Ein Kino am Rande der Stadt? Wer soll denn für einen Film von der City nach Adlershof reisen? Aber die Frage stellt sich ja anders: Wer will schon aus Adlershof zum Kinobesuch bis zum Ku damm fahren? Genau für jene ist jetzt das Casablanca in der Friedenstraße da. "Es soll ein richtiges Kiez-Kino sein, wo man sich trifft und heimisch fühlt", erklärt Kathrin Schulein, die direkt über ihrem kleinen Lichtspieltheater wohnt.Das Kino um die Ecke -- diese Idee reizte offenbar auch Marko Wilke, Betreiber der neuen Kinos Delta und Imperial, und Frank Zum, Geschäftsführer des Blow tip. Fast unmerklich ist die Kinolandschaft im Ostteil Berlins in Bewegung geraten: Während die Großen der Branche seit Monaten pompöse Kino-Modernisierungen ankündigen, verwandeln Filmenthuslasten lange verlassene Kinosäle in Mitte und Treptow sowie eine Fabriketage in Prenalauer Berg in kleine, aber feine Fiimtheater."Play it again, Sam" heißt es zur Eröffnung morgen im Casablanca, das den Kultfilm zum Kinonamen fortan nicht nur regelmäßig spielt, sondern auch seine Ausstattung darauf abstimmte: Die marokkanischen Wandmalereien im Saal und der origlnalgetreue Nachbau von Rick s Bar im Foyer verleihen dem Casablanca den Charme der 40er Jahre. Rund 500 000 Mark investierten die beiden Besitzerinnen Kathrin Schulein und Katrin Krlschok in ihr Kino, das einmal "für-Kiste" hieß, bevor es dem DDR-Fernsehen als Fundus diente.Ähnlich erging es dem Delta, das die DEFA als Filmiager nutzte und das nach 34 Jahren Ende Oktober von Marko Wilke wiedereröffnet wurde. Neben dem 1926 erbauten Delta betreibt Wilke seit kurzem auch im Berliner Congress Center an derJannowltzbrücke ein Fllmtheater. Wenn jetzt hier die Herren mit ihren Aktenköfferchen von dannen ziehen, kommen die Kinogänger. Ab 17 Uhr ist das Imperial eine Adresse für niveauvollen Filmgenuß. Der ist auch im Delta garantiert. Etwas Stuck und die hohe Holzdecke erinnern an vergangene Zeiten in dem ansonsten sehr sachlich gehaltenen Ambiente. Wilke, mit 26 Jahren Berlins jüngster Kinobetreiber, vermied leden Zierat und konzentrierte sich statt dessen auf Komfort: bequeme Sessel mit ungehindertem Blick auf 35 Quadratmeter Leinwand, Dolby SR und modernstes Projektionsgerät. Am 17. November präsentiert das Delta übrigens mit "Burning Life" seine erste Premiere.Ebenfalls ein Termin, den man sich vormerken sollte: Am Freitag, dem 2. Dezember, feiert das Blow up in Prenzlauer Berg seine Einstandsparty mit einem 48-Stunden-Nonstop-Programm. Mit dabei natürlich der erklärte Lieblingsfilm des Geschäftsführers Frank Zum, der seinem Kino in der Fabriketage den Namen gab. Umfangreiche Programmreihen und Originalfassungen will Frank Zum in seinen zwei Sälen zeigen -- ein Konzept, mit dem er bereits Cineasten in die Osloer Straße lockte, wo das Eisenstein nun nach seinem Fortgang leider schließt. Doch zum Blow up oder zum Delta ist es ja auch von Wedding nicht weit -- Zeit also, sich öfter über die ehemalige Grenze zu wagen.