Die Erde ist ein zartes Ding. Während des Vorspanns zu "Knowing" nähern wir uns ihren grünen, blauen und braunen Farbflächen aus dem Weltraum; bald erkennen wir Strukturen, andere Farben, Flora, Autobahnen, künstliche Beleuchtung. Wie schön ist das. Undenkbar, dass dieser Ort einst nicht mehr sein soll. Am Ende des Films, wenn sich die Katastrophe andeutet, färbt sich der Horizont rot.Alex Proyas ist ein Regisseur kinematografischer Kraftakte. Im Blockbuster-Kino konnte er sogar die eine und andere Markierung setzen, die nicht ausschließlich auf Programmiererleistungen beruhte, sondern auf einer exakten Fantasie dessen, was da zu sehen sein soll. In "I, Robot" war das die vollendete menschlich-maschinelle Mehrdeutigkeit der Roboter. Auch in seinem neuen Film "Knowing" gelingt Proyas etwas: Die Bilder der verwundbaren Erde stehen neben einem aus abstrus geringer Distanz gefilmten Flugzeugabsturz und der geradezu Leinwand-sprengenden Entgleisung einer U-Bahn; durch den Kontrast erhalten die Sequenzen ihre über die Bilder selbst weit hinauswirkende Bedeutung.Jenseits der Bilder wird es allerdings regelmäßig dünn in Proyas' Filmen. "Knowing" ist ein Weltuntergangsfilm der geradezu beleidigend unpolitischen Art: Nicht einmal das gesellschaftskritische Mindestprogramm des Genres, der Hinweis auf die menschenverachtenden Maßnahmen des Katastrophenschutzes und Militärs, wird in "Knowing" umgesetzt. Wo es nicht mal Menschenverachtung gibt, spielt die Achtung vor dem Menschen auch keine große Rolle. In "Knowing" geht es auch um ein Vater-Sohn-Verhältnis, für das sich Proyas indes bestenfalls pflichtschuldig interessiert: Caleb ist der Sohn des Astrophysikers John (Nicolas Cage). Als in seiner Schule eine vor fünfzig Jahren versenkte Zeitkapsel gehoben wird, finden sich darin Zukunftsvorstellungen, wie sie Kinder in den 1950ern malten. Die werden nun unter den amüsierten Schülern verteilt. Nur Caleb bekommt kein Bild, sondern einen Zettel mit sehr vielen Zahlen.Seinem Vater fällt nun eines Abends auf, dass diese Zahlen Daten von Katastrophen sind: Orts- und Zeitangaben, Opferzahlen. Das meiste ist Vergangenheit, aber drei künftige Unglücke hält der Zettel noch bereit, und John versucht natürlich, sie zu verhindern. Doch am Ende werden in den Nachrichten exakt die prophezeiten Opferzahlen verlesen. John forscht besessen nach den Ursprüngen des Zettels, vernachlässigt bei all dem aber seinen Sohn. Während dessen kündigt sich durch verstärkte Sonnenaktivität die finale Katastrophe an.Dass man nun nichts, aber auch gar nichts machen kann gegen diesen verderblichen Auswurf der lieben Sonne, ruiniert den bis dahin tragfähigen Spannungsaufbau des Films. Da es keine Lösung des Sonnenproblems gibt, die Produzenten die Zuschauer aber auch nicht hoffnungslos entlassen wollten, sah man sich zur Erfindung eines wahrhaft fürchterlichen Schlusses gezwungen. Hätte man ihn weniger süßlich inszeniert, wäre das Verzweifelte hinter seiner Unwahrscheinlichkeit deutlich geworden.Knowing USA 2008. Regie: Alex Proyas, Drehbuch: Alex Proyas, Stuart Hazeldine, Kamera: Simon Duggan, Darsteller: Nicolas Cage u. a., 122 Min., Farbe.------------------------------Foto: Jack (Nicolas Cage) ist auch nach Feierabend wacker am Forschen.