmens ist. Noch wehrt er sich gegen diesen Vorwurf. Die Rechercheure hat er als "weiße Buren-Journalisten" beschimpft, die von seinen politischen Gegnern bezahlt worden seien und Unterschriften gefälscht hätten. Allerdings mehreren sich selbst innerhalb des ANC die Stimmen, die eine finale Abrechnung mit dem umstrittenen Kronprinzen fordern. "Malema ist ein chauvinistischer Demagoge im Stile Hitlers, der mit viel Lärm die Gefühle einfacher Menschen aufpeitscht, um sich heimlich an staatlichen Ressourcen zu bereichern", sagt ein Parteifunktionär in der Westkap-Provinz.Einer zeigt sich unbeeindruckt. Er könne sich doch nicht um jede Geschichte kümmern, die in der Zeitung stehe, antwortete Präsident Zuma kürzlich auf eine Anfrage zum Fall Malema im Parlament.------------------------------Foto: Großsprecher: Julius Malema.