Schon früher verordneten Ärzte gerne mal einen Luftwechsel, doch meistens verfolgten sie dabei lediglich die Absicht, den Patienten in anderer Umgebung zur Ruhe kommen zu lassen. Mittlerweile sprechen jedoch auch wissenschaftliche Daten für einen konkreten medizinischen Wert der Klimatherapie. In der Regel erfolgt die Klimatherapie an der See oder im Gebirge, also weit weg von Städten und Ballungsräumen, in denen viele Allergene und Schadstoffe kursieren. "Wegen der geringen Luftfeuchtigkeit ist etwa im Alpenraum die Milbenkonzentration schon zwischen 850 und 1200 Metern deutlich verringert", erläutert Arbeits- und Umweltmedizinerin Angela Schuh von der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Ab 1600 Metern seien die Tiere gar nicht mehr lebensfähig. Salz in der Luft Die Seeluft bietet neben der hohen Reinheit sogenannte Aerosole. Bei diesen Stoffen handelt es sich um eine Mischung aus Jod und Salz, die bei ihrem Kontakt mit den Atemwegen den Abtransport von Schleim aus der Lunge anregt. "Am Anfang kann es wohl", wie Angela Schuh betont, "zu Hustenanfällen kommen, doch die werden schon bald durch eine umfassende Erweiterung der Bronchien abgelöst." Das eingeatmete Salz fördere außerdem die Durchblutung und Anfeuchtung der Schleimhäute. Ob freilich all diese Effekte tatsächlich ausreichen, um Krankheiten wie etwa Allergien zu hindern, kann nur durch klinische Studien belegt werden. Angela Schuh hat daher zusammen mit Mitarbeitern die wissenschaftliche Datenlage zur Klimatherapie gesichtet. Demnach kann der Klimawechsel ins Hochgebirge tatsächlich bei Allergien wie Dermatitis, Heuschnupfen und allergischem Asthma hilfreich sein. "In einer Studie verzeichneten zwei Drittel der Patienten noch nach zwölf Monaten eine deutliche Verbesserung", berichtet die Umweltmedizinerin. Man kann also durchaus von einem Langzeit-Effekt sprechen. Umstritten ist allerdings, ob die hohe Ozonreaktion im Hochgebirge für die Atemwege nicht doch eine zusätzliche Belastung darstellt. Der Körper passt sich an Auch Patienten mit Schuppenflechte und Osteoporose profitieren vom Aufenthalt in der Höhe, wegen des intensiveren UV-Lichts in diesen Breiten, das die körpereigene Vitamin-D-Produktion anregt. Der niedrige Sauerstoffgehalt im Hochgebirge zwingt den Körper außerdem zu einer Anpassung, die ähnlich wie ein sportliches Ausdauertraining wirkt. Was sich unter anderem dadurch bemerkbar machen kann, dass überhöhte Blutdruckwerte wieder in die Nähe des Normal-Niveaus kommen. Zur Wirkung von Aufenthalten an Nord- und Ostsee fanden die Forscher nur wenige aktuelle Studien. Doch diese deuten zumindest auf eine Besserung von Dermatitis bei Kindern hin. Besonders günstige Bedingungen herrschen jedoch am Toten Meer, weil dort neben extrem hohen Salz- und Sauerstoffwerten auch intensive Sonnenstrahlen auftreten. Dies verschafft vor allem Patienten mit Schuppenflechte eine deutliche Linderung, in einer Studie kehrten zudem bei Vitiligo-Patienten verlorene Hautpigmente zurück.