Der TV-Moderator Ranga Yogeshwar verbrachte seine Kindheit in Indien und machte in Luxemburg Abitur. Der Sohn einer Luxemburgerin und eines Inders studierte Physik in Aachen und arbeitet seit 1987 als Wissenschaftsredakteur beim WDR in Köln. Die journalistischen Arbeiten des 40-Jährigen wurden mehrfach ausgezeichnet. Über die "Kinder statt Inder"-Parole der nordrhein-westfälischen CDU sprach Peter Riesbeck mit Ranga Yogeshwar.Herr Yogeshwar, wie bewerten Sie den "Kinder statt Inder"-Spruch der CDU in Nordrhein-Westfalen?Dieser Satz ist peinlich. Genau betrachtet, schürt er Überfremdungsängste. Damit bringt die Parole ein altes rechtspopulistisches Stereotyp zum Schwingen: die angebliche "Ausländerschwemme". Mitten im Wahlkampf scheint man damit den rechten Rand des Wählerspektrums bedienen zu wollen. Ich empfinde diese Parole auch als Angriff auf meine Person.Sie selbst wurden 1993 in Prag von Skinheads verprügelt. Reagieren Sie deshalb besonders empfindlich?Die Parole sät eine gefährliche Stimmung. Der Reim "Kinder statt Inder" ist wie ein harmloses brennendes Streichholz. Er entzündet eine riskante Zündschnur von Gedanken und Assoziationen. Am Ende brennen Häuser und Menschen sterben - keiner will dann mehr wissen, wie es dazu kam. Solche Sätze sind der Keim einer gefährlichen Entwicklung.Auslöser der Debatte war ja die Diskussion, dass die deutsche Softwareindustrie indische Experten braucht.Nach eigenen Angaben fehlen der deutschen Computer-Industrie rund 70 000 Software-Spezialisten. Ohne diese Fachkräfte kann die deutsche Wirtschaft nicht mithalten. In den USA war dieses übrigens ähnlich, jedoch haben dort die Menschen schnell begriffen, dass sie von der Stärkung der Softwareindustrie durch ausländische Spezialisten profitieren. Nach dem Motto "Gemeinsam sind wir stärker". Die Green-Card-Praxis hat sich in den USA auch in anderen Branchen durchgesetzt: Ausländische Spezialisten erhalten bevorzugt eine Arbeitserlaubnis.Warum herrscht immer noch Skepsis gegenüber dieser Green-Card-Praxis in Deutschland?Bei der hohen Arbeitslosigkeit in Deutschland können viele Menschen nicht verstehen, warum zusätzlich Arbeitnehmer aus dem Ausland angeworben werden. Dies wird, wie gesagt, nur bei genauerem Hinsehen klar. Die Sorge unserer Bürger vor einem Lohndumping nehme ich übrigens ernst. Die indischen Spezialisten dürfen dabei keine Bürger zweiter Klasse werden!Wie wurde die Parole von Herrn Rüttgers in Indien aufgenommen?Das kann ich nicht sagen. Doch im Ausland werden solche Äußerungen sehr genau registriert. Die Topspezialisten sind nicht auf Deutschland angewiesen. Es gibt einen weltweiten Mangel an Softwareexperten. Diese Menschen können sich aussuchen, wo sie arbeiten wollen. Sie finden problemlos einen Job in den USA. Da die meisten Softwarespezialisten Englisch sprechen, gibt es nicht einmal eine Sprachbarriere. Viele bleiben auch in Indien und arbeiten von dort aus für deutsche Firmen wie Siemens, Bosch oder die Deutsche Bank und so weiter. Jedes dieser Unternehmen hat schon seit langem hervorragende Erfahrungen mit indischen Spezialisten in Bombay und Bangalore.Was sagen Sie dazu, dass die Parole ausgerechnet von Jürgen Rüttgers kommt?Er hat sich damit selbst desavouiert. Er handelt wider besseres Wissen, denn als Ex-"Zukunftsminister" kennt er die internationale Situation sehr wohl. "Kinder statt Inder" ist nicht nur eine intellektuelle Ungereimtheit, dieser Satz schadet dem internationalen Ansehen Deutschlands. Ich finde, die Parole ist eine perfide Provokation.BIOGRAFIE Quarks & Co. // Ranga Yogeshwar stammt aus Indien, er machte in Luxemburg Abitur und studierte in Aachen Physik.Seit 1987 arbeitet Yogeshwar als Wissenschaftsjournalist beim WDR in Köln. In seiner Sendung "Quarks & Co. " erklärt er wissenschaftlich Phänomene des Alltags.Für seine Arbeiten erhielt der Journalist mehrfach Auszeichnungen.