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Die Digitalisierung ist längst ein globales Phänomen, das alle Altersgruppen betrifft. Vom Smartphone als ständiger Begleiter im Alltag über den RFID-Chip als Zugangsberechtigung in der Firma hin zum Smart Home mit netzwerkgesteuerten Geräten und Baueinheiten gibt es etliche Beispiele. Subjektiv gesehen wird jeder Tag ein bisschen digitaler; und das auch und vor allem für Kleinkinder, Kinder und Jugendliche. Deshalb haben wir für ein Gespräch über die Digitalisierung in Kindergärten und Schulen Antje Bostelmann, die Gründerin der Klax Gruppe, als Expertin zum Interview geladen.

Digitalisierung in Kindergärten und Schulen

Verschiedenartig an der Diskussion um die Digitalisierung in Kindergärten und Schulen beteiligte Parteien bringen immer wieder unterschiedliche Aussagen zum Thema hervor. Während einige den Einsatz von Computern, Tablets, Robotern und anderen smarten Geräten in der frühen Bildung von Kindern ablehnen, halten andere dieses Vorgehen für die beste Möglichkeit zur Vorbereitung auf die reale, digitalisierte Welt.

Pädagogen und Pädagoginnen, Erzieher/innen und weitere Fachkräfte stehen dazwischen und müssen die richtige Balance aus Bauklötzen, Waldexkursionen und Spielplatzspaß sowie Tabletnutzung, App-Anwendung und Programmieren finden. Und genau darauf scheint es anzukommen: die digitale Welt zwar so gut wie möglich zu erklären, sie aber nicht als einzige Lern- und Freizeitmöglichkeit dastehen zu lassen.

Lernen ohne Digitalisierung: kindgerecht oder weltfremd?

Dabei führen die Gegner von digitalen Medien in Kindergarten und Schule an, dass Kinder vorrangig ihre sozialen Kompetenzen, ihre Motorik und andere Fähigkeiten entwickeln müssen. Der Umgang mit Bildschirmen und nicht greifbaren Inhalten sei dabei hinderlich und somit nicht kindgerecht. Bis zur Grundschule sollten, so einige Gegner, digitale Medien beim Lernen gar keine Rolle spielen.

Auf der anderen Seite stehen die Befürworter, die darauf hinweisen, dass Kinder und Jugendliche zuhause, unterwegs, bei Freunden, bei Ausflügen und ansonsten im gesamten Alltag so viel mit Digitalisierung zu tun haben, dass sie besser früher als später den Umgang damit lernen müssen. Die Abschottung von digitalen Elementen in einer expliziten Lernumgebung, in der zudem Anleitung und Begleitung durch Pädagogen möglich ist, sei daher kontraproduktiv und weltfremd.

Interview mit Antje Bostelmann von der Klax Gruppe

Antje Bostelmann hat 1990 in Berlin unter dem Namen Klax angefangen, mit verschiedenen künstlerisch agierenden Einrichtungen Angebote für Kinder zu gestalten. Dabei sollten neben dem Vermitteln von Wissen auch die individuellen Stärken und Interessen der Kinder in den Vordergrund gerückt werden. Im Laufe der Zeit entwickelten sich Kita- und Schulangebote sowie Tochterunternehmen - und sogar ins europäische Ausland wurde expandiert. Im Interview rund um die moderne Gestaltung von frühkindlicher Erziehung und Schulbildung hat uns Antje Bostelmann einige interessante Einblicke gewährt.

Frau Bostelmann, vielen Dank für Ihre Zeit. Sie sind Gründerin und Geschäftsführerin der Klax Gruppe - was genau kann man sich darunter vorstellen?

Der Name Klax stand anfangs für Bestrebungen, vor allem im künstlerischen Bereich Angebote für Kinder zu gestalten, damit diese zum Beispiel Malen oder Töpfern können. Aus dieser Idee ist 1990 eine Malschule entstanden, schon ein Jahr später gab es Angebote für die Nachmittagsbetreuung von Schulkindern. Die Entwicklung von Klax dauert seither an und hat sich in viele Bereiche entwickelt. Seit 2014 entwickeln wir bei Klax Gruppe auch digitale Lösungen für Kitas und Schulen.

Der letzte Punkt klingt besonders interessant. Wie ist denn ihr Standpunkt zu digitalen Medien in Kitas und Schulen, und wie arbeitet man bei Klax in diesem Bereich?

