Kaum hatte das irakische Parlament am Montagabend das von Haidar al-Abadi vorgestellte Kabinett ins Amt gewählt, meldete sich US-Präsident Barack Obama aus Washington. Er war einer der ersten Gratulanten; er erinnerte al-Abadi sogleich daran, wie wichtig es sei, die Belange und Sorgen aller Iraker in der Regierungsarbeit zu berücksichtigen. Nur so könne die irakische Einheit wieder hergestellt werden – sie gilt als Voraussetzung, um die radikalen Dschihadisten des Islamischen Staats (IS) zu bekämpfen. Eine Regierung in Bagdad, in der die unterschiedlichen politischen Richtungen des Landes vertreten sind, ist ein erster Schritt. Nun sollen weitere folgen.

So will Obama IS besiegen

Mit Spannung wird daher die für diesen Mittwoch geplante Fernsehansprache Obamas erwartet, in der er erklären will, wie IS besiegt werden soll. Zeitgleich reist US-Außenminister John Kerry in die Region, am Donnerstag will er im saudischen Dschidda mit seinen Amtskollegen aus Saudi-Arabien, Jordanien, Ägypten, der Türkei und den kleinen Golfstaaten zusammenkommen.

Ein Bündnis gegen IS soll geschmiedet werden, ob das gelingt und wie tragfähig es ist, hängt auch von Obamas Rede ab. Zu wie viel Engagement ist Washington bereit? In der arabischen Welt zeigen sich viele Kommentatoren skeptisch. Sie sehen die Zurückhaltung der USA, den Kampf der Opposition gegen die syrische Regierung von Baschar al-Assad zu unterstützen, als wichtige Ursache für das Erstarken des IS.

Klar ist, dass der Kampf gegen IS nur gewonnen werden kann, wenn auch Stellungen der Truppe in Syrien bekämpft werden. Hier stellt sich die Frage, ob und wie weitgehend die USA dafür mit der Assad-Regierung zusammenarbeiten. Sollte es zu einer auch nur stillschweigenden Allianz kommen, würde dies die sunnitischen Partner der USA verprellen, allen voran Saudi-Arabien.

Zentral ist auch die Frage, ob die USA bereit sind, ihre Linie gegenüber der syrischen Opposition zu ändern, und wie weit diese mögliche Kursänderung geht. Luftschläge gegen IS-Stellungen in Syrien sind nur denkbar, wenn es am Boden Verbündete gibt, die Stellungen auskundschaften und den Kampf anschließend weitertragen.

Das Repräsentantenhaus in Washington hat im Juli ein Fünf-Millionen-Dollar-Paket beschlossen, mit dem Verbände der Freien Syrischen Armee (FSA) in ihrem doppelten Kampf gegen IS und die Assad-Regierung unterstützt werden sollen.

Angst vor den eigenen Waffen

Wie dieses Geld eingesetzt wird, darüber wird in Washington heftig gestritten. Schwere Waffen, so die Befürchtung vieler, könnten irgendwann auch gegen die USA und ihre Verbündeten in Stellung gebracht werden. Andererseits könnte die US-Finanzspritze nur der Anfang sein. Es wird erwartet, dass Kerry seine Gesprächspartner vom Golf zu einer Aufstockung der Hilfe drängen und ihnen die logistische Aufgabe übertragen wird, die Hilfe an die FSA-Verbände zu liefern.

Von Jordanien wird Kerry wohl mit der Forderung nach mehr Militärhilfe konfrontiert. Das Königreich spielt schon jetzt eine wichtige Rolle: Hier gibt es Ausbildungsstätten für FSA-Kämpfer, zudem ist eine US-Spezialeinheit dort stationiert.