Es ist offensichtlich reformbedürftig - das US-amerikanische Pflegekindwesen. So wenigstens legen es etliche Spielfilme nahe, in diesem Fall "Das Hundehotel". Nicht zum ersten Mal werden uns dort Erziehungsberechtigte präsentiert, denen man selbst bei ausgeprägter Nächstenliebe nicht einmal die geringste Topfpflanze zur Pflege anvertrauen sollte. Carl und Lois jedenfalls, zwei geldgierige, grenzdebile und hörbar untalentierte Rockmusiker machen deutlich, dass die Zuneigung zu Heranwachsenden kein Kriterium für das Jugendamt zu sein scheint.Welch ungeschliffene Edelsteine sind dagegen die Kinder, die Vollwaisen Andi und Bruce. Allein die Treue zu ihrem Jack Russell Terrier Friday, dem einzig verbliebenen Familienmitglied aus glücklichen Tagen, zwingt die beiden zu Regelverstößen. Tatsächlich ist es den pfiffigen Geschwistern nun schon drei Jahre lang gelungen, den Hund vor den wechselnden Aufsichtspersonen zu verstecken. Aber die Zeit für Kind und Hund läuft ab - eine weitere Verbotswidrigkeit und die 16-jährige Andi und ihr elfjähriger Bruder landen getrennt im Heim.Um so mehr ist diesen gebeutelten Kindern die Entdeckung des alten verwunschenen Hotels zu gönnen, welches das Hundeunterbringungsproblem zu lösen scheint. Dass der sanierungsbedürftige Palast bereits von einem Mastiff und einem Mops bewohnt wird, bringt die Geschwister auf eine heikle Idee: Mit Hilfe anderer jugendlicher Tierliebhaber beginnen sie, in Not geratene Hunde zu retten, die im Tierasyl sonst den sicheren Tod finden würden. Doch das wird nur angedeutet; zum Glück bleibt dieser Schock ein Einzelfall, weshalb der Kinobesuch auch mit jüngeren Kindern nicht zum Desaster werden muss und man sich Dialoge erspart wie "Kommt der Hund jetzt nicht wieder?" "Nein Schatz. Der böse Tierfänger hat ihm gerade das Genick gebrochen."Stattdessen gibt es vor allem smarte Jugendliche und bewundernswert gut dressierte Hunde in ungewöhnlichem Ambiente zu sehen. Um nämlich den Vierbeinern die Zeit zu vertreiben, hat ihnen der talentierte Bruce allerlei Bespaßungsgeräte gebaut. Wo die Ballwurfmaschine und das Hundelaufband für die nötige Bewegung sorgen, befördert die vollautomatische Fütterungsmaschine den Frieden unter der Hunden, die sich die Nachmittage mit simulierten Autofahrten plus Fahrtwind oder dem Anheulen eines Leinwandmondes vertreiben. Diese glückliche Großfamilie aus Mensch und Tier vor Tod und Vertreibung zu bewahren, wird letztlich die Aufgabe des beherzten Sozialarbeiters Bernie (Don Cheadle) sein. Wie der dynamische Afroamerikaner aufsteht, um für die Schwächsten der Gesellschaft zu kämpfen, erinnert notwendig an einen anderen viel gelobten Schwarzen dieser Tage. Hoffen wir, dass dieser sich mit vergleichbarer Passion für die Rechte von Kindern einsetzen wird.------------------------------Das Hundehotel (Hotel For Dogs) USA 2009. Regie: Thor Freudenthal, Drehbuch: Jeff Lowell, Kamera: Michael Grady, Darsteller: Emma Roberts, Jake T. Austin, Lisa Kudrow, Kevin Dillon, viele Hunde u. a. Geschöpfe; 100 Minuten, Farbe.------------------------------Foto: Auf stilvolles Reisegepäck kann ein marken- und qualitäts- bewusster Hund nicht verzichten!Foto: Das Leben wirklich kultivierter Hunde ist recht anstrengend: Sie treiben Sport - und achten ebenso auf ihre Linie ...Foto: ... wie auf Etikette und manierliches Benehmen bei Tisch.