Jungen, die nur bei ihrer Mutter aufwachsen, haben ein größeres Risiko, fettleibig zu werden, als Gleichaltrige, die in einer Paarfamilie leben. Auch emotionale Probleme sind im Schnitt größer, die Jungs sind häufiger hyperaktiv und bewegen sich in ihrer Freizeit weniger. Auch bei den Mädchen, die nur bei ihren Müttern groß werden, sieht es nicht besser aus: Sie zeigen häufiger Verhaltensprobleme und leiden doppelt so oft an Asthma und Bronchitis wie andere Mädchen. Söhne wie Töchter Alleinerziehender sind seltener in Sportvereinen aktiv.Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. Als Datengrundlage diente dem Team der Sozialmedizinerin Gabriele Bolte Erhebungen in drei Landkreisen sowie den Städten Bamberg, Günzburg und München. Insgesamt liegen damit Daten von 16486 Paarfamilien und 2042 Alleinerziehenden vor. Die Studie konzentrierte sich auf Fünf- bis Siebenjährige. Alleinerziehende Väter wurden ausgeklammert, weil sie Bolte zufolge "zu selten" vorkamen. In dem gesamten Datensatz fanden sich nur 79 alleinerziehende Väter.Die Ergebnisse der ersten Studie dieser Art in Deutschland weisen dabei in eine ähnliche Richtung wie ältere Befunde, die aus dem angloamerikanischen und skandinavischen Raum vorliegen. Studien zeigten hier, dass insbesondere Söhne von Alleinerziehenden ein höheres Sterberisiko aufweisen. Sie machten auch deutlich, dass Kinder von Alleinerziehenden, auch hier vor allem die Jungen, häufiger emotionale Probleme und Schwierigkeiten in der Schule haben. Auch seien sie öfter verhaltensauffällig, leiden eher an psychiatrischen Erkrankungen sowie an Asthma und Migräne. Auch die Suizidrate sei höher.Der Nationale Kinder- und Jugendgesundheitssurvey des Berliner Robert-Koch-Instituts wies in der Altersgruppe der Drei- bis Sechsjährigen 88 Prozent der Kinder aus Paarfamilien nach elterlicher Einschätzung als unauffällig aus, während dies bei den Einelternfamilien nur zu 73 Prozent der Fall war.Der bayerischen Studie zufolge haben alleinerziehende Mütter im Schnitt weniger Kinder, sind schlechter ausgebildet, aber häufiger erwerbstätig als Mütter mit Partnern. Da die befragten Paarfamilien häufiger auf dem Land lebten als in der Stadt, sei dort das Modell "Alleinverdiener - Hausfrau" noch weit verbreitet, sagt Bolte.Berufstätigkeit kein NachteilEinen generellen Nachteil für die Kinder berufstätiger Mütter will die Expertin aber nicht aus den Daten ableiten: "Es handelt sich eher um die Konstellation Alleinerziehende mit Kind, die zu der Risikosituation führt." Auch der niedrigere Bildungs- und Einkommensstand sei "keine zwingende Erklärung".Auf den Obst- und Gemüsekonsum der Kinder scheinen sich die Unterschiede dabei nicht auszuwirken, wohl aber auf deren körperliche Aktivität: "Die Kinder Alleinerziehender sind seltener Mitglied in einem Sportverein. Und vor allem die Jungen scheinen in ihrer Freizeit weniger körperlich aktiv zu sein", so Bolte. Während in Paarfamilien 52 Prozent der Jungs und 40 Prozent der Mädchen keinen Vereinssport betreiben, sind es in den Einelternfamilien fast 60 Prozent der Jungs und 52 Prozent der Mädchen.Was allgemeine Bewegungsaktivitäten jenseits des Vereinssports betrifft, so schneiden die Jungen der Alleinerziehenden sogar noch schlechter ab: 64 Prozent sind hier inaktiv gegenüber 55 Prozent der Jungen aus Paarfamilien. Bei den Mädchen ist der Unterschied nicht ganz so groß (66 versus 62 Prozent).Bolte mutmaßt, dass neben der schlechteren sozialen Lage vor allem das geringere Zeitbudget der Alleinerziehenden dafür verantwortlich ist, dass sich deren Kinder seltener im Verein blicken lassen: "Die Kinder müssen ja meist hin- und hergefahren werden. Da können Alleinerziehende nicht mithalten."Mädchen und Jungen in Einelternfamilien wachsen meist als Einzelkinder auf (47 Prozent). In der klassischen Familie gibt es meist Bruder oder Schwester (58 Prozent) oder mehr Geschwister (25 Prozent). Selten sind Kinder hier allein. Geschwister scheinen damit auch Spielkameraden in nächster Nähe zu sein, die zu körperlicher Aktivität animieren. So erklärt sich wohl auch die größere Verbreitung von Übergewicht und Fettleibigkeit bei Jungen von Alleinerziehenden im Vergleich zu denen in Paarfamilien (13 versus zehn Prozent).Und woher kommen die höheren Asthmaraten? Die bayerischen Forscher spekulieren, ob es am Passivrauchen liegen könnte, weisen aber auch auf die höhere Beeinträchtigung durch Lärm, Luftverschmutzung und den "Mangel an Grünflächen in der Wohnumgebung" hin, unter dem "wesentlich häufiger die Familien alleinerziehender Mütter" leiden. Auch wohnen letztere häufiger an Straßen mit hoher Verkehrsbelastung.