Kerzen, Blumen und ein selbstgemaltes Bild erinnern am Eingang vom Wohnhaus von Jessica Kopsch an die elfjährige Schülerin. Immer wieder kommen Mitschüler von der Mark-Twain-Oberschule an der Schillingstraße vorbei und legen Blumen an die Eingangstür. Die meisten Jugendlichen können den Tod ihrer Schulkameradin immer noch nicht fassen. "Wir stellen uns immer wieder die Frage nach dem Warum", so eine Mitschülerin. "Wir hatten gemeinsam mit den Eltern noch bis zum Schluß gehofft."Die Ermittlungen der Polizei standen am Dienstag noch am Anfang. "Wir verfolgen zur Zeit leider noch keine heiße Spur", so Chefermittler Thomas Scherhant. Die Recherchen richten sich jetzt auf die Morgenstunden am 28. Oktober 1998. An diesem Tag verschwand Jessica auf dem Weg aus ihrem Elternhaus. "Wir wissen mittlerweile sicher, daß Jessica nicht auf dem Weg zur Schule war", so Scherhant. Grund für diese Annahme ist, daß Jessica ihren Schulrucksack zu Hause ließ. "Außerdem ging das Mädchen genau in die Gegenrichtung und wurde an der Scharnweber Straße und am Eichborndamm gesehen", so Scherhant. Bisher seien nur einige "unbrauchbare Hinweise" von Bürgern eingegangen. Parallelen werden geprüftDie Ermittlungen setzen dort an, wo nach dem Verschwinden bereits begonnen wurde: Anwohner werden befragt, Jessicas Foto gezeigt. Die Polizei vermutet, daß Jessica ihren Mörder bereits kannte und an diesem Morgen vielleicht sogar zu ihm ging. Ein Sexualdelikt scheint sicher, da die Leiche nur mit Socken bekleidet nackt gefunden wurde. Auch Parallelen zu anderen Kindermorden bundesweit werden geprüft. So weist neben etwa fünf anderen ein Fall im Jahre 1994 Gemeinsamkeiten auf. Damals wurde die neunjährige Marina E. tot und ebenfalls nackt, nur mit Socken bekleidet, auf einem Dachboden in Adlershof gefunden, nachdem sie mehrere Wochen vermißt war. Bisher gibt es auch hier keine heiße Spur. "Wir prüfen auch noch mehrere andere Fälle", so ein Beamter. Am Fundort bei Morl hatten die Beamten noch bis Montag Spuren gesichert. "Leider ist die Spurenlage jedoch sehr schlecht, da die Leiche bereits so lange dort lag", so ein Ermittler. Sicher ist, daß der Fundort nicht der Tatort ist. Die Todesursache steht noch nicht fest. "Die Leiche ist so stark verwest, daß die Feststellung noch einige Tage dauern kann", so ein Beamter. Die Fahnder gehen davon aus, daß sich der Täter gut ausgekannt haben muß. Außerdem werden der Plastiksack, in dem die Leiche verpackt war, und ein darum gewickelter Strick untersucht. Die Kripo in Halle arbeitet mit, um eventuelle Verdächtige zum Beispiel ehemalige Mitarbeiter der Kiesgrube zu ermitteln. Auch an der Leiche wird weiter nach Spuren, wie Materalien unter den Fingernägeln, gesucht.