Als arm gelten in Deutschland knapp 2,5 Millionen Kinder. Durchschnittlich sind junge Menschen in Ostdeutschland (26,3 Prozent) davon mehr betroffen als im Westen (17,4 Prozent). Das ist das Ergebnis einer Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung.

Studienforscher Eric Seils sieht zwei Gründe für den Unterschied zwischen Ost und West. „Zum einen liegt es an der Arbeitsmarktlage in den neuen Bundesländern. Zum anderen ist die Zahl der Alleinerziehenden in Ostdeutschland höher als in anderen Teilen der Republik.“ Das Armutsrisiko Alleinerziehender liege bei 42 Prozent. Hingegen seien es bei Haushalten mit beiden Elternteilen und ein bis zwei Kindern lediglich zehn Prozent.

Die Studie, die am Mittwoch veröffentlicht wurde, zeigt einen Langzeitvergleich von Bundesländern und Regierungsbezirken. Demnach hat sich Thüringen in den vergangenen Jahren gut entwickelt. Das Armutsrisiko geht seit 2005 zurück, von 29, 2 auf 21 Prozent. Auch Sachsen-Anhalt und die Region Dresden haben die Fälle von Kinderarmut um vier Prozent senken können.

Hingegen zeichnet sich eine leicht aber konstant steigende Armut Jugendlicher in Nordrhein-Westfalen ab. „In diesem Bundesland gibt es sehr viele Städte und die Zahl Alleinerziehender in Städten ist hoch“, begründet Seils diese Entwicklung. Am höchsten ist das Armutsrisiko in Deutschland derzeit in Bremen mit 33,7 Prozent. Die niedrigste Quote ermittelten die Forscher in der Oberpfalz (9,9 Prozent). Mit konkreten Zahlen ausgedrückt leben die meisten armen Kinder in den Regionen Düsseldorf (186.000), Köln (145.000), Arnsberg in Nordrhein-Westfalen (143.000) und Berlin (136.000).

Die Autoren werteten für ihre Studie den Mikrozensus von 2012 sowie Befragungen für das Panel Arbeitsmarkt und Soziale Sicherung (PASS) aus dem Jahr 2011 aus. Für PASS wurden 10.000 Haushalte gefragt, auf welche Güter sie aus finanziellen Gründen verzichten müssen. So haben ein gutes Viertel der Haushalte im Westen und ein Drittel im Osten nicht genügend Zimmer in der Wohnung. Es mangele auch an Winterkleidung, bei knapp 10 Prozent im Westen und 12 Prozent im Osten.

Die Studienmacher sehen belegt, dass Kinder in einkommensarmen Familien mit beträchtlichen Einschränkungen leben müssen. Als armutsgefährdet gilt, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Netto-Einkommens zur Verfügung hat. Für Eltern mit einem Kind unter 14 Jahren liegt die Armutsgrenze derzeit bei 1564 Euro im Monat.

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