Mit den einzelnen Angeboten der Klax Gruppe unterstützen wir Einrichtungen wie Kitas und Schulen in Deutschland sowie auch pädagogische Anlaufstellen im Ausland mit individuellen Konzepten. Diese zeigen die Möglichkeiten einer aktuell gestalteten Lehrarbeit auf. Oder anders gesagt: wir sind bestrebt, zeitgemäße Angebote zu gestalten und zu kommunizieren, wozu natürlich auch die Digitalisierung in entsprechenden Einrichtungen zählt. Werden diese im richtigen Verhältnis zu bewährten, konventionellen Inhalten angeboten, dann liefern sie einen guten Ausgangspunkt für die digitale Bildung von Kindern und Jugendlichen.

Was halten Sie von der Meinung, dass Kinder im Rahmen von Lehreinrichtungen gar nicht mit digitalen Medien in Kontakt kommen sollten?

Das klingt nicht sehr weit gedacht. Denn auch wenn Kitas, Schulen und ähnliche pädagogische Einrichtungen eine Sonderstellung einnehmen und sich von Alltag und Familienleben abheben, so geben sie doch für eben jene Bereiche die richtigen Fähigkeiten und entsprechendes Wissen mit. Genauso wie ein Kind Konflikte durch die Kommunikation seiner Gedanken und Emotionen für den Alltag im Kindergarten erlernen kann, so kann es auch den Umgang mit Programmen, Apps und Robotern erlernen. Denn dass das Kind auf seinem Weg als Mensch irgendwann damit in Berührung kommt, das ist nicht nur abzusehen, sondern bereits allgegenwärtige Realität.

Gibt es aber nicht auch negative Einflüsse oder gar konkrete Gefahren, denen Kindern durch den Einsatz digitaler Medien im pädagogischen Bereich ausgesetzt sind?

Nicht wenn das Lehrkonzept vorher durchdacht wird und die technische Ausstattung der Einrichtungen kontrolliert wird. Denn man könnte auch argumentieren, dass Kinder keine Bücher lesen sollten, weil es in einigen um Kriegsakte, Gewalt und andere schlimme Dinge geht. Man muss also dafür sorgen, dass die Einrichtung und die Pädagogen den Umgang mit den Medien beherrschen und dass die Inhalte kindgerecht sind, sie dabei aber alltagstauglich bleiben. Zum Beispiel kann man Kinder heutzutage zwar immernoch mit Atlanten und Faltkarten aus Papier geografisch belehren. Wenn es aber im Elternhaus nur Google Maps und Navigationssysteme in Aktion sieht, was bringt das dann wirklich?

Sie sind also auf jeden Fall dafür, dass Kinder und Jugendliche in Kitas und Schulen an digitale Medien herangeführt werden und die Hintergründe derselben erkunden können?

Nicht unbedingt auf jeden Fall, aber mit Sicherheit dann, wenn die Kompetenz der Pädagogen für den sicheren Umgang mit den Medien und Geräten sowie auch ein analoges Spiel- und Lernprogramm gegeben sind. Denn natürlich sollen Tablet, Roboter und Co. nicht den Spielplatz, die Wanderung, den Museumsbesuch oder das ganz normale Bauen mit Bauklötzen ersetzen. Nur sind diese Angebote als einzige Programmpunkte nicht mehr zeitgemäß. Die Vorbereitung auf das echte Leben enthält eben auch Displays und Monitore, auch wenn einige Kritiker nicht verstehen, was Pädagogen und Kinder darin wortwörtlich sehen.

Ein gutes Schlusswort. Vielen Dank für das Gespräch Frau Bostelmann.

Sehr gern.

Fazit zum Thema

Die Digitalisierung in Kindergärten und Schulen nimmt langsam Fahrt auf und stellt wie jede größere oder kleinere Veränderung in festen Konstrukten der Gesellschaft ein Streitthema dar. Wo viele keine Notwendigkeit und eher Gefahren bei der Sache sehen, da gibt es für andere natürlich eine Notwendigkeit sowie vor allem Chancen für das ganze Leben. Damit letztere genutzt werden können und das Wissen auch alltagstauglich ist, braucht es ganzheitliche Konzepte sowie den Ausgleich mit herkömmlichen Lehr- und Spielinhalten. In Zukunft wird sich dies wohl durchsetzen, da Parallelwelten ohne jegliche Medien in Lehreinrichtungen nicht realistisch erscheinen.