Haushaltsgeräte sollen nach dem Willen der EU-Kommission künftig deutlich weniger Strom verbrauchen. Betroffen von der Ökodesign-Richtlinie 125 EG sind praktisch alle elektrisch betriebenen Küchenhelfer sowie Unterhaltungselektronik und Bürogeräte, Wäschetrockner und Fernseher ebenso wie Klimaanlagen und Kopiergeräte. Die bereits 2009 von der Kommission beschlossene Rahmenrichtlinie bedingte schon das Aus für herkömmliche Glühbirnen. Vom kommenden September an sind energiefressende Reinigungsgeräte an der Reihe: Dann dürfen nur noch Staubsauger mit weniger als 1600 Watt Nennleistung verkauft werden.

Aus Sicht des Vorsitzenden der Unions-Abgeordneten im Europaparlament, Herbert Reul (CDU), ist dies Ausdruck einer Verbotswut der EU-Kommission, die dringend gebremst werden müsse. „In der Wirtschaftskrise gibt es weitaus Wichtigeres als die europaweite Regulierung von Haushaltsgeräten“, echauffierte sich Reul am Wochenende in der Bild-Zeitung.

Damit hat der CDU-Politiker aus Nordrhein-Westfalen sicher recht. Nebensächlich oder gar unnötig ist die Verordnung aber keineswegs. Es geht schließlich darum, den Stromverbrauch zu senken, die Umwelt zu schonen und somit das Erreichen des europäischen Klimaziels 2020 aktiv zu befördern. Gleichsam nebenbei werden auch die Energiekosten für die Verbraucher im Zaum gehalten. Helfen sollen farbige Labels, die den Strombedarf der Staubsauger künftig auf den ersten Blick anzeigen: Grün steht für geringen, tiefrot für verschwenderischen Verbrauch. „Ich kann nicht erkennen, dass sinkende Stromkosten und mehr Klimaschutz zum Nachteil der Verbraucher sein sollten“, betont Bärbel Höhn, Verbraucherpolitikerin der Grünen. „Außerdem wird ja niemand gezwungen, seinen alten Staubsauger wegzuwerfen“, sagte Höhn der Berliner Zeitung am Sonntag. „Herr Reul sollte sich wieder abregen.“

Die meisten Hersteller sehen das offenbar ähnlich. Ihnen sind die neuen Grenzwerte bereits seit längerem bekannt, ein Sturm der Entrüstung blieb gleichwohl aus. Fast alle Produkte von Siemens, Bosch, Miele und anderen Herstellern kommen nämlich längst mit wenig Energie zurecht, um kraftvoll ihren Daseinszweck zu erfüllen. In den Vergleichstests der jüngeren Vergangenheit siegten Modelle mit Motorleistungen zwischen 1000 und 1400 Watt und unterschritten damit den 1600-Grenzwert deutlich. Auch wenn die Nennleistung ab 2017 nochmals – auf dann 900 Watt – gesenkt wird, dürfte das die renommierten Hersteller kaum vor unlösbare Probleme stellen.

Selbst der Wuppertaler Hersteller Vorwerk, der laut Bärbel Höhn lange Zeit auf energieintensive Modelle gesetzt und sich deshalb gegen die Grenzwerte gestemmt habe, hat mittlerweile fast nur noch energiesparende Geräte im Programm. Einige Vorwerk-Modelle unterschreiten gar die 1000-Watt-Grenze. Größeres Aufsehen um die stromarme Staubsaugerei dürfte mithin ausbleiben.

Bleibt die Frage, warum sich der Europa-Abgeordnete Reul in der Frage derart engagiert. Vielleicht war die Versuchung, es den Brüsseler Bürokraten im Namen der Verbraucher mal so richtig zu zeigen, einfach zu groß.