Noch einer dieser oberschlauen Psychothriller. Da das Serial-Killer-Genre schon bis zur Ermattung durchexerziert worden ist, bemüht sich "Suspect Zero - Im Auge des Mörders" gleich auf mehrfacher Ebene um einen neuen Dreh. Die Mordserie findet ausgerechnet in New Mexico statt, wohin der FBI-Agent Thomas Mackelway (Aaron Eckhart) nach der vermasselten Festnahme eines Serienmörders strafversetzt worden ist, und startet dann auch noch am Tag von Mackelways Dienstantritt. Beides ist natürlich kein Zufall, genauso wenig wie die Tatsache, dass der Mörder den Wagen seines Opfers, eines dicklichen Handelsvertreters, gerade jenseits der Bundesstaatgrenze abgestellt hat und damit das Eingreifen des FBI erzwingt.Dickliche Handelsvertreter gehören nicht gerade zu den bevorzugten Opfern eines Hollywood-Serienmörders, und die nächsten Opfer ergeben auch kein schlüssiges Täterprofil. Das einzig Gemeinsame ist, dass allen Opfern ein Augenlid entfernt wurde, so dass sie blutig in die Kamera glotzen. Natürlich ist das ein hochsymbolischer Akt, einstweilen aber sieht Mackelway gar nichts. Deshalb muss der Mörder (es ist, wie wir bereits nach der ersten Szene wissen, ein gewisser Benjamin O'Ryan, gespielt von Ben Kingsley) dem FBI-Agenten schon selbst auf die Sprünge helfen, mit Hinweisen, die von genauer Kenntnis des Tathergangs zeugen und auf zahllose weitere Vermisste hinweisen: Alles Opfer?Kompliziert wird es dann im weiteren dadurch, dass a) Mackelway selbst von Visionen von Mordtaten heimgesucht wird, b) seine Ex-Frau Kulok (Carrie-Anne Moss) ihm vom FBI zur Unterstützung zugeteilt wird, c) das dritte Opfer eben jener Serienkiller ist, dessen Verhaftung durch Mackelway damals durch Verfahrensfehler vergeigt wurde, d) Hinweise auf eine in der Vergangenheit existierende, streng geheime Truppe von medial begabten FBI-Agenten auftauchen, die Verbrechen in Visionen miterlebten, e) die Theorie des Großen Anonymen Serienkillers, der keine identifizierbare Handschrift hat und folglich nie gefasst werden wird, also eben des "Suspect Zero", durch die Köpfe geistert, und f) der Regisseur E. Elias Merhige diesen ganzen Salat durch kühne Schnitte, verfremdende Perspektiven, umgefärbte Bilder und das ganze übliche technische Repertoire auch noch obermysteriös zu machen versucht. Für einen wirklich guten Film hätte es bei "Suspect Zero" aber etwas gleichmäßigerer Verteilung der schauspielerischen Fähigkeiten und Einsatzchancen bedurft. Was Kingsley an fiebrig zuckendem Überagieren betreibt, davon hätte er ruhig Eckhart eine Portion abtreten können - der nämlich vermag sein allmählich aus der Balance geratendes psychisches Gleichgewicht nur durch das Auftreten von Bartstoppeln mitzuteilen. Moss wiederum wird verschenkt in der undankbaren Rolle der Vertrauten, die ihrem Ermittlungspartner letzten Endes seine Schlüsse doch nicht abnimmt; skeptisch bis zur Penetranz wie Agent Scully aus Akte X. So nimmt der Zuschauer am Ende die Botschaft mit, dass es kein Zuckerschlecken ist, sich in die Psyche eines Serienmörders oder seiner Opfer hineinversetzen zu können. Das hatten wir uns vorher schon gedacht.Suspect Zero - Im Auge des Mörders USA 2003. Regie: E. Elias Merhige, Drehbuch: Zak Penn, Billy Ray, Darsteller: Aaron Eckhart, Ben Kingsley, Carrie-Anne Moss u. a.; 102 Min., Farbe.------------------------------Foto: Ben Kingsley tut des Bösen zuviel.