Warum kleckern, wenn man auch klotzen kann? Warum nicht zu weinroten Samtleggins einen orangefarbenen Tiger-Badeanzug kombinieren und das Ganze mit der Dienstkleidung aller Hausfrauen dieser Welt, dem Kittel (gern ampelrot und mit falschem Dalmatinerfell verbrämt) abrunden? Warum nicht zum feuerroten Haarturm Schlagschatten in Froschgrün auf die Lider legen und mit Clownsschminke Kreise auf den Wangen ziehen? Kleinkunst muß nicht kleinlich wirken. Hertha Schwätzig (nomen est omen, der Mund steht niemals still) beweist in der Ufa-Fabrik: Jedes Detail an sich kann schon Exzeß sein.Ist der Sehnerv erst einmal erschüttert, kann sich das Publikum mit den vielfältigen Anwendungsgebieten des Produktes "Hertha" vertraut machen. Astrid Irmer, Erfinderin und Darstellerin der Hertha Schwätzig, ist nicht nur Kabarettistin, das sind viele. Sie ist auch Zauberin, und davon gibt es wenige, die meisten Frauen beschränken sich hier aufs Assistieren. Multiple Möglichkeiten: "Zauberkabarettisch" wird also entweder über den schlaffen Gatten "Nobbärt" hergezogen oder rasch ein Törtchen herbeigehext.Vor allem aber ist La Schwätzig Hausfrau aus Leidenschaft - und nebenbei eine Art Vorsängerin im großen Frauenzeitschrift-Kanon. Von "Richtig Staubsaugen" bis "Pinkeln im Sitzen - wie gewöhne ich meinen Mann daran" reicht das Repertoire. Letzteres, so lehrt der über die Comedy-Szene schweifende Blick, muß fast als neues Lieblingsthema betrachtet werden. Könnten Frauen umgekehrt einen Kabarettisten ertragen, der sich über Haare im Waschbecken ausläßt?Hertha, die über eine propere XXL-Figur verfügt, thematisiert jedoch vor allen Dingen das Augenscheinliche: "Ich habe bei den Weight Watchers angerufen - aber es hat niemand abgenommen " Als wertlos, aber unterhaltsam erweist sich auch die "Abkratz-Diät": Um das Fett von innen abzukratzen, schluckt man Rasierklingen. Das Mitglied des "Magischen Zirkels" und der "International Brotherhood of Magicians" tut's - und zaubert die Klingen anschließend als lange Kette wieder hervor."Neu: Sperma light - macht schwanger, aber nicht dick". Pointen dieser Art scheinen nur darauf zu warten, daß ihnen ein Tusch folgt. Wo ist die Bütt? "Das Leben ist hart, aber ich bin Hertha" - so der vollständige Titel des Programms - hat diesen selbstgewissen jovialen Witz, den die Faschings-Diaspora Berlin wohl der "rheinischen Frohnatur" zuordnen würde. Dabei, so wird beim Einstudieren der Publikumschöre klar ("Schlank ist schön" gegen "Hunger! Hunger!"), könnten überall Kölsche Verhältnisse herrschen: "Immer alle schön mitmachen, dann kommt sich keiner blöd vor!" Nein, trotzdem Carmen Böker Bis 2. März in der Ufa-Fabrik, Mi-So 20.30 Uhr. +++