Über die Ausstellung im Künstlerhaus Bethanien "When love turns to poison" (Wenn Liebe Gift wird) muss nun die Justiz entscheiden. Der Kinderschutzverein "Gegen Missbrauch" mit Sitz in Göttingen hat eine einstweilige Verfügung zur Schließung der umstittenen Schau in Kreuzberg beantragt. "Wir haben uns die so genannten Kunstwerke im Internet angesehen und waren entsetzt", sagte gestern der Vereinschef Ingo Fock. Unter dem Deckmantel von Kunst würden mit den Bildern pädophile Fantasien beflügelt. "Das geht eindeutig in Richtung Kinderpornografie." Berlins Justizsprecherin Ilona Wiese bestätigte den Eingang des Antrags. Wann darüber entschieden wird, stehe aber noch nicht fest: "Das hängt von der Klärung einiger formaler Dinge ab", sagte sie. Die seit dem 19. März gezeigte Ausstellung zum Thema Liebe, Sexualität und Gewalt ist sehr provozierend. Kritik richtet sich vor allem gegen jenen Teil, der sich mit dem Thema sexuelle Gewalt gegen Kinder befasst. Zu sehen sind dort auch künstlerisch verfremdete Bilder von Kindern, die offensichtlich gequält wurden. Fotos zeigen Mädchen in knappen Slips, auf einem Bild steht ein halb nackter Polizist vor einem kleinen Mädchen. Als "heftig" und "zum Teil grenzwertig" bezeichnete die Bürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg, Cornelia Reinauer, diese Darstellungen. Die PDS-Politikerin verantwortet als Kulturdezernentin die Ausstellung, 1 500 Euro hat der Bezirk dafür ausgegeben. Die Vorwürfe hält sie für unberechtigt: "Dass sich Künstler provokant und aggressiv mit gesellschaftlichen Themen auseinander setzen, ist gut und richtig, Pornografie ist das nicht", sagt sie. Einer der Angefeindeten ist der Lehrer und Videokünstler Mathias Seidel. Sein Videofilm, in dem zwei männliche Puppen eine Babypuppe zwischen den Schenkeln "untersuchen", finden viele Besucher widerlich. Seidel schaltete das Video am Dienstag für einige Stunden aus. "Ich musste nachdenken, ob mein Name durch diese Schmutzkampagne beschädigt wird", sagte er. Seit Mittwoch läuft der Film nun wieder. "Das Thema Missbrauch muss mehr in das öffentliche Interesse gerückt werden", sagt er. Als Lehrer wisse er, dass oft Schreckliches, das Kindern passiere, im Verborgenen bleibe. "Das ist der Kontext meiner Kunst." ------------------------------"Ich will aufrütteln und die Leute zum Hinsehen zwingen." M. Seidel, Lehrer und Künstler