Eigentlich wollte er längst in Pension gehen, Golf spielen und sonst gar nichts. Doch dann wurde ein Freund ermordet, Treuhandpräsident Rohwedder. Da wechselte Klaus Schucht, bis dato Vorstandssprecher des Ruhrkohle-Konzerns, zur Treuhand nach Berlin. Im Vorstand galt er als der Mann für heikle Privatisierungen - zuständig für die ostdeutsche Braunkohle, die Chemie, den Kalibergbau. Jetzt bezieht Klaus Schucht, 64 Jahre alt, SPD-Mitglied, als Wirtschaftsminister ein Büro im rot-grün-regierten Magdeburg. Mit der Berufung des Treuhandmanagers möchte Ministerpräsident Höppner dem Gerede, wonach das "Magdeburger Modell" Investoren vergraule, wohl ein Ende setzen. Als Wirtschaftsminister will der Mann mit dem stockgeraden Gang und der zackigen Stimme "Nachsorge" üben: "Oft verhindern nur kleine menschliche Mängel, daß es aufwärts geht", glaubt Schucht, "der falsche Mann im Vorstand oder Fehler in der Bürokratie." Da will er Ratschläge und Beistand geben. Doch wenn sich Schuchts Treuhand-Kollegen durchsetzen, wird in Dessau der Waggonbau geschlossen. Premier Höppner hat Widerstand angekündigt, Schucht sieht wenig Grund für Protest gegen das Treuhand-Konzept.Zur PDS hat Schucht ein pragmatisches Verhältnis: "Wenn einer heute gut arbeitet, frag ich den nicht, was er früher gemacht hat", sagt er. Die "Magdeburger Verhältnisse" findet er reizvoll: "In allen anderen Bundesländern haben sich die Parteien verbarrikadiert, große Koalition gegen PDS, nur in Magdeburg haben wir eine zukunftsoffene Situation."Manchmal, wenn die SPD-Linken in seinen Augen "wüste Unvernünftigkeiten" produzieren, denkt er über Austritt nach. Eingetreten war er 1967, als Kanzler Erhard Schriftsteller als Pinscher bezeichnete. Diese Intellektuellenfeindlichkeit der CDU war ihm zuwider. Schucht ist Bürgersohn, Vater und Großvater waren Beamte. Humanistische Bildung stand obenan, abends sitzt Schucht am liebsten am Kamin und liest Bücher. Fernsehen hält er für reine Zeitverschwendung. +++