BERLIN. Für Peter Ramsauer ist die Sache klar: "Wir müssen das Wickelvolontariat nicht haben", gab der CSU-Landesgruppenchef gestern in Berlin zu Protokoll. Die launigen Worte richten sich gegen zwei Monate Jobpause zum Zwecke der Kinderbetreuung. Nur Paare, die sich Jobpause und Kinderbetreuung im Verhältnis zehn Monate zu zwei Monaten teilen, sollen künftig vom Staat zwölf Monate lang mit dem Elterngeld unterstützt werden. Bleibt ein Partner voll im Beruf, wird die Zahlungsdauer reduziert. Das plant zumindest Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU). Und so steht es übrigens auch im Koalitionsvertrag.Die CSU, sagt Ramsauer, glaubt nicht so recht an den Steuerungseffekt des Elterngelds, daran, dass Väter deswegen künftig öfters mal aussetzen im Beruf, wenn Nachwuchs kommt. "Wenn's in den Familien funktioniert, kriegt man das auch so ganz gut hin", sagt Ramsauer, der selbst vier Kinder hat. Wenn die Beziehung dagegen schwierig sei, sei auch mit staatlichen Anreizen nichts Wesentliches zu machen.Nun hat aber die Familienministerin inzwischen fast alle in der Koalition auf ihrer Seite, da will die CSU nicht so sein. Man wolle "nicht bis auf den letzten Blutstropfen" kämpfen, sagt Ramsauer. und vielleicht sei das mit dem Anreiz ja doch nicht so schlecht, wenn man es nur unverkrampft angehe. "Ich gehe davon aus, dass es bei den Partnerschaftsmonaten bleibt."Ein kleines Bonbon wollen die Bayern dann aber doch aushandeln. In die Koalitionsrunde am 1. Mai gehen sie mit der Forderung, die "10 + 2"-Regelung auszudehnen in eine "12 + 2"-Regelung. Das Elterngeld würde demnach auf jeden Fall ein Jahr lang gezahlt, zwei weitere Monate kämen hinzu, wenn der zweite Partner diese zusätzliche Zeit zur Kinderbetreuung nutzt.Familienbericht frisch aufgelegtAm Prinzip von der Leyens ändert das nichts - an den Kosten allerdings sehr wohl. Natürlich stehe alles unter Finanzierungsvorbehalt, fügt Ramsauer daher flugs hinzu und schließt nicht aus, dass sich die CSU doch noch der Familienministerin anschließt. Allerdings will die CSU zuvor noch einmal über die Höhe des Sockelbetrags des ansonsten einkommensabhängigen Elterngeldes verhandeln, der auf jeden Fall gezahlt werden soll. Auch der bisher vom Ministerium geplante maximale Förderbetrag von 1 800 Euro ist für Ramsauer noch einmal zu diskutieren. Nicht gut findet es die CSU außerdem, dass das Arbeitslosengeld II nicht auf das Elterngeld angerechnet werden soll. Die Familienministerin reagierte gestern zunächst nicht direkt auf die Vorschläge der CSU, sondern freute sich zunächst einmal über die Unterstützung ihrer Pläne durch die CDU-Ministerpräsidenten aus Niedersachsen, Baden-Württemberg und aus dem Saarland. Das Elterngeld signalisiere der Gesellschaft, dass die Erziehungszeit von Vätern und Müttern akzeptiert sei und verringere darüber hinaus die Kinderarmut, sagte die Ministerin.Da fügte es sich ganz gut, dass sich die Regierung gestern mit dem 7. Familienbericht beschäftigt hat. Darin wird schließlich nachdrücklich die Einführung eines Elterngeldes befürwortet. Der Berliner Familien- und Jugendforscher Hans Bertram, der die Sachverständigenkommission zur Erarbeitung des Familienberichts geleitet hat, erklärte, die umstrittenen Vätermonate seien "ein Schritt in die richtige Richtung". Kinder hätten das Recht auf Erziehung und Betreuung durch beide Eltern. Mit dem Anspruch auf Elterngeld könnten sich Väter, die sich um ihre Kinder kümmern wollten, gegenüber Arbeitgebern und Umwelt besser durchsetzen. 30 Prozent der jungen Männer gäben inzwischen an, Beruf und Kinder vereinbaren zu wollen.Angesichts dieser "Bestätigung der Regierungspolitik" (Regierungssprecher Ulrich Wilhelm) macht es auch gar nichts, dass der 7. Familienbericht bereits im vergangenen August vorgestellt worden war. Auch die Bundesfamilienministerin hatte den Bericht und die darin enthaltenen Forderung nach dem Elterngeld bereits begrüßt. Damals hieß die Familienministerin allerdings noch anders: Es war Renate Schmidt von der SPD.------------------------------Grafik: Erwerbstätigenquote im Vergleich------------------------------Foto: Väter sollen mit dem Elterngeld zu ihrem Glück "gezwungen" werden.