Kirchengemeinden in Moabit geben Essen an Sozialhilfeempfänger aus / Helfer gesucht: Zu Weihnachten gehen Einsame ins Spätcafé

Weihnachten wird Andreas Kiefer in Tiergarten feiern. Im Gemeindesaal der evangelischen Erlöserkirche. Die Gemeinde am Wikingerufer ist an Heiligabend mit dem Spätcafé an der Reihe, wie jeden Freitag und Sonnabend zwischen November und März. "Spätcafé" nennt sich ein Gemeinschaftsprojekt der Kirchengemeinden in Moabit. Obdachlose und Sozialhilfeempfänger bekommen dort jeden Abend Essen.Willkommen ist jeder. An normalen Sonnabenden teilen die Helfer in der Erlöserkirche 60 Portionen aus. "Die meisten Leute stehen um 17 Uhr, wenn wir aufmachen, schon vor der Tür", sagt Andreas Kiefer. Er hat zweieinhalb Jahre auf der Straße gelebt. Seit knapp einem Jahr hat der 30-Jährige nun eine Wohnung und eine ABM-Stelle. Aber er kommt weiterhin zu den Spätcafés, teilt Essen aus.Armut in MoabitDie Heilandsgemeinde an der Thusnelda-Allee hat 1995 mit dem Projekt begonnen, die anderen Kirchengemeinden im Kiez schlossen sich an. "Das soziale Engagement der Kirche ist bei der Armut in Moabit nötig", sagt Pfarrer Wolfgang Massalsky von der Erlösergemeinde. Bei ihm und in der Heilandsgemeinde gibt es zweimal die Woche warmes oder kaltes Abendessen. Die Reformationsgemeinde, die St. Johannisgemeinde und die katholische St. Paulus-Gemeinde des Dominikanerklosters haben das Café an je einem Wochentag übernommen. Dieses Jahr ist die Erlösergemeinde außer an Heiligabend auch zu Silvester und Neujahr an der Reihe. Pfarrer Massalsky sucht Leute, die Essen austeilen. "Sogar ganz feste Helfer werden diesmal an Silvester nicht kommen", sagt er. Wegen der Jahrtausendwende. Trotzdem hofft Pfarrer Massalsky auf Überraschungen, wie an Heiligabend vor zwei Jahren. "Da kamen zwei fremde junge Frauen und sagten, wir möchten heute helfen." Zwei würden diesmal nicht reichen. Er braucht den ganzen Winter hindurch Hilfe im "Café". Der Pfarrer findet, alle Gemeindemitglieder sollten sich engagieren. "Sich um die Armen zu kümmern ist eine Daueraufgabe", sagt er.Pfarrer Massalsky ist fast jede Woche da. Er holt das Essen, Restportionen aus dem Altersheim: Eintopf, Hühnerfrikassee mit Reis oder panierte Schollenfilets. Der Pfarrer genießt Respekt unter den Obdachlosen, seit er einen Mann eigenhändig rausgeworfen hat. "Der war ruppig und besoffen, hat nicht kapiert, dass man andere tolerieren muss", sagt Massalsky. Auf nur zwei feste Helfer kann er sich verlassen. Horst H. ist einer der beiden. Er war drei Jahre obdachlos nach seiner Scheidung. An den Feiertagen wird er diesmal nicht da sein im Spätcafé. Er versteht sich wieder mit seiner Frau. Horst H. will diesmal feiern mit ihr und den Kindern.SPÄTCAFÉ Speisung in sechs Kirchengemeinden // Sechs Kirchengemeinden veranstalten Spätcafés für Obdachlose. Die Zeiten: von 17 bis 21 Uhr, an Heiligabend von 19 bis 22. 30 Uhr, an Silvester von 17 bis 1 Uhr.Geöffnet ist montags und donnerstags in der Heilandskirche am U-Bahnhof Turmstraße, dienstags in der Reformationsgemeinde Wielefstraße 32, mittwochs in der St. Johannisgemeinde, Alt-Moabit 25, freitags im Jugendhaus der Erlösergemeinde, Alt-Moabit 71, sonnabends im Gemeindesaal der Erlöserkirche, Wikingerufer 9, sonntags in St. Paulus, Oldenburger Str. 46.Mehr Informationen gibt Pfarrer Wolfgang Massalsky, Tel. 3 91 22 17